AudioPilz taucht kopfüber in den wilden Untergrund der Musiktechnik ein und nimmt Yamahas Portasound-Reihe gnadenlos auseinander. Vergiss Nostalgie: Hier gibt’s Jahrzehnte voller Plastik-Chaos, zufälliger Legenden und absurder Design-Fehltritte – alles mit dem typischen AudioPilz-Humor serviert. Wer denkt, das sind nur Kindertasten, bekommt hier eine groovige Abreibung. Rave-Bunker packen – das ist Synth-Geschichte im Schnelldurchlauf.

17. Oktober 2026
SPARKY
AudioPilz vs. Yamaha Portasounds: Spielzeug mit Biss
Yamaha DJX, Yamaha Portasound PSR6700, Yamaha Portasound PSS-30, Yamaha Portasound PSS-380, Yamaha Portasound PSS-390, Yamaha Portasound PSS-470, Yamaha Portasound PSS-480, Yamaha Portasound PSS-570, Yamaha Portasound PSS-680, Yamaha Portasound PSS-780, Yamaha Portasound PSSF30, Yamaha Portasound VSS
Von Lo-Fi-Legenden zu Design-Verbrechen
AudioPilz startet mit einer Verbeugung vor den Yamaha Portasounds – diesen herrlich schrägen Underdogs, die seit über 45 Jahren Wohnzimmer und Schlafzimmer-Studios heimsuchen. Wir reden hier von einer Produktpalette, so riesig, dass selbst erfahrene Gear-Nerds den Überblick verlieren. Seit 1980 hat Yamaha rund 500 verschiedene Modelle rausgehauen – von winzigen Spielzeugen bis zu seltsamen Prototypen. Der Konkurrenzkampf mit Casio war hart, aber Yamahas Trick: Sie haben die Hybrid-Digital-Analog-Technik aus ihren Electone-Orgeln in kleine, günstige Keyboards gestopft. Das hat sich ausgezahlt: Portasounds wurden zum Massenphänomen, Millionen verkauft, die Produktionslinie lief heißer als ein Toaster-Fight auf der Synth-Messe.
Was diese Teile ikonisch macht, ist nicht nur ihre Allgegenwart – es ist der wilde Mix aus Einfachheit, eingebauten Lautsprechern und einer Designpalette von genial bis komplett daneben. Über die Jahre hat Yamaha Profi-Features zwischen den Kitsch gestreut und manchmal Innovationen gebracht, die niemand wollte (Grüße an den Musikdrucker im MP1). Sogar der berüchtigte DJX wird hier zur Portasound-Familie gezählt. Das Ergebnis? Eine Zeitreise voller geliebter Klassiker und Design-Katastrophen – perfekt zum Samplen, Modden oder einfach zum Ablachen.

"Sie haben in den Folgejahren bis zu 60.000 Portasounds pro Tag produziert – insgesamt 60 Millionen Stück über die Jahrzehnte."
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Technik-Sprünge und Feature-Bomben

"Gerade ältere Rompler-Modelle liefern knusprige Low-Res-Klänge, die man durchaus gebrauchen kann – aber im Grunde gibt es zwei Portasound-Typen, die sich lohnen."
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Nicht jeder Portasound ist gleich, aber ein paar Schlüsselmomente retten die Reihe vor dem Meme-Tod. Erstens: Yamahas DX7 FM-Synth kam ’83 und hat die Regeln geändert – plötzlich wurden auch manche Portasounds zu Geheimtipps. Aber bevor du eBay leer kaufst, solltest du wissen, was Sache ist: Die Entwicklung teilt sich auf in Mini-Key-PS/PSS-Modelle und die größeren, workstationartigen PSR-Serien. Die PSRs wurden zu echten Semi-Profi-Kisten, aber für dreckige Synth-Fans sind die kleinen, schraubbaren Geräte das wahre Gold.
Die meisten frühen Portasounds sind Preset-lastig und kaum editierbar, aber der Lo-Fi-Charme knallt heute noch. Manche Modelle wie der PSS-30 hauen digitale Rechteckwellen raus wie alte Spielekonsolen. Andere sind reine Sample-Rompler – crunchy, Lo-Fi, aber meist nur mit Circuit-Bending spannend. Die wahren Perlen? VSS-Modelle mit Sampling (quasi Casio SK-1 für Arme) und die FM-befeuerten PSS-Varianten. Erwartet keinen DX7-Sound – meist gibt’s nur Zwei-Operator-FM, aber in den richtigen Händen werden sie zur Straßenwaffe.
Portasound-Helden: Der PSS-680 und seine Freunde
Zeit für die großen Namen. AudioPilz nimmt den PSS-680 ins Visier – eine 90er-Legende, die sowohl Profi-Tool als auch Spielplatz ist. Warum ist der wichtig? MIDI-Trio für moderne Setups, eine Benutzeroberfläche, die wirklich Zugriff auf die FM-Parameter gibt, und genug Schraubspaß für jeden Hardware-Junkie. Viele FM-Portasounds sind kastriert, aber der 680 lässt dich an Pitch, Hüllkurven, Feedback ran – alles, was das Nerd-Herz begehrt. Die Presets sind so cheesy wie ein Rave-Nachglühen, aber wer sucht, findet Gold.
Die FX-Sektion ist spartanisch, aber effektiv: Stereo-Chorus, Portamento, Vibrato und ein Reverb/Sustain, das vermutlich nur an der Hüllkurve schraubt. Drums kommen als Lo-Fi-PCM, der Sequencer ist simpel, aber spaßig, dazu Pitch-Wheel und Multitimbralität via MIDI (mit Einschränkungen). Die Mini-Tasten? Immer noch grausam, aber Ergonomie ist hier eh Nebensache. Wer mehr FM zum Anfassen will, schaut sich PSS-380/390 oder die frühen 470/570 an – aber Achtung: kein MIDI. Für programmierbare FM plus MIDI bleibt der 680, sein 780-Bruder oder vielleicht 480/580, wenn man Glück hat. Preislich? Immer noch Schnäppchen für das, was sie können.

"Die Mini-Tasten sind eine Katastrophe, aber es gibt ein Pitch-Wheel, 12-fache Polyphonie und du kannst das Gerät in den Sound-Source-Modus schalten – dann gibt’s Multitimbralität und Velocity via MIDI, aber die meisten Frontpanel-Controls inklusive FM-Oberfläche sind dann deaktiviert."
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Auf der Bühne, im Unterricht oder einfach zum Spaß

"Wahrscheinlich nicht, aber sie funktionieren super für Genres wie 2-Step, Jungle oder Synthwave, sind tolle Lernwerkzeuge für FM und wenn du ein günstiges Keyboard suchst, um das unterste Regal deines Jazz-Bus-Ständers zu füllen, weißt du jetzt, worauf du achten musst."
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Mal ehrlich: Ein Portasound ersetzt weder deinen Vintage-Poly noch die moderne Workstation. Aber für bestimmte Genres – 2-Step, Jungle, Synthwave – sind sie das geheime Gewürz für rohe, charaktervolle Tracks. Auch als Lernwerkzeug top: FM-Synthese verstehen, ohne im Menü-Dschungel zu versinken. Und sie sind ein günstiger Weg, das unterste Regal im Studio zu füllen oder dem Live-Setup eine Portion Chaos zu verpassen.
AudioPilz macht keinen Hehl daraus, dass diese Toys nicht alles können – aber er zeigt, wie ein einziger Portasound mit der richtigen Einstellung einen Track tragen kann. Wer auf günstigen Wahnsinn oder Lo-Fi-Glück aus ist, macht mit diesen Plastik-Biestern garantiert nichts falsch.
Willst du den Funk? Schau dir das Chaos an
Jetzt kennst du die Fakten, aber wenn du hören willst, wie diese Teile bellen, quietschen und stampfen, musst du AudioPilz in Aktion sehen. Der Live-Jam am Ende ist pures Portasound-Chaos – das kann kein Text einfangen. Schau rein, lass dich inspirieren und werde vielleicht selbst Teil des Plastik-Tasten-Kults. Aber beschwer dich nicht, wenn du plötzlich einen Haufen Yamaha-Spielzeuge und eine sehr genervte Partnerin zuhause hast.
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