Bastl Instruments & Oliver Torr: Klangwelten bauen, ein Patch nach dem anderen

Tauche ein in die Welt von Oliver Torr, in der Sounddesign in spekulative Fiktion übergeht und jedes Patchkabel ein Portal in eine neue Realität ist. In diesem Feature von Bastl Instruments erklärt Oliver seinen Ansatz des World-Buildings durch Klang und nutzt Citadel sowie Kastle 2 Wave Bard als Werkzeuge für kontrolliertes Chaos und kreative Erkundung. Das Video ist weniger ein Produktdemo, sondern vielmehr eine philosophische Jam-Session, die zeigt, wie persönliche Samplepacks, Umgebungsaufnahmen und eine Prise Unvorhersehbarkeit modulare Improvisation verwandeln können. Bastls offene, gemeinschaftsorientierte Philosophie bildet den perfekten Rahmen für diese Reise – und erinnert uns daran, dass die besten Klänge oft die sind, die man nicht geplant hat.

World-Building als klangliche Philosophie

Oliver Torr eröffnet das Gespräch, indem er seine Sounddesign-Praxis als Akt des World-Buildings und nicht bloß als technische Übung versteht. Für ihn wird jedes Objekt, jeder Raum und jeder flüchtige Moment zum Rohmaterial für neue klangliche Realitäten. Dieser Ansatz dreht sich weniger um die Jagd nach perfekten Sounds, sondern vielmehr um die Erkundung des kreativen Prozesses – Improvisation, Mikrokompositionen und das Akzeptieren unvorhersehbarer Ergebnisse stehen im Mittelpunkt.

Das Video stimmt auf eine Reise ein, in der Kontext und Inspiration den Klang formen. Olivers Arbeitsweise ist bewusst offen gehalten und lädt die Zuschauer dazu ein, denselben Methoden zu folgen, die auch in sein spezielles Citadel-Samplepack eingeflossen sind. Es ist eine Erinnerung daran, dass im modularen Bereich die Grenzen zwischen Künstler, Instrument und Umgebung oft herrlich verschwimmen.


Das Citadel Sample Pack: Persönlich kuratiert

Das Herzstück von Olivers Beitrag zu Bastls Citadel ist ein Samplepack, das sowohl persönlich als auch praxisnah ist. Anstatt auf allgemeine Verwendbarkeit zu setzen, hat er Sounds kuratiert, die er selbst für Improvisationen – im Studio wie auf der Bühne – als wirklich nützlich empfindet. Die Organisation der Samples spiegelt seinen natürlichen Workflow wider und macht sie sofort spielbar und inspirierend für spontane Sessions.

Olivers Geschichte mit Bastls Kastle-Serie ist spürbar, schließlich hat er bereits das Basissamplepack für den Wave Bard gestaltet. Während diese frühere Arbeit auf Universalität abzielte, ist das Citadel-Pack deutlich eigensinniger – gefüllt mit den Texturen und Klangfarben, die er am häufigsten nutzt. Sogar ein verstecktes Easter Egg im Wave Bard Factory-Bank wird erwähnt, was Olivers Hang zu spielerischen Klangüberraschungen unterstreicht.

Dieses Citadel Sample Pack ist im Grunde eine Sammlung von Sounds, die ich in diesen eher improvisierten Sessions nützlich finde.

© Screenshot/Zitat: Bastlinstruments (YouTube)

Strukturiertes Chaos: Werkzeuge für ausdrucksstarken Klang

Wenn das hier 100% Chaos ist, oder sagen wir 95% Chaos, dann sind für mich die Wave Bards sagen wir 50% Chaos.

© Screenshot/Zitat: Bastlinstruments (YouTube)

Oliver beschreibt seinen Einsatz des Kastle 2 Wave Bard und anderer Geräte als Balanceakt zwischen Chaos und Kontrolle. Manche Maschinen sind für ihn pure Unberechenbarkeit, während der Wave Bard eine nuanciertere Bandbreite bietet – mit einem Dreh am Regler lässt sich das Maß an Unordnung gezielt einstellen. So wird das Instrument zur rhythmischen Chaosmaschine, ideal für Impro-Jams, bei denen Überraschungen zum Konzept gehören.

Um sein Setup weiter zu formen, hat Oliver eigene Erweiterungen gebaut – etwa Button-Matrixes und Halterungen –, die es ihm ermöglichen, mit mehreren Bards und anderen Bastl-Modulen kreativ zu interagieren. Mit der Zeit hat er eine taktile Vertrautheit mit diesen Instrumenten entwickelt und strebt danach, sie fast instinktiv zu spielen. Diese haptische Beziehung steht im Zentrum seines ausdrucksstarken, momentgetriebenen Sounddesigns.

Realität trifft Fantasie: Umgebungsgeräusche im Workflow

Das Video wird praktisch, als Oliver demonstriert, wie er Umgebungsgeräusche in seinen Workflow integriert. Mit drahtlosen Mikrofonen und Ableton fängt er die Klanglandschaft der Stadt ein – vorbeifahrende Autos, das Summen von Kreuzungen – und verwebt diese realen Texturen in seine improvisierten Sessions. Es geht nicht um makellose Field Recordings, sondern darum, die Außenwelt in Echtzeit als Inspirationsquelle in die Musik einfließen zu lassen.

Durch Manipulation – Pitch-Shifting, Loopen, Layern – erschafft Oliver überlappende Klangrealitäten. Er beschreibt das gleichzeitige Hören von Gegenwart und eingefrorener Vergangenheit und verwischt so die Grenze zwischen Dokumentation und Kreation. Für ihn ist World-Building ebenso sehr eine Frage von Kontext und Vorstellungskraft wie von den Klängen selbst.

Und darauf hören wir die Realität. Wir haben also zwei Realitäten geschaffen, eine, die in einer Schleife läuft, und eine darüber, die…

© Screenshot/Zitat: Bastlinstruments (YouTube)

Kreative Allianz: Oliver Torr & Bastl Instruments

Ich habe das Gefühl, dass ich nachvollziehen kann, was sie sagen oder bauen wollen.

© Screenshot/Zitat: Bastlinstruments (YouTube)

Die Partnerschaft zwischen Oliver und Bastl Instruments geht weit über eine klassische Künstler-Kooperation hinaus. Oliver spricht von einer echten Verbindung zur Bastl-Community, hat über Jahre mit dem Team zusammengearbeitet und Freundschaften mit den Entwicklern geschlossen. Dieses geteilte Philosophiegefühl spiegelt sich sowohl in seinem Soundansatz als auch in den Instrumenten wider – Werkzeuge, die ebenso inspirierend aussehen wie sie sich spielen lassen.

Bastls Ethos von Offenheit, Experimentierfreude und menschzentriertem Design zieht sich durch die gesamte Präsentation. Olivers Workflow – ob er nun Umgebungsgeräusche durch das Time-Modul schickt oder 3D-gedruckte Instrumente für Kollaborationen baut – verkörpert die Idee, dass Klangschöpfung ein lebendiger, sich ständig entwickelnder Prozess ist. Das Video schließt mit einem Plädoyer für Individualität: Jeder Künstler hat sein eigenes Universum, und das beste Equipment ist jenes, das hilft, eigene Portale zu öffnen.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/bastl-instruments-oliver-torr-building-sonic-worlds-one-patch-at-a-time/
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