David Hilowitz Music: Wie der Kyogum seine Klanggeister neu atmet

14. Februar 2026

LUMINA

David Hilowitz Music: Wie der Kyogum seine Klanggeister neu atmet

In den Händen von David Hilowitz Music wird der Kyogum – eine traditionelle koreanische Harfe – mehr als nur ein Artefakt; er ist ein Gefäß für Erinnerung, Resonanz und Neuerfindung. Dieses Video ist nicht bloß eine Restaurierung, sondern eine poetische Reise durch Staub, Seide und digitale Echos, in der jede Saite ein Faden aus Geschichte und Möglichkeit ist. Hilowitz’ unverwechselbare Mischung aus Neugier und technischer Kunstfertigkeit führt uns vom Zufallsfund im Trödelladen bis an die schimmernde Schwelle zwischen akustischem und synthetischem Klang. Die Geschichte entfaltet sich wie ein nebliger Morgen und offenbart sowohl die haptische Schönheit von Holz und Saiten als auch die magnetische Anziehungskraft klanglicher Verwandlung. Bereite dich darauf vor, in eine Welt einzutauchen, in der Tradition und Erfindung sich umschlingen und der Kyogum neues Leben ausatmet.

Die Wiedererweckung des Kyogum: Das Erwachen eines Fundstücks

Die Reise beginnt in den verschlungenen Gängen von Thunderbird Salvage, wo der Kyogum – lang, ramponiert und geheimnisvoll – in stiller Erwartung ruht. Seine Präsenz ist gespenstisch, ein Flüstern aus einer anderen Welt, halb besaitet und im Gerümpel der Zeit verheddert. David Hilowitz, stets der Klangforscher, fühlt sich von seiner vernachlässigten Gestalt angezogen und spürt die verborgenen Geschichten, die in Seide und Holz schlummern.

Im Studio offenbart sich das wahre Ausmaß des Kyogum – ein Gefäß so weit, dass es ein Weitwinkelobjektiv braucht, um seine ganze Silhouette einzufangen. Sechs Saiten klammern sich an den Korpus, die anderen hängen lose herab. Das Holz, ausgetrocknet und verblasst, saugt die Politur auf wie eine Wüste nach Regen und dunkelt nach, als würde Erinnerung selbst in die Maserung zurückkehren. Dies ist nicht nur Reparatur; es ist ein Ritual der Wiederherstellung, bei dem jede Geste ein Dialog mit der Vergangenheit des Instruments und den Geistern ist, die es trägt.

Dieses Instrument heißt Kyogum und ja, es ist eine 12-saitige Harfe aus Korea.

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Plastikbrücken und gedruckte Bauern: 3D-Druck trifft Tradition

Hier steht man vor diesem wirklich coolen neuen Stück Technologie. Es ist leicht, in die Falle zu tappen zu denken, jedes Problem könne mit…

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Mit verlorenen Brücken und Wirbeln – und Ersatzteilen aus Korea, die unerschwinglich teuer sind – ist die Stimme des Kyogum gefangen im Schweigen. Hier kommt der 3D-Drucker ins Spiel, ein modernes Zauberwerkzeug, das aus dem Müll geborgen und für diese Mission wiederbelebt wird. Hilowitz, noch neu in der Alchemie des geschmolzenen Filaments, stürzt sich ins Design, entwirft Brücken in Fusion 360 und lockt sie Schicht für Schicht ins Dasein. Jede Brücke ist eine kleine Skulptur, ein Plastikbogen, über den Resonanz wandern kann.

Der Prozess ist haptisch und iterativ: Brücken werden gedruckt, getestet und vervielfacht, während Wirbel – geformt wie Schachbauern – entwickelt werden, um die Seide zu verankern. Das rituelle Fädeln, Knoten und Spannen wird zur Meditation über Erfindung. Der Kyogum, einst ein Relikt, trägt nun eine hybride Identität – Holz, Seide und Plastik verschmelzen, Tradition und Technologie in magnetischer Resonanz.

Die Vergangenheit stimmen: Ringen mit Seide und Geschichte

Das Stimmen des Kyogum ist ein Akt der Geduld und des Loslassens. Seine Saiten, vielleicht ein halbes Jahrhundert alt und aus Seide gesponnen, widersetzen sich einfacher Ausrichtung. Das Design des Instruments – teils antike Ingenieurskunst, teils Improvisation – verlangt ein Spiel zwischen Seilspannung, Brückenposition und dem feinen Drehen der 3D-gedruckten Tolkei-Wirbel. Jeder Versuch, die richtige Tonhöhe zu erreichen, ist ein Verhandeln mit der Zerbrechlichkeit; Saiten reißen, Knoten werden neu gebunden, und der Prozess wiederholt sich in einem Kreislauf, so alt wie das Instrument selbst.

Die Suche nach der richtigen Stimmung wird zur Reise durch Zeit und Kultur. Recherchen fördern den Sanjo-Kyogum zutage, eine Linie, verwurzelt in der koreanischen Musik des 19. Jahrhunderts. Videos und PDFs werden zu Wegweisern durch dieses Labyrinth und zeigen, dass Stimmung nicht nur Technik, sondern lebendige Tradition ist – geformt von Händen, Ohren und dem langsamen Wandel der Jahrhunderte. Die Stimme des Kyogum taucht auf, pentatonisch und rein, eine Skala, in der jeder Ton wie eine Blüte im richtigen Schlüssel erstrahlt und uns einlädt, den Echos seines Ursprungs zu lauschen.

Erstens ist das Stimmen durch einfaches Ziehen an diesen Seilen sehr ungenau. Und zweitens, und das ist viel wichtiger, bei zu viel…

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Resonante Echos: Der Kyogum singt wieder

Was für ein wunderschön klingendes Instrument.

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Wenn der Kyogum endlich erklingt, ist sein Klang ein Nebel aus Licht und gebrochenen Obertönen. Jeder Anschlag entlässt eine Nebelwolke aus Obertönen, die Seidensaiten schwingen zwischen Verletzlichkeit und Kraft. Die pentatonische Stimmung lässt jede Geste gewollt erscheinen, jeder Ton ist eine Welle auf einem stillen Teich. Trommeln gesellen sich dazu, und plötzlich füllt sich der Raum mit den verstreuten Melodien des Sanjo – Musik, die wie Morgennebel driftet und sich sammelt.

Hilowitz’ Spiel ist forschend, meditativ und zutiefst haptisch. Vibrato zittert durch die Saiten, und selbst die einfachsten Phrasen werden zu kleinen Geschichten. Der Klang des Kyogum ist zugleich uralt und unmittelbar, ein Klanggeist, der zwischen den Welten schimmert. Sampling und digitale Bearbeitung in Ableton erweitern seine Reichweite, verwandeln flüchtige Momente in Loops, die mit neuer Möglichkeit pulsieren.

Doch der wahre Zauber liegt in der haptischen, verkörperten Begegnung – Finger auf Seide, Holz, das unter der Hand vibriert. Manche Nuancen, das magnetische Ziehen der Resonanz und das subtile Zusammenspiel der Obertöne, lassen sich nur durch Zuschauen und Zuhören erfassen. Das Video selbst wird zum Portal und lädt uns ein, die Wiedergeburt des Kyogum in Echtzeit mitzuerleben.

Von Seide zu Silizium: Die Kyogum-Synthesizer-Engine

Die Reise endet nicht beim Akustischen. Inspiriert von Forschung und unermüdlicher Neugier erschafft Hilowitz einen digitalen Zwilling – eine Synthesizer-Engine, modelliert nach der Architektur des Kyogum. Mit Karplus-Strong-Synthese versucht diese Engine, das Wesen der gezupften Seide einzufangen, Brücken können verschoben, Stimmungen im Code verändert werden. Das Ergebnis ist kein perfektes Abbild, sondern ein neues Instrument, das mit eigener spektraler Identität schimmert.

Dieser digitale Kyogum lebt in Decent Sampler und als VST, quelloffen und frei zum Erkunden. Es ist eine Einladung, zwischen den Welten zu treiben, die Grenzen von Holz und Draht in magnetischer Resonanz aufzulösen. Wer die volle Blüte dieser Verwandlung spüren möchte, dem bietet das Video Klang und Präsenz, die Worte nur andeuten können – ein Klanggeist, wiedergeboren in Fleisch und Code.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.co.uk/david-hilowitz-music-breathing-new-life-into-the-kyogums-sonic-ghosts/
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