DivKid beleuchtet modulare Alchemie: d’Voxx über das Aufnehmen, Produzieren & Mischen von Klanggeschichten

3. Februar 2026

LUMINA

DivKid beleuchtet modulare Alchemie: d’Voxx über das Aufnehmen, Produzieren & Mischen von Klanggeschichten

In diesem atmosphärischen Dialog lädt uns DivKid ein, durch die nebelverhangenen Korridore der modularen Synthese mit d’Voxx—Paul und Nino—zu driften, deren Album ‚Telegraph‘ zu einer lebendigen Landkarte kreativer Absicht wird. Das Gespräch ist weniger ein technisches Handbuch als vielmehr eine Meditation über die Philosophie des modularen Klang-Einfangens: Performance, Intuition und die magnetische Resonanz zwischen Live-Energie und Studio-Feinschliff. Hier ist jeder Patch und jeder EQ-Sweep ein Pinselstrich auf einer Leinwand aus schwebenden Frequenzen. Für alle, die Musik als Landschaft und Emotion empfinden, ist dieses Video ein Portal zu den geheimen Ritualen hinter modularen Klanggeschichten. Manche Momente, wie das Aufblühen eines resonanten Filters oder das geisterhafte Verklingen eines Reverbs, muss man im Video selbst erleben.

Philosophie im Patch: Das Ethos der Modularaufnahme

Von den ersten Momenten an werden wir in einen Raum geführt, in dem das Aufnehmen modularer Synthesizermusik nicht nur ein technischer Akt, sondern eine philosophische Geste ist. Paul und Nino von d’Voxx zeigen, dass ihr Prozess von Intuition geleitet wird—sie wissen, wann eine Performance ihren letzten Atemzug getan hat, wann der Nebel des Klangs alles gegeben hat. Das Aufnehmen wird zum Ritual, ein Gleichgewicht zwischen Spontaneität und Zurückhaltung, bei dem Überproben zugunsten des Einfangens des lebendigen Pulses des Moments vermieden wird.

Ihr Ansatz ist es, Maschinen und Instinkten die Grenzen setzen zu lassen. Lange Takes dehnen sich wie Nebel über eine Heide, manchmal bis zu zwanzig Minuten, aber immer mit einem Ohr für den emotionalen Bogen. Sie sprechen davon, Raum zu lassen, Momente für die spätere Erkundung zu markieren und dem Urteil des anderen zu vertrauen—eine kreative Partnerschaft, in der Absicht und Zufall gleichermaßen geehrt werden. Es geht nicht nur darum, Noten einzufangen, sondern Atmosphäre zu konservieren, die Geister, die zwischen den Drähten flackern.


Telegraphs Gewebe: Workflow zwischen Performance und Produktion

Der Workflow hinter ‚Telegraph‘ ist ein Tanz zwischen Live-Energie und reflektierender Bearbeitung. d’Voxx nehmen mehrere Takes auf, jeder eine andere Konstellation von Möglichkeiten. Sie lassen die Performances atmen und treten dann zurück—manchmal für Tage—bevor sie zurückkehren, um das Rohmaterial zu formen. Das Editieren ist keine kalte Zergliederung, sondern ein Gespräch, bei dem jedes Mitglied abwechselnd verfeinert und überprüft, stets das Bild des anderen im Blick.

Dieses Zusammenspiel aus Performance und Nachbearbeitung gleicht dem Weben eines Wandteppichs aus Fäden von Improvisation und Absicht. Das Duo vermeidet Überbearbeitung und bewahrt die Integrität der Originalperformance. Doch wenn nötig, scheuen sie sich nicht, zu verdichten, umzuarrangieren oder die eindrucksvollsten Fragmente hervorzuheben. Das Ergebnis ist Musik, die sowohl unmittelbar als auch zeitlos wirkt—ein Klangartefakt, geformt von Hand und Herz.


Klangskulptur formen: EQ, Effekte und die Kunst des Mixings

Mixing ist für d’Voxx ein Akt der Klangskulptur, bei dem EQ und Effekte nicht dazu dienen, Charakter zu glätten, sondern verborgene Formen im Klang freizulegen. Paul, mit seinem Instinkt als Mix-Engineer, beschreibt breite Equalizer-Einstellungen—Absenken von Frequenzen um 160 bis 210 Hz, um Raum zu schaffen, Anheben bei 1–2 kHz für Klarheit und manchmal einen resonanten Lowpass bei 7–8 kHz für ein körniges, haptisches Finish. Diese Gesten dienen weniger der technischen Perfektion als vielmehr der emotionalen Wirkung, wie das Schleifen einer Skulptur, bis sie das Licht richtig einfängt.

Kompression wird mit malerischer Sorgfalt eingesetzt, etwa mit Abletons Glue Compressor, um den Mix zu umarmen, den Bass anzuheben und die Elemente zu verbinden. Das Duo betont subtraktive EQs, entfernt, was das Bild trübt, statt Frequenzen aufzutürmen. Es geht darum, Raum zu schaffen—jedes Element darf in seinem eigenen spektralen Garten aufblühen, damit die Musik nicht nur physisch, sondern auch emotional bewegt.

Der Prozess ist mutig, manchmal sind entschlossene Schritte gefragt statt subtiler Anpassungen. d’Voxx erinnern daran, dass Mixing kein steriler Technizismus, sondern ein kreativer Akt ist, der das emotionale Erlebnis ebenso prägt wie Melodie oder Rhythmus. Die eigentliche Magie, so deuten sie an, liegt in jenen Momenten, in denen der Mix einen Take in eine lebendige Aufnahme verwandelt—eine Metamorphose, die man am besten in der immersiven Klangwelt des Videos erlebt.

Ich mache meistens einen kleinen Dip, eine kleine Absenkung irgendwo zwischen, meistens wahrscheinlich etwa 160 bis 210 Hertz.

© Screenshot/Zitat: Divkid (YouTube)

Strom im Raum: Live-Energie und Studio-Reflexion

Aber das ist es nicht. Es ist eine Performance. Ich staune darüber. Ich finde das großartig.

© Screenshot/Zitat: Divkid (YouTube)

d’Voxx ziehen eine magnetische Linie zwischen ihren Live-Performances und Studioaufnahmen und lassen die rohe Energie der Bühne in ihre Studiotechniken einfließen. Sie erinnern sich an die dreidimensionale, unkomprimierte Kraft des modularen Klangs im Live-Setting—ein physisches Erlebnis, das durch bloße Wiedergabe vom Laptop nicht nachgebildet werden kann. Ihr Ziel ist es, diese Resonanz einzufangen, den Hörer fühlen zu lassen, als stünde er am Bühnenrand, umhüllt von Wellen analoger Elektrizität.

Gleichzeitig achten sie darauf, nicht zu überproduzieren, und suchen ein Gleichgewicht, bei dem die Vitalität der Live-Improvisation erhalten bleibt. Manchmal sind die komplexesten Tracks tatsächlich One-Take-Performances, deren Vielschichtigkeit aus dem Zusammenspiel von Händen und Maschinen in Echtzeit entsteht. Das Duo lässt die Performance atmen und erlaubt dem Unvorhersehbaren, das Endergebnis zu formen. So wird das Studio zur Verlängerung der Bühne—ein Ort, an dem Energie nicht gezähmt, sondern kanalisiert wird.

Maschinen, Entscheidungen und die Alchemie des Modular-Mixings

Der letzte Akt dieser Reise ist ein tiefer Tauchgang in die Maschinen und Entscheidungen, die den Sound von d’Voxx prägen. Ihr Setup dreht sich um zwei 14:2-Mixer, mit Aux-Sends zu Effekten wie Urverb, Distinct Mk3 und DLD. Submixer wie Tangle Quartet und Rosy ermöglichen feine Layerings, während Module wie Clouds und der ER-301 sowohl Instrument als auch Textur-Bildhauer sind. Jede Entscheidung—Routing, EQ, Panning—setzt einen weiteren Pinselstrich auf die Leinwand.

Das Mischen im Modularsystem selbst ist ein Tanz aus Begrenzung und Kreativität. Das Duo vermeidet es, zu viel Rackplatz für Mixer zu opfern, nutzt stattdessen Module als Submixer und Performance-Mixer für haptische Kontrolle. Effekte werden oft live aufgenommen, ihr Charakter ist untrennbar mit der Quelle verbunden. Reverbs werden mit EQ geformt, Tiefen und Mitten entfernt, damit das Schimmern über dem Mix schwebt, während Kompression und Filter gezielt eingesetzt werden, nie aus Routine.

Live gehen sie mit Effekten großzügiger um, lassen Reverb und Delay den Raum fluten und fangen so die Energie des Moments ein. Im Studio ist der Ansatz zurückhaltender, aber stets vom Wunsch geleitet, die Magie der Originalperformance zu bewahren. Das Gespräch ist reich an technischen Details—doch die wahre Alchemie, die Verwandlung von Spannung in Emotion, ist etwas, das Worte nur andeuten können. Für die volle Resonanz muss man in die Klangwelt des Videos eintauchen.


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