Elektron Digitakt II als kreatives Nervenzentrum: Jeremiah Chius Dialog zwischen Mensch und Maschine

6. Februar 2025

LYRA

Elektron Digitakt II als kreatives Nervenzentrum: Jeremiah Chius Dialog zwischen Mensch und Maschine

Was passiert, wenn modulare Synthese auf die disziplinierte Sequenzierung des Elektron Digitakt II trifft? Im offiziellen Feature führt uns Jeremiah Chiu durch seinen hybriden Workflow und zeigt, wie er die Kluft zwischen analoger Unberechenbarkeit und digitaler Kontrolle überbrückt. Chius Prozess dreht sich weniger um technische Brillanz als vielmehr darum, einen Raum zu schaffen, in dem Improvisation und Emotion gedeihen können. Elektrons typischer Fokus auf Live-Performance und kreative Sequenzierung steht im Mittelpunkt – doch die eigentliche Geschichte ist, wie Chiu mit diesen Tools das „Menschliche“ in der elektronischen Musik sucht. Wer wissen will, wie man Modular-Rigs mit Grooveboxen integriert – oder welche Philosophie hinter kreativen Workflows steckt – sollte dieses Video nicht verpassen.

Modular trifft Digitakt II: Ein hybrider Workflow

Jeremiah Chiu positioniert sich an der Schnittstelle zwischen modularer Synthese und dem Elektron Digitakt II und betont einen Workflow, der sowohl die taktile Unberechenbarkeit analoger Geräte als auch die präzise Sequenzierung digitaler Hardware nutzt. Sein Hintergrund als Komponist und Synthesist in Los Angeles mit zwei Jahrzehnten Erfahrung bildet die Grundlage für eine differenzierte Betrachtung kreativer Integration. Chius Ansatz ist kein Entweder-oder, sondern eine Brücke zwischen diesen Welten.

Er beschreibt, wie er manuell langformatige modulare Clips – unter anderem vom 1010 – auslöst und dann Sequenzen einblendet, wobei der Digitakt II als Master-Clock dient. Dieses Setup ermöglicht es ihm, komplexe, sich entwickelnde Performances zu gestalten, in denen modulare und digitale Elemente eng synchronisiert sind. Der Workflow ist auf Flexibilität ausgelegt: Der Digitakt II übernimmt Programmwechsel und Pattern-Switches über eine Tubatec TRS MIDI Bridge, sodass jedes Gerät im Setup in Echtzeit auf seine kreativen Impulse reagiert.


Kreativität zuerst, Bewertung später

Ein zentrales Prinzip von Chius Arbeitsweise ist die Trennung von Kreation und Bewertung. Er betont, wie wichtig es ist, Ideen zunächst frei fließen zu lassen, bevor der analytische Geist eingreift. Für Chiu kann gleichzeitiges Erschaffen und Beurteilen die Erkundung hemmen, was zu verpassten Chancen und einem Fokus auf Details statt auf Potenziale führt.

Er plädiert für eine anfängliche Phase ungefilterter Experimente, in der Möglichkeiten ohne Selbstzensur ausgelotet werden. Erst nach dieser generativen Phase wechselt er in einen bewertenden Modus, um das Material zu formen und zu verfeinern. Diese Philosophie prägt sowohl seine Lehrtätigkeit als auch seine persönliche Praxis und fördert einen Workflow, der Entdeckung über Perfektion stellt.

Ich achte sehr darauf, den Prozess des Machens vom Prozess des Bewertens zu trennen.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Digitakt II als Dirigent der Performance

Digitakt ist wie die Master-Clock für alles.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Chiu sieht den Digitakt II als das zentrale Steuerungsinstrument seines Setups, das als Master-Clock und Kontrolloberfläche für alle angeschlossenen Geräte fungiert. Über die Tubatec TRS MIDI Bridge kann er Programmwechsel senden und komplette Pattern im gesamten Setup mit einem einzigen Befehl umschalten. Dadurch folgen modulare Synths, große Keyboards und weiteres Equipment stets dem Takt des Digitakt II.

Das Ergebnis ist eine Performance-Umgebung, in der Sequenzen und Patterns spontan und live manipuliert werden können – der Digitakt II wird so vom Drumcomputer oder Sampler zum echten Dirigenten des Ensembles. Chiu hebt den Spaß und die Unmittelbarkeit dieses Ansatzes hervor, da er spontane Wechsel und dynamische Kontrolle im Live-Set ermöglicht.

Improvisation und der Ausdruck des Moments

Improvisation steht im Zentrum von Chius kreativer Herangehensweise. Er beschreibt einen Prozess, bei dem Live-Performances umfassend aufgezeichnet werden, um daraus später Collagen, Kompositionen und Edits zu erstellen. So kann er Momente echten Ausdrucks einfangen, die in starreren Produktionsprozessen oft verloren gehen.

Indem er Live-Takes und die spontane Interaktion mit seinen Instrumenten in den Vordergrund stellt, bewahrt Chiu eine Lebendigkeit und Menschlichkeit in seiner elektronischen Musik. Er erkennt an, dass elektronische Setups leicht zu starr oder quantisiert werden können, und setzt bewusst auf die Unvorhersehbarkeit und Nuancen des Echtzeit-Spiels.

Ich kann eine Lebendigkeit oder Menschlichkeit einfangen, und darauf konzentriere ich mich bei elektronischer Musik sehr.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Zwischen Technik und Menschlichkeit

Man kommt zu dem zurück, was man geschrieben hat, und es ist jedes Mal ein bisschen anders.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Chiu reflektiert die Frage, was Hörer an Musik wirklich schätzen, und meint, dass technische Perfektion oft hinter emotionaler Resonanz und Storytelling zurücktritt. Er verweist auf den bleibenden Reiz von Archivaufnahmen und Demos, bei denen Unvollkommenheiten und menschliche Spuren zur Verbindung beitragen.

Für Chiu liegt die Herausforderung und Faszination elektronischer Musik darin, mit Elektrizität menschliche Musik zu erschaffen. Er kontrastiert die Reproduzierbarkeit computerbasierter Workflows mit der subtilen Variabilität modularer und analoger Geräte, bei denen jede Performance leicht anders ist. Sein Ziel ist es, mit diesen Tools Individualität und Emotion auszudrücken und sicherzustellen, dass Geschichte und Menschlichkeit im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen.

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