Espen Kraft vs. Yamaha V50: Die Workstation, die Yamaha am liebsten vergessen würde

26. August 2026

JET

Espen Kraft vs. Yamaha V50: Die Workstation, die Yamaha am liebsten vergessen würde

Schon mal gefragt, was passiert, wenn Yamaha im Synth-Wettrennen den Ball fallen lässt? Espen Kraft gräbt den V50 aus – eine digitale Workstation, die schon beim Release wie ein Fossil wirkte. Mit trockenem Humor und 80er-Nostalgie zeigt Espen, warum der V50 härter gefloppt ist als eine miese Coverband – und warum man mit der richtigen Einstellung trotzdem noch was aus seinem kalten, metallischen Herzen holen kann.

Das vergessene Fossil taucht auf

Stellen wir uns das mal vor: 1989, die Berliner Mauer steht kurz vor dem Fall, die Rave-Kultur explodiert und alle drehen durch wegen der Sample-Magie des Korg M1. Yamaha will nicht abgehängt werden und schleppt den V50 an – ein Synth, so übersehen, dass er fast schon unter Artenschutz steht. Espen Kraft macht gleich klar, dass der V50 von Anfang an chancenlos war, während Sampling-Technik und neue, fette Sounds ihn alt aussehen ließen. Wer eine Revolution wollte, war hier falsch – Yamaha verkaufte immer noch Technik von gestern, während die Welt schon nach morgen schrie.

Well, no. What they did was they rummaged around in their dustbin and brought out their 4-operator FM engine from an old DX100, slapped on…

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Technische Daten auf dem Papier, Staub in der Praxis

You got 16 voices of polyphony, 8 parts multi-timbral just like the TX802 or DX72 before it.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Hier kommt der Seitenhieb: Für dein sauer verdientes Geld bekamst du einen Synth, gebaut wie ein Panzer. Der V50 kam mit 16-stimmiger Polyphonie, 8-facher Multitimbralität, einem Sequencer für 16.000 Noten und zwei digitalen Effektgeräten. Sogar ein eingebautes Diskettenlaufwerk – denn nichts schreit so sehr nach Zukunft wie eine 3,5-Zoll-Diskette.

Aber nicht zu früh freuen. Espen bringt’s auf den Punkt: Der Sequencer ist kryptischer als eine dunkle Gasse in Soho, und du brauchst Engelsgeduld, um ihn zu bändigen. Klar, die Tastatur hat Anschlagdynamik und Aftertouch, und der Sequencer lässt sich extern synchronisieren. Doch in einer Welt, die nach neuen Sounds und Innovationen lechzte, fühlte sich der V50 einfach wie ein Relikt an. All diese Features konnten nicht davon ablenken, dass der Markt etwas Frisches wollte – nicht noch einen aufgewärmten FM-Auflauf.

Der 4-Operator-FM-Engine: Ein zahnloser Tiger

Kommen wir zum Elefanten im Raum – oder besser: zum zahnlosen Tiger unter der Haube des V50. Yamaha hat einfach ihren 4-Operator-FM-Engine eingebaut, denselben wie im DX11 und TX81Z, in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Aber Espen lässt sich nicht täuschen, und die Musiker damals auch nicht. Die Sounds – vor allem die Pianos – waren eher ein schlaffer Händedruck als ein Knockout. Statt satter, realistischer Klänge gab’s die gleichen gläsernen, dünnen FM-Texturen, von denen alle schon genug hatten.

Yamaha dachte wohl, niemand merkt, dass sie den alten Motor recyceln. Duale Effekte, Multitimbralität, egal – nichts davon konnte verbergen, dass der V50 einfach nicht die fetten, organischen oder tanzbaren Sounds lieferte, die angesagt waren. Das ist wie kalte Pommes auf einem Punk-Konzert: technisch gesehen Essen, aber keiner freut sich drüber.


Sounds, Drums und die Kunst der Enttäuschung

Wer hoffte, der V50 könnte sich mit seiner Drum-Machine retten, wird enttäuscht. Die eingebauten PCM-Drums sind kurz, leblos und so inspirierend wie das Curry von letzter Woche. Espen demonstriert, wie langweilig diese Samples sind – kein Onboard-Effekt kann sie vor der Mittelmäßigkeit retten. Und dann müssen sich alle acht Parts auch noch die mageren Effekte teilen; das ist wie der Streit um den letzten labbrigen Chip kurz vor Ladenschluss.

Das Video ist ein Paradebeispiel für „zeigen statt reden“: Espen spielt die Sounds des V50 durch, und wer auf ein House-Piano steht, das vom M1 zum Frühstück verspeist wird, kommt auf seine Kosten. Um den vollen Geschmack der lahmen Presets und blutleeren Beats zu erleben, muss man sie selbst hören – die ehrlichen Demos im Video sagen mehr als jedes Datenblatt.

And as I mentioned earlier, it has drums, but very boring drums and short samples as well.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Ein Fehltritt, aber kein Totalschaden

Am Ende nimmt Espen Kraft kein Blatt vor den Mund: Der V50 war ein Flop, ein Synth aus der Zeit gefallen. Aber hier kommt die Wendung – wenn du einen im Sperrmüll findest oder geschenkt bekommst, schmeiß ihn nicht gleich weg. Mit einer Portion Punk-Ideen kann man diesem vielgeschmähten Kasten vielleicht doch noch Charakter entlocken. Es bleibt die Erinnerung: Selbst das schrottigste Gear kann überraschen – wenn man ihm ordentlich einen mitgibt.


Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/espen-kraft-vs-yamaha-v50-the-workstation-yamaha-hoped-youd-bin/
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