Frap Tools dreht den Spieß um: Filter in Oszillatoren für klangliches Chaos

25. September 2024

MILES

Frap Tools dreht den Spieß um: Filter in Oszillatoren für klangliches Chaos

Frap Tools, die italienischen Meister des modularen Designs, nehmen in diesem Video ein klassisches Patch-Paradigma und stellen es auf den Kopf. Statt wie üblich einen Oszillator in einen Filter zu schicken, zeigen sie, was passiert, wenn man den Ausgang eines Filters in einen Oszillator führt – und das mit ihren eigenen Modulen CUNSA (Filter) und BRENSO (Oszillator). Das Ergebnis? Eine Reise in unkonventionelle FM-Gefilde, mit Crossmodulation, gepingten Filtern und einer Prise kreativen Wahnsinns. Wer wissen will, wie Filter zu Modulationsquellen werden können und wie weit man ein Eurorack-Setup treiben kann, sollte sich diese Demo nicht entgehen lassen.

Signalfluss umgedreht: Filter als Oszillator-Futter

Die meisten von uns haben schon unzählige Male einen Oszillator in einen Filter gepatcht, aber Frap Tools stellt die verbotene Frage: Was passiert, wenn man stattdessen einen Filter in einen Oszillator patcht? Das Video startet mit einem einfachen, aber subversiven Setup, bei dem der Ausgang des CUNSA-Filters direkt in den BRENSO-Oszillator geführt wird und so den üblichen subtraktiven Workflow auf den Kopf stellt.

Das Patch basiert auf zwei Sequenzen – einer Bass- und einer Lead-Stimme – die jeweils von einer Hälfte des BRENSO-Oszillators übernommen werden. Beide Stimmen laufen durch separate Filter im CUNSA, jeweils im Lowpass-Modus: Der Bass nutzt eine Flankensteilheit von 12 dB/Oktave, der Lead 24 dB/Oktave. Das bildet die Grundlage, um zu erforschen, wie Filter Modulationssignale formen und sogar erzeugen können, wenn sie in einen FM-fähigen Oszillator eingespeist werden.

Now everybody is capable of sending an oscillator into a filter but what about the other way around?

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

BRENSO im Rampenlicht: True Zero FM und Modulationsspielplatz

We all know that Brenso is a true zero analog FM oscillator.

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

BRENSO zeigt hier eindrucksvoll, was ein echter True Zero Analog-FM-Oszillator leisten kann. Im Video wird hervorgehoben, dass beide Oszillatoren unabhängig voneinander in echter True Zero Linear-FM moduliert werden können – das eröffnet einen Spielplatz für Crossmodulation und komplexe Klangverschiebungen.

Statt beim klassischen Sinus-zu-Sinus-FM zu bleiben, demonstriert der Patch, dass BRENSOs FM-Schaltung flexibel genug ist, auch andere Signale – wie die der CUNSA-Filter – als Modulationsquelle zu akzeptieren. So lässt sich das Modul effektiv als zwei unabhängige FM-Engines nutzen. Diese Flexibilität ist der Schlüssel zum experimentellen Charakter des Patches.

Filtertricks und Crossmodulation: Komplexität gestalten

Ein cleveres Detail in diesem Patch ist der Einsatz von zwei CUNSA-Filtern, beide im Lowpass-Modus, aber mit unterschiedlichen Flankensteilheiten und im Kombi-Modus. Jeder Filter wird von Gate-Spuren eines Whistler-Sequenzers gepingt, wodurch Hüllkurven überflüssig werden und die Filter direkt perkussive, pluckige Reaktionen liefern.

Die eigentliche Magie entsteht, wenn die sinusähnlichen Ausgänge dieser Filter zur Modulation der BRENSO-Oszillatorfrequenzen genutzt werden. Durch Crosspatching dieser Signale zeigt das Video, wie sich komplexe FM-Texturen und wandelnde Obertöne erzeugen lassen. Der Filter wird so vom reinen Klangformer zum aktiven Mitspieler im Syntheseprozess, der selbst Modulationsinhalte generieren kann.

They will become actual sine waves like this.

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

Kreative Modulations-Workflows: Von LFOs bis Zufall

I may also use Bagais fluctuating random voltage to control the bass.

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

Nachdem das Grundpatch steht, geht das Video auf weitere kreative Workflows ein. Die Volt-pro-Oktave-Signale werden dupliziert und sowohl an BRENSO als auch an die CUNSA-Filter geschickt, damit das Pitch-Tracking im gesamten System konsistent bleibt. Diese sorgfältige Signalführung ist entscheidend, damit die Ergebnisse trotz wachsender Komplexität musikalisch bleiben.

Für zusätzliche Bewegung werden Modulationsquellen wie der FALISTRI (im LFO-Modus) eingebunden, um die FM-Intensität beider Oszillatoren zu steuern. Auch das BAGÀI-Modul mit seinen fluktuierenden Zufallsspannungen kommt zum Einsatz und bringt noch mehr Unvorhersehbarkeit in den Bass. Durch das Verändern von Verhältnissen und Parametern zeigt der Patch, wie leicht sich zwischen subtiler FM und totalem Chaos morphen lässt.

Ein Schuss Reverb rundet das Klangbild ab und demonstriert, wie dieses unkonventionelle Patch zu reichen, sich entwickelnden Texturen führen kann. Der Workflow lädt zum Experimentieren ein und zeigt, dass Filter und Oszillatoren weit abenteuerlicher interagieren können, als es die Tradition vermuten lässt.

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