Frap Tools Magnolia: Analoge Polyphonie mit modularem Geist

4. Februar 2026

MILES

Frap Tools Magnolia: Analoge Polyphonie mit modularem Geist

Frap Tools, die italienischen Meister des modularen Designs, wagen sich mit Magnolia, ihrem 8-stimmigen analogen Synthesizer mit echtem Through-Zero-FM, mutig ins polyphone Terrain. In diesem ausführlichen, Regler-für-Regler-Tutorial zeigt die Marke, wie Magnolia klassische Polysynth-Wärme mit der klanglichen Wildheit modularer FM verbindet – alles verpackt in einer Benutzeroberfläche, die ebenso unmittelbar wie tiefgründig ist. Mit Fokus auf Patchbarkeit, Flexibilität im Sounddesign und praxisnahe Workflows liefert Frap Tools eine Maschine, die sich sowohl in Eurorack-inspirierten Setups als auch als Standalone-Instrument zu Hause fühlt. Wir analysieren, wie Magnolias Architektur, Modi und Modulationsmöglichkeiten sowohl Vintage- als auch experimentelle Ansätze zur polyphonen Synthese einladen.

Through-Zero-Polyphonie: Magnolias Kernidentität

Magnolia betritt die Bühne als 8-stimmiger analoger Synthesizer, doch es ist die Integration von Through-Zero-Linear-FM, die ihn von gewöhnlichen Polysynths abhebt. Frap Tools positioniert Magnolia als Brücke zwischen der vertrauten Wärme klassischer analoger Polyphonie und den eher esoterischen Klangfarben, wie man sie aus modularen Umgebungen kennt. Das Video beginnt mit einer klaren Ansage: Magnolia ist nicht nur für samtige Pads und Vintage-Brass gedacht – seine FM-Engine kann metallische, sich entwickelnde und harmonisch reiche Klänge erzeugen, die sich in einem Eurorack voller komplexer Oszillatoren zuhause fühlen würden.

Dieser Ansatz spiegelt die modulare DNA von Frap Tools wider und lädt Nutzer ein, die Grenzen der analogen Synthese auszuloten. Die Through-Zero-FM-Implementierung ist kein bloßes technisches Häkchen, sondern wird als kreatives Werkzeug für Sounddesigner präsentiert, die das Erwartbare hinter sich lassen wollen. Magnolias Architektur fördert das Experimentieren – egal, ob man klassische Akkorde oder das klangliche Chaos sucht, das sonst Patchkabel-Dschungeln vorbehalten ist.

It can allow programming some less conventional timbres that are peculiar to certain modular synthesizer environments.

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

Ein Regler pro Funktion: Bedienoberfläche und Programmspeicher

Das Frontpanel von Magnolia ist eine Hommage an die goldene Ära des Synthesizer-Designs: Ein Regler pro Funktion, keine Menü-Tiefen, jeder Parameter direkt erreichbar. Jede Kontrolle ist klar beschriftet, sodass Signalfluss und Klanggestaltung sofort verständlich sind. Trotz dieser analogen Direktheit ist Magnolia digital gesteuert und erlaubt das Speichern und Abrufen von bis zu 200 Programmen – 100 Werkspresets und 100 User-Slots.

Das Tutorial führt detailliert durch das Programm-Management: Laden, Speichern, Vergleichen von Programmen sowie die Nutzung von Listen für den schnellen Zugriff auf Lieblingssounds. Es gibt einen Panel-Modus für echtes „Was du siehst, ist was du hörst“-Arbeiten und eine Panel-Lock-Funktion, um versehentliche Änderungen bei Live-Performances zu verhindern. Das Initialisieren, Kopieren, Einfügen und Tauschen von Parts ist methodisch gelöst und spiegelt Frap Tools’ Augenmerk auf Workflow für Studio- und Live-Anwendungen wider.


Modi für jede Stimmung: Single, Morph, Dual und Split

The morph technique consists of changing the sound from one part to the other by gradually adjusting all the parameters at once, instead of…

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

Magnolia begnügt sich nicht mit nur einer Herangehensweise an die Stimmenverteilung. Der Synthesizer bietet vier verschiedene Modi – Single, Morph, Dual und Split – und deckt damit unterschiedlichste Kompositions- und Performance-Bedürfnisse ab. Im Single-Modus teilen sich alle acht Stimmen die gleichen Einstellungen, doch Magnolias Bitimbralität erlaubt das Umschalten zwischen zwei unabhängigen Parts (A und B) innerhalb eines Programms. Der Morph-Modus ermöglicht eine kontinuierliche Transformation zwischen Part A und B, wobei alle Parameter fließend überblendet werden – weit mehr als ein simpler Crossfade.

Im Dual-Modus werden beide Parts gelayert, was zu dichteren, komplexeren Sounds führt. Im Split-Modus werden Part A und B auf verschiedene Tastaturzonen verteilt, mit einem frei wählbaren Splitpunkt. Im Video wird gezeigt, wie Stimmen flexibel zwischen den Parts verteilt werden können, etwa für ein siebenstimmiges Pad und einen monophonen Lead. Unison- und Chord-Modi erweitern das Klangspektrum weiter und erlauben gestapelte Stimmen oder Akkorde mit nur einer Taste. Glide-, Detune- und Transpose-Regler runden die Ausdrucksmöglichkeiten ab – alles direkt am Panel erreichbar.

Klangarchitektur: Oszillatoren, Filter, Modulation und Effekte

Im Zentrum von Magnolias Sounddesign stehen zwei Oszillatoren pro Stimme, jeweils mit eigenem Charakter und einem Mixer, der auch Noise beinhaltet. Oszillator 1 ist der FM-Spezialist, während Oszillator 2 zusätzliche Waveshaping- und Harmonikafunktionen bietet. Beide Oszillatoren erlauben kontinuierliches Wellenformen-Morphing, mit diskreter Auswahl per Shift-Funktion. Through-Zero-FM, Wavefolder und Sync bieten ein Spielfeld für klangliche Experimente, und die Headroom- sowie Sättigungseigenschaften des Mixers sorgen für analoge Nuancen im Signalweg.

Die Filtersektion besteht aus einem resonanten 18dB/Okt-Hochpass und einem 24dB/Okt-Tiefpass, beide mit Hüllkurvensteuerung, Invertierung und Keyboard-Tracking. Filter-FM ist von beiden Oszillatoren oder Noise möglich und reicht von subtiler Bewegung bis zu Talkbox-artigen Effekten. VCA, Panorama und Voice Spread ermöglichen räumliche und dynamische Gestaltung, während analoger Drive und zwei digitale Effektslots (Chorus, schnelle und Ping-Pong-Delays) kaskadiert oder zum Arpeggiator-Tempo synchronisiert werden können.

Modulation ist ein zentrales Thema: Drei Hüllkurven, drei LFOs und eine Vielzahl zuweisbarer Quellen (Aftertouch, Velocity, Macro-Knob, Polymove und mehr) können auf nahezu jeden Parameter mit weißer LED geroutet werden. Die Modulationsmatrix ist tief, aber zugänglich, mit klaren Zuweisungs- und Monitoring-Prozessen. Das Tutorial zeigt kreative Anwendungen wie Mod-Wheel-Vibrato, LFO-Crossmodulation und polyphone Modulationsquellen – alles im Sinne modular inspirierter Flexibilität.

After that mark the sound will gently distort by saturating the mixing bus.

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

Arpeggiator und Sequencer: Rhythmische und melodische Motoren

It also defines the tempo to which the LFOs and the effects are synced.

© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)

Arpeggiator und Sequencer sind bei Magnolia keine Nebensache, sondern eng in die Synth-Architektur integriert. Der Arpeggiator bietet Tempo-, Richtungs-, Oktavbereich-, Notenwert-, Gate-, Swing- und Hold-Kontrollen, mit externer MIDI-Clock-Synchronisation für die Einbindung in größere Setups. Die Hold-Funktion dient auch als Sustain-Pedal, und der Arpeggiator läuft in Mono-, Poly- oder Legato-Modi, mit individuellen Einstellungen pro Part für Layer- oder Split-Performances.

Im Sequencer-Modus sind bis zu vier 16-stimmige Sequenzen pro Part möglich, mit Echtzeitaufnahme und Transponierung. Das Video demonstriert, wie Arpeggios und Sequenzen mit Polyphonie, Stimmenzuweisung und Effekten interagieren – von präzisen, rhythmischen Patterns bis zu sich entwickelnden, texturalen Klanglandschaften. Die Synchronisation von LFOs und Delays mit dem Arpeggiator-Tempo eröffnet weitere kreative Wege und macht Magnolia zum vielseitigen Zentrum für strukturierte wie experimentelle Workflows.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/frap-tools-magnolia-analogue-polyphony-with-a-modular-mindset/
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