Hainbachs Windharfen-Reise: Klang in Kino verweben

10. Oktober 2025

LUMINA

Hainbachs Windharfen-Reise: Klang in Kino verweben

Begleiten Sie Hainbach auf einem klanglichen Abenteuer auf der windgepeitschten Insel Amrum, wo er mit einer antiken Aeolusharfe eine Filmkomposition erschafft. Erforschen Sie das Zusammenspiel von Natur und Klang in seinem einzigartigen Ansatz, das Wesen des Windes für den Film ‚Amrum‘ einzufangen.

Ankunft auf Amrum: Eine Suche nach dem Wind

Hainbach nimmt uns mit auf eine Reise zur ruhigen Insel Amrum. Seine Mission ist es, das Unfassbare einzufangen – die Flüstern und Heulen des Windes selbst. Der Regisseur Fatih Akin stellte sich eine Filmmusik vor, die ‚wie der Wind klingt‘, und so macht sich Hainbach daran, den Atem der Insel zu sammeln. Sein Werkzeug der Wahl? Die Aeolusharfe, ein Instrument mit Wurzeln in der antiken griechischen Tradition und bekannt in der deutschen Romantik. In dieser Landschaft, in der der Wind sowohl Präsenz als auch Begleiter ist, macht sich Hainbach daran, die Luft selbst zum Singen zu bringen.


Klangliche Erkundung: Die Elemente bändigen

Mit einem Aufnahme-Setup, beladen mit Mikrofonen und einem Nagra-Tonbandgerät, wandert Hainbach über die verlassenen Strände Amrums. Hier ist jeder Schritt ein taktiles Spiel zwischen Sand und Meer, jedes Sandkorn eine potenzielle Note in seiner sich entwickelnden Symphonie. Während der Wind die Saiten der Aeolusharfe streichelt, entsteht eine natürliche Symphonie, die von Geschichte durchdrungen ist und den tiefen, zeitlosen Atem der Insel evoziert. Das Setup ist sorgfältig – mit Kontaktmikrofonen und Kardiomikrofonen bereit, die zarte Mischung aus Luft und Wasser einzufangen. Doch auch auf dieser Leinwand der Natur treten Herausforderungen auf, wobei Elemente wie Sand und Feuchtigkeit seine Entschlossenheit prüfen.

Erstaunlich.

© Screenshot/Zitat: Hainbach (YouTube)

Die Kunst des Stimmens: Die Unvollkommenheiten umarmen

Diese Stimmung klingt unglaublich bedrohlich.

© Screenshot/Zitat: Hainbach (YouTube)

In Hainbachs Prozess wird das Stimmen zu einem Akt subtiler Kunstfertigkeit. Während die Saiten der Aeolusharfe sich unter der Nordseebrise dehnen und setteln, werden Anpassungen nicht für Perfektion, sondern für Charakter vorgenommen. Detuning, stellt sich heraus, führt zu einer Welt von Dissonanzen und unerwarteten Harmonien. Diese Erzählung des Klangs, mit ihren Anklängen von ominöser Schönheit, spiegelt das Gefühl wider, dass Musik der Antike und heutige Kompositionen tatsächlich einen Atemzug der Inspiration teilen können. Hier wird das Instrument nicht nur gespielt, sondern bewohnt, jede Note ein Dialog mit dem Wind.

Eine Klangreise: Vom Strand ins Studio

Hainbachs Ansatz bei der Komposition bedeutet, sich vollständig in die Umgebung einzutauchen, die er in Sound übersetzen möchte. Nach seiner Rückkehr ins Studio taucht er in einen klanglichen Ozean ein, der auf acht Tonbandrollen aufgezeichnet wurde. Der Prozess ist genauso sehr eine Entdeckung wie eine Schöpfung; jedes Abspielen enthüllt zuvor ungehörte Schichten, das langsame Abrollen des Bandes verwandelt die rohen Aufnahmen in ein Geflecht aus windgepeitschten Melodien. Während sich die Musik entfaltet, fügt Hainbach minimale Instrumentierung hinzu – eine Orgel hier, ein Pianoton dort – die der komplexen Klangfülle seines windgeborenen Materials Respekt zollt. Die Frage, wie viel von dieser rohen Essenz ihren Weg in den endgültigen Soundtrack finden wird, wird zu einer sekundären Angelegenheit angesichts des überwältigenden Reichtums des auditiven Erlebnisses selbst.

Ich denke nicht, dass man das oft machen sollte, da das alles Holzschrauben sind.

© Screenshot/Zitat: Hainbach (YouTube)

Die Schnittstelle von Kunst und Zufall

Durch ein Schicksalswirken finden viele von Hainbachs experimentellen Aufnahmen ihren Weg in den endgültigen Schnitt von ‚Amrum‘. In enger Zusammenarbeit mit dem Editor Fatih und anderen erlebt Hainbach die transformierende Kraft des Films, wo Klanglandschaften Szenen am Rande der Seele formen. Das Ambiente von Amrum, treu aufgenommen von seinen nativen Elementen, verschmilzt nahtlos mit der Erzählung des zweiten Weltkriegsdramas. Durch diese Sitzungen bildet sich ein neuer Dialog zwischen Umwelt und Emotion, jeder Rahmen wird durch das Flüstern des Windes verstärkt. Die Synergie zwischen beabsichtigter Filmmusik und natürlicher Resonanz unterstreicht die Kunst des Klangs im Kino.


Reflexionen und Veröffentlichung: Das Vermächtnis der Windharfe

Mit der internationalen Veröffentlichung des Films reflektiert Hainbach über die organische Reise, die ihn nach Cannes und darüber hinaus geführt hat. Vom ruhigen Rückzugsort der Insel zur geschäftigen Atmosphäre des Filmfestivals unterstreicht der Kontrast die emotionale Kraft von Raum und Klang. Die Veröffentlichung von „Amrum, The Harp Tapes“ steht als Zeugnis für den Erfolg des Projekts und bietet den Hörern einen Einblick in die unverfälschte Schönheit seiner Aufnahmen. Diese Zusammenstellung dient sowohl als Artefakt des einzigartigen Kompositionsprozesses als auch als Einladung in die meditative Resonanz der Landschaft von Amrum. Für Hainbach bekräftigt dieses Unterfangen, dass wahre Kunst darin liegt, die unvorhersehbaren Gespräche zwischen Natur und Kreativität zu umarmen.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/hainbachs-wind-harp-journey-weaving-sound-into-cinema/
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