MAKEN0ISE: Asheville patchen – Von Oberflächenrauschen bis Wasserfällen

15. Mai 2025

MILES

MAKEN0ISE: Asheville patchen – Von Oberflächenrauschen bis Wasserfällen

In dieser explorativen Session vom offiziellen MAKEN0ISE-Kanal nimmt uns Pete mit auf einen klanglichen Streifzug durch Asheville, um Inspiration in Plattenläden, Videostores und sogar am tosenden Wasserfall zu sammeln. Statt eines klassischen Modul-Demos ist dieses Video ein Patch-Tagebuch – es zeigt, wie Umgebungsgeräusche und Fundstücke in spannungsgesteuerte Klangkunst verwandelt werden. Erwartet Vinyl-Knistern, VHS-Bänder als Ribbon-Controller und Naturklänge, alles gefiltert durch den experimentellen Make Noise-Ansatz für modulare Synthese. Wer sich schon immer gefragt hat, wie die eigene Umgebung das nächste Patch beeinflussen könnte, bekommt hier einen freundlichen Schubs, genauer hinzuhören.

Durch Asheville streifen: Auf der Suche nach Patch-Inspiration

Das Video beginnt mit Pete, bekannt vom Make Noise Instagram-Kanal, der für Walker einspringt und die Zuschauer zu einem entspannten Streifzug durch Asheville einlädt, um klangliche Inspiration zu sammeln. Statt einer typischen Patch-Session im Studio ist der Ansatz hier angenehm offen – ein urbaner Spaziergang mit dem erklärten Ziel, die Umgebung den Patch-Prozess bestimmen zu lassen. Pete verweist auf seine langjährige Serie ‚VC Environments‘, in der er Naturgeräusche in modulare Spannung übersetzt hat, und stimmt damit auf eine Session ein, bei der Zuhören genauso wichtig ist wie Patchen.

Dieses Segment etabliert das zentrale Thema: Die Idee, dass Klänge, Gegenstände und die Atmosphäre der Umgebung direkt die Kreativität am Modular beeinflussen können. Pete sieht die Stadt als Spielplatz und Palette zugleich und ermutigt dazu, Inspiration nicht nur in Gear-Katalogen oder YouTube-Demos zu suchen, sondern in der zufälligen Musik des Alltags. Die Einladung ist klar: Field Recorder schnappen, Ohren aufsperren und herausfinden, was die eigene Stadt (oder das Umland) patchen möchte.

I've been interested in the ways in which the environment we're in influences the art we make.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Oberflächenrauschen & Vinyl: Texturen an der Schwelle

A good place to start in experiments like this are the unintentional sounds, the accidental music that's hidden in all LPs.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Zurück im Laden demonstriert Pete einen klassischen Make Noise-Move: Er extrahiert reiche, unvorhersehbare Texturen aus dem unscheinbaren Oberflächenrauschen einer Schallplatte. Der Ausgang des Plattenspielers wird mit maximalem Gain ins Morphagene gepatcht, dann durch Mimeophon und XO geleitet – so wird die zufällige Symphonie aus Knistern, Knacken und Rauschen zwischen den Rillen eingefangen. Der Fokus liegt hier auf der Musikalität des Unperfekten – Artefakte, die die meisten ignorieren, werden zum Rohmaterial für neue Klangwelten.

Mit dem Morphagene nimmt Pete ein Segment des labelnahen Rauschens auf und bearbeitet die Textur mit den eingebauten Filtern und dem Reverb des Mimeophon. Das Ergebnis ist eine Klanglandschaft, die zwischen sanftem Regen und Kaminfeuer oszilliert und zeigt, wie modulare Tools Alltagsartefakte in stimmungsvolle Atmosphären verwandeln können. Der Prozess ist simpel, aber effektiv: Mit dem arbeiten, was da ist, und dem Charakter des Systems Raum geben.

VHS-Band als Ribbon-Controller: Spannung auf Zelluloid

Nächster Halt ist Orbit DVD, wo Pete nach alten VHS-Kassetten sucht – idealerweise solche mit matter Oberfläche, da diese sich am besten für den geplanten Hack eignen. Nach dem Zerlegen der Kassette und dem Herausziehen eines Bandstreifens wird dieser festgeklebt und ein Ende mit positiver Spannung, das andere mit Masse verbunden – fertig ist der DIY-Ribbon-Controller. Das ist typisch Make Noise: Ausrangierte Medien werden zu haptischen Spannungsmanipulatoren umfunktioniert.

Indem ein Kabel an den Volt-pro-Oktave-Eingang eines Moduls gepatcht und entlang des Bandes bewegt wird, zeigt Pete, wie die Position auf dem VHS-Streifen direkt in Steuerspannung übersetzt wird – zur Modulation von Tonhöhe oder beliebigen Parametern. Je weiter oben, desto höher die Spannung – ein handfester, lo-fi Ansatz für Modulation, der spielerisch und praktisch zugleich ist. Ein schönes Beispiel dafür, dass im Modular-Ökosystem Experimentierfreude zählt und der beste Controller manchmal im Ramschregal liegt.

By patching a cable to an input, in this case the volt per octave input, and then touching it to a point on this ribbon controller, we can…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Wasserfälle & Tape-Loops: Die Natur synthetisieren

We will have the amplifier getting quieter as the sound gets thinner.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Pete wechselt das Setting und stellt eine Field-Recording-Aufnahme der Looking Glass Falls vor, einem malerischen Wasserfall außerhalb von Asheville. Diese Tape-Loop-Aufnahme dient als Rauschquelle, um das Gefühl einer zurückweichenden Welle nachzustellen – eine Technik, die er bereits in einem Artikel für New Music beschrieben hat. Das Patch ist elegant einfach: Das Tape-Loop-Noise geht in einen Hochpassfilter (QPOS), von dort in einen Verstärker (XPan), moduliert von einer Offset-Spannung aus dem Channel Saver.

Der Clou ist, dass das gleiche Modulationssignal sowohl an den Crossfade-Eingang von XPan als auch an den Frequenz-Eingang von QPOS geschickt wird, wobei der Attenuverter des Filters gegen den Uhrzeigersinn steht und die Steuerspannung invertiert. So wird der Verstärker leiser, während der Klang dünner wird – ganz wie eine Welle, die sich zurückzieht. Pete betont, dass Reverb bei solchen Patches essenziell ist, um Tiefe und Realismus in die synthetische Nachbildung von Naturklängen zu bringen.

In diesem Abschnitt steht Zurückhaltung im Vordergrund – modulare Tools werden nicht für Bombast, sondern für feines, stimmungsvolles Sounddesign genutzt. Das Ergebnis ist ein Patch, das Feldaufnahme und Synthese verschwimmen lässt und den Hörer in einen Zwischenraum aus Natur und Spannung versetzt.

Alltagsinspiration: Patch, was du hörst

Zum Abschluss kehrt Pete zur Kernbotschaft zurück: Inspiration ist überall, wenn man bereit ist, zuzuhören. Egal ob Plattenknistern, das haptische Gefühl von VHS-Band oder das Tosen eines Wasserfalls – alles kann zum Sprungbrett für kreative Patches werden. Das Video endet mit einem freundlichen Anstoß, die eigene Umgebung zu erkunden – Stadt oder Land – und herauszufinden, welche unerwarteten Klänge ins nächste Modular-Experiment einfließen könnten.

Statt eines vorgegebenen Workflows steht hier Neugier und Spielfreude im Mittelpunkt. Es ist eine Erinnerung daran, dass die besten Patches oft nicht mit dem Handbuch, sondern mit einer Frage beginnen: Wie klingt meine Welt – und wie übersetze ich das in Spannung? Für Modular-Fans ist das eine Einladung, jeden Tag als potenzielle Quelle für neues Klangmaterial zu sehen.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/maken0ise-patching-asheville-from-surface-noise-to-waterfalls/
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