MAKEN0ISE MultiMod: Zeit und Steuersignale im Eurorack dehnen

20. Februar 2025

MILES

MAKEN0ISE MultiMod: Zeit und Steuersignale im Eurorack dehnen

Make Noise, die experimentierfreudigen Modularpioniere aus Asheville, tauchen in ihrem neuesten Video tief in die langsamsten Bereiche des MultiMod ein. Hier gibt es keine hektischen Schnell-Demos – stattdessen erleben wir eine Meditation über lange Zeit-Einstellungen, gedehnte Steuersignale und die subtile Kunst, Modulation atmen zu lassen. Der MultiMod wird nicht nur als Werkzeug, sondern als Instrument zur Navigation musikalischer Zeitskalen präsentiert, mit kreativen Anwendungen von Spread-, Hold- und Phasensteuerung. Wer in Spannungen denkt und nuancierte Modulationen liebt, findet hier eine patch-orientierte Erkundung, die Aufmerksamkeit verdient.

Zeit als Spielwiese: MultiMods Modulationsphilosophie

Das Video beginnt mit einem philosophischen Verweis auf die Zeit als eigentliches Medium der Musik und bereitet damit den Boden für eine tiefgehende Erkundung des MultiMod-Moduls. Make Noise positioniert den MultiMod nicht einfach als weitere Modulationsquelle, sondern als ein Gerät, das mehrere musikalische Zeitskalen durchqueren kann – vom Mikro- bis zum Makrobereich. Mit Bezug auf Curtis Rhodes’ Konzept der geschichteten Zeitskalen wird daran erinnert, dass modulare Synthese mehr ist als schnelle LFOs oder knackige Hüllkurven; es geht darum, das gesamte Spektrum zeitlicher Erfahrung zu bespielen.

Dieser Kontext ist essenziell, um die Rolle des MultiMod im Rack zu verstehen. Anstatt sich auf schnelle Modulationen zu konzentrieren, lädt das Video dazu ein, darüber nachzudenken, wie Steuersignale gedehnt, geschichtet und über längere Zeiträume manipuliert werden können. Der MultiMod wird als Werkzeug für diejenigen präsentiert, die Modulation so formen möchten, dass sie die sich entwickelnde, vielschichtige Natur von Musik widerspiegelt.


Dehnen, Halten, Multiplizieren: Die wichtigsten Funktionen im Einsatz

Konkret wird im Video die Zeitsteuerung des MultiMod hervorgehoben, die pro Zyklus bis zu stolze 30 Sekunden erreichen kann – allein mit dem Panel-Regler. Es geht dabei nicht darum, eine einzelne statische Spannung für eine halbe Minute zu halten; vielmehr kann das Modul komplexe, sich entwickelnde Steuersignale über die gesamte Zeitspanne speichern und wiedergeben. Die Fähigkeit, eingehende Signale zu dehnen und zu halten, bedeutet, dass man nicht auf einfache LFO-Wellenformen beschränkt ist – jede Modulationsquelle kann eingefangen, bearbeitet und über die verschiedenen Ausgänge des MultiMod geschickt werden.

Der Spread-Regler wird als Möglichkeit demonstriert, das Timing jedes Kanals zu versetzen, sodass einige Ausgänge schneller oder langsamer laufen als andere. So entstehen komplexe Phasenbeziehungen und sich entwickelnde Modulationsmuster – alles aus einer einzigen Quelle abgeleitet. Die Hold-Funktion erlaubt es, diese Muster nach Belieben einzufrieren und die eingefangene Modulation zu loopen, bis man weitermachen möchte. Ein flexibler Ansatz, der sowohl sorgfältige Planung als auch spontanes Patchen belohnt.

Der Zeitparameter geht allein mit dem Regler bis etwa 30 Sekunden.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Kreative Workflows: Clock-Division, Spread und Kanalinteraktion

Ganz gegen den Uhrzeigersinn hört er genau auf einen Clock.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Im weiteren Verlauf werden fortgeschrittene Workflows gezeigt, bei denen der MultiMod extern getaktet und als Clock-Divider genutzt wird. Wird eine komplexe Funktion eingespeist und das Modul mit einem End-of-Cycle-Puls getaktet, wird der Zeitparameter zur Division der Masterclock. Das eröffnet rhythmische Möglichkeiten, wobei dank Spread jeder Kanal mit einer anderen Unterteilung arbeiten kann.

Die Interaktion zwischen den Kanälen wird weiter ausgelotet, indem der Phasenparameter extern moduliert wird – so kann man durch die gespeicherten Kopien mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten „scrubben“. Bei extremer Phasenmodulation lassen sich Kanäle so weit aus der Phase ziehen, dass sie wieder synchron werden – ein cleverer Trick für zyklische, sich entwickelnde Modulation. Das Video zeigt auch, wie sich durch Entfernen von Input und Clock freiere, kontinuierliche Steuerung ergibt, wobei Spread und Phase polyrhythmische Modulationslandschaften erzeugen.

Zeitskalen navigieren: Die Kunst der langsamen Modulation

Im letzten Abschnitt steht der Wert langsamer Modulation für Sounddesign im Mittelpunkt. Wird der Zeitregler auf Maximum gedreht und externe Spannung hinzugefügt, kann der MultiMod noch weiter verlangsamt werden – so treten Nuancen in der ursprünglichen Modulation hervor, die bei höheren Geschwindigkeiten verloren gehen würden. Der Präsentator lädt dazu ein, auf subtile Transienten zu achten und die Musikalität zu entdecken, die entsteht, wenn Modulation sich über viele Sekunden entfaltet.

Im gesamten Segment wird das Zusammenspiel von Phase, Spread und Zeit als Möglichkeit hervorgehoben, innerhalb eines Patches verschiedene musikalische Zeitskalen zu durchqueren. Ob für sanfte, sich entwickelnde Texturen oder komplexe, verzahnte Rhythmen – im Fokus steht, Modulation atmen und interagieren zu lassen. Das Video endet mit einer offenen Einladung zum Experimentieren und unterstreicht, dass die besten Anwendungen des MultiMod noch von abenteuerlustigen Patchern entdeckt werden wollen.

Vielleicht hören wir sogar Nuancen in den ursprünglichen Transienten, die wir bei der ursprünglichen, schnellen Geschwindigkeit nicht hören…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/maken0ise-multimod-stretching-time-and-control-signals-in-eurorack/
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