Tauche ein in die magnetische Resonanz von Metamythers jüngstem Interview – ein leuchtender Drift durch den kreativen Kosmos von Lea Bertucci. Hier wird Klang nicht nur gehört, sondern geformt, gebogen und in weite Räume entsandt, wo Tonbandmaschinen und uralte Flöten zu Gefäßen für Klanggeister werden. Bertuccis Welt ist eine, in der Unvollkommenheit Leben einhaucht und jeder Ton ein Erinnerungsfragment ist, das im Schatten der Ewigkeit widerhallt. Wer Musik sucht, die Nebel und gebrochenes Licht ausatmet, findet in diesem Gespräch einen seltenen Einblick in das Herz experimenteller Klanggeschichten.

10. März 2026
LUMINA
Metamyther beleuchtet: Lea Bertuccis Klangschatten und lebendige Maschinen
Tonband, Holzbläser und die Alchemie des Klangs
Lea Bertucci taucht aus dem Dunst Brooklyns auf, ihre Kunst gewoben aus den magnetischen Fäden von Tonbandmaschinen und dem Atem der Holzbläser. Im Interview mit Metamyther blickt Bertucci auf ihre frühen Tage zurück – Hauspartys, Backstein-Lofts und das taktile Ritual des Band-Einfädelns. Diese Maschinen sind keine Relikte, sondern lebendige Kanäle, die ihre Faszination für analoge Unvollkommenheit bis in die Gegenwart tragen. Das Saxophon, ihr erstes Instrument, bleibt eine spektrale Präsenz, auch wenn ihre Palette sich stetig erweitert.
Bertuccis Weg ist keine gerade Linie, sondern eine Konstellation von Erkundungen – Kompositionen für andere Musiker, Eintauchen in räumlichen Klang und das Auflösen der Grenzen zwischen Akustik und Elektronik. Ihre neuesten Werke, etwa ein Stück für mittelalterliche Flöten und Achtkanal-Klang, zeigen eine rastlose Neugier. Jedes Projekt ist ein neues Gefäß, in dem uralter Atem und magnetisches Band sich verweben und eine Klangwelt beschwören, die zugleich urzeitlich und futuristisch wirkt.
Inspiration: Raum, Material und die Grammatik des Hörens
Für Bertucci ist Inspiration kein flüchtiger Funke, sondern eine langsame Ansammlung – das Sammeln von Klangstaub und räumlicher Erinnerung. Sie spricht davon, Klänge über Jahre hinweg zu sammeln, sie setzen und gären zu lassen, bevor sie ihren Platz in einer größeren Erzählung finden. Die DAW, einst abgelehnt, wird zum notwendigen Begleiter – nicht wegen ihrer Perfektion, sondern weil sie disparate Fragmente zu einem lebendigen Gewebe verknüpfen kann.
Ihr Ansatz ist zutiefst materialistisch: Jedes Objekt, von der manipulierten Glocke bis zur Feldaufnahme, ist eine Figur in ihrer fortlaufenden Geschichte. Die Grammatik ihrer Alben entsteht aus diesen taktilen Begegnungen, jede Technik und Textur gewählt, um Raum und Präsenz zu evozieren. Bertuccis Musik handelt nicht vom Fetischisieren von Equipment, sondern davon, für jeden Klanggeist das richtige Gefäß zu finden – sei es fünf Tonbandmaschinen im Van oder eine leise summende DAW im Hintergrund.
Die menschliche Berührung: Unvollkommenheit als Essenz
In einer Welt, die sich immer mehr zur algorithmischen Perfektion neigt, feiert Bertucci die fragile Schönheit der Unvollkommenheit. Sie zieht eine Grenze zwischen makelloser, quantisierter KI-Musik und der unvorhersehbaren Resonanz von Live-Performance. Für sie ist die menschliche Berührung – sei es ein zitternder Ton, ein Atemzug oder das eigenwillige Delay einer Bandmaschine – das Herzstück experimentellen Klangs.
Dieses Ethos prägt auch ihre Live-Auftritte, in denen Flexibilität und Ortsbezogenheit essenziell sind. Jeder Raum, jeder Moment formt die Musik neu, sodass keine Aufführung der anderen gleicht. Bertuccis Bekenntnis zur Unvollkommenheit ist keine Nostalgie, sondern eine radikale Tat: das Beharren darauf, dass Musik lebendig, wandelbar und großzügig gegenüber dem Hörer bleiben muss. Die taktile Manipulation des Bandes, das Driften modularer Oszillatoren und die Eigenheiten uralter Instrumente erinnern uns daran, dass die resonantesten Klänge jene sind, die die Fingerabdrücke ihrer Schöpfer tragen.

"Ein Live-Instrument oder eine Live-Manipulation hat eine gewisse menschliche Fragilität."
("A live instrument or like a live manipulation has some human fragility in it.")© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Uralte Instrumente, moderne Maschinen: Projekte am Rand

"Alle Gesten, die ich für diese Library entworfen habe, sollten wirklich den Raum zur Geltung bringen."
("All the gestures that I designed for that library were really meant to show off the space.")© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Bertuccis aktuelle Projekte sind ein Dialog zwischen Epochen – mittelalterliche Flöten und maßgefertigte Bandmaschinen, spektrale Plugins und Feldaufnahmen. Sie beschreibt ihre Zusammenarbeit mit Norbert Rodenkirchen, dessen Sammlung archaischer Flöten zur Quelle einer weitläufigen Sample-Library und einer Live-Achtkanal-Performance wird. Hier ist die Flöte nicht nur ein Instrument, sondern ein Gefäß für Ahnenerinnerung, ihre Stimme geformt von Jahrhunderten menschlichen Atems.
Ihre Arbeit mit digitalen Nachbildungen von Bandmaschinen, modularen Systemen und Sample-Libraries (wie Spitfires Acoustic Shadows und Slate and Ashs Specters) offenbart eine Faszination für die Körperlichkeit des Klangs. Jedes Werkzeug wird gewählt, um das Originalsignal zu erweitern, zu brechen oder zu spuken. Die hallenden Räume – Brücken, Betonräume – werden zu Mitspielern, die Klang auf Weisen verarbeiten, die kein Algorithmus vorhersagen kann. Diese Projekte sind keine bloßen Technikstudien; sie sind klangliche Rituale, die den Hörer einladen, im Getriebe von Erinnerung und Möglichkeit zu treiben.
Prozess und Präsenz: Die Tiefen experimentellen Schaffens
Bertuccis kreativen Prozess zu erleben, heißt, einen Raum zu betreten, in dem sich Zeit dehnt und Aufmerksamkeit vertieft. Sie spricht davon, Ideen sich selbst entfalten zu lassen und das zu verwerfen, was der größeren klanglichen Erzählung nicht dient. Die Länge ihrer Stücke, oft nach Pop-Maßstäben geradezu glazial, ist eine bewusste Einladung zum Verweilen, zum Eingewöhnen in eine andere musikalische Zeitwahrnehmung.
In den letzten Momenten reflektiert Bertucci über den Wert menschlicher Musik im Zeitalter algorithmischer Überfülle. Ihre kommenden Werke – Stücke für Orgel, Saatgut-Postkarten und eine Tournee mit mittelalterlichen Flöten – sind Zeugnisse einer Praxis, die in Großzügigkeit und Neugier wurzelt. Wer den magnetischen Sog ihrer Klangwelten wirklich verstehen will, findet im Interview mit Metamyther nur die Schwelle; die eigentliche Resonanz blüht zwischen den Worten und im lebendigen Atem der Performance.
Zum YouTube Video:
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https://www.youtube.com/Metamyther
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