Mikrosound-Alchemie: Make Noise erforscht QMMG und XPO im Detail

5. September 2024

MILES

Mikrosound-Alchemie: Make Noise erforscht QMMG und XPO im Detail

Make Noise, die modularen Tüftler aus Asheville, melden sich mit einem Deep Dive in die Welt der Mikrosound-Synthese zurück und stellen dabei die Module QMMG und XPO in den Mittelpunkt. Dieses Workshop-Video ist ein Fest für Patch-Fans: Pulsar-, Glisson- und Trainlet-Synthese werden praxisnah und mit Fokus auf Signalfluss und kreative Modulation zerlegt. Erwartet eine Mischung aus Hüllkurvenschnitzerei, Zufallsgenerierung und Stereo-Spielereien – alles im typischen, experimentellen Make Noise-Stil. Wer wissen will, wie sich diese Module zu komplexen, lebendigen Texturen verschalten lassen, sollte reinschauen.

Mikrosound-Grundlagen: QMMG und XPO als Herzstück

Das Video startet mit einer klaren Mission: Mikrosound-Synthese auf Patch-Ebene neu zu beleuchten – mit QMMG und XPO als klangliches Rückgrat. Der QMMG, bekannt für Multimode-Filter und VCA-Funktionen, wird mit dem XPO-Oszillator kombiniert und bildet so eine solide Basis für granulare Experimente. Hier geht es nicht um Theorie, sondern um echtes Patchen – jede Verbindung und Modulationsquelle wird im Moment erklärt.

Typisch für Make Noise steht das Experimentieren und Entdecken im Vordergrund, nicht die Schritt-für-Schritt-Anleitung. Die Module werden so verschaltet, dass sich Texturen entwickeln und Überraschungen entstehen. Das Video ist dabei angenehm gesprächig, aber technisch dicht – ein Genuss für alle, die in Spannungen und Patchkabeln denken.


Pulsar-Synthese: Hüllkurven in Aktion

Den Anfang macht die Pulsar-Synthese: Kurze Amplitudenhüllkurven werden auf einfache Wellenformen – hier das Sinus-Signal des XPO – angewendet. Die ersten beiden QMMG-Kanäle laufen im VCA-Modus und formen die Amplitude, während die folgenden Kanäle im Hochpass-Modus für zusätzliche Klangfärbung sorgen. Der Signalweg ist ein Paradebeispiel für die Make Noise-Philosophie: flexibel, verschachtelt und voller Modulationsmöglichkeiten.

Für Bewegung sorgt ein Maths-Kanal, der dynamische CV an den QMMG schickt und vom EOR-Ausgang der anderen Maths-Seite getriggert wird. Zufall bringt der Wogglebug ins Spiel, dessen gestufter Zufallsausgang über Abschwächer sowohl Hüllkurven als auch Filter moduliert. So entsteht eine lebendige, ständig wechselnde Klanglandschaft mit Stereobewegung, indem CV-Signale auf die XPO-Modulationseingänge verteilt werden. Hier zeigt sich, wie aus wenigen Bausteinen komplexe Mikrosound-Texturen wachsen.

Pulsar synthesis is based on the creation of short amplitude envelopes on simple waveforms like sine.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Glisson-Synthese: Frequenzsweeps und Klangschichten

Glisson synthesis is the creation of many small sound events with glissando applied.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Glisson-Synthese dreht sich um kleine Klangevents mit eingebautem Frequenz-Glissando – also Mikroereignisse, die in der Tonhöhe auf- oder abschweben. Maths erzeugt die Aufwärtsbewegung, während der EOC-Gate den Wogglebug clockt und so Dauer und Richtung jedes Glissons unvorhersehbar macht. Der Summenausgang von Maths, kombiniert mit negativem Offset, randomisiert Tiefe und Polarität der Tonhöhenmodulation.

Das Ergebnis: Jedes Mikroevent ist einzigartig, die Oszillatorfrequenz wandert variabel auf- oder abwärts. Für Stereo-Interesse wird der XPO ebenfalls moduliert, und insgesamt entsteht ein dichtes Geflecht aus Glissandi. Das Video zeigt, wie sich diese Techniken aufnehmen und schichten lassen – eine praktische Vorlage für alle, die Bewegung und Komplexität ins Modularsystem bringen wollen.

Trainlet-Synthese: Impulsströme und wandelbare Texturen

Mit der Trainlet-Synthese kommen kurze Impulsströme ins Spiel, erzeugt durch zyklische Maths-Kanäle, die den Sub-Ausgang des XPO steuern. Dieses Signal wird auf zwei Hochpass-Filter des QMMG verteilt und erzeugt so ein Stereofeld aus perkussiven, körnigen Ereignissen. Jeder neue Amplitudenimpuls bringt eine andere Impulsfrequenz – die Textur bleibt ständig in Bewegung.

Weitere Modulation liefern die glatten und gestuften Zufallsausgänge des Wogglebug, die über Abschwächer die Filter beeinflussen. Das Resultat ist ein Patch, das lebendig wirkt und ständig neue Timbres und Rhythmen hervorbringt. Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des QMMG als Filter und VCA und wie impulsgetriebene Mikrosound-Techniken im Modularsystem organische Ergebnisse liefern.

Trimlet synthesis is created using short bursts of impulse streams.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Layering & Effekte: Die Mikrosound-Palette erweitern

Im letzten Abschnitt wird zum kreativen Layering der gezeigten Techniken ermutigt – die eigentliche Magie entsteht, wenn Pulsar-, Glisson- und Trainlet-Methoden kombiniert werden. Das Video demonstriert Sound-on-Sound-Aufnahmen und baut dichte, mehrschichtige Texturen, die die Stärken von QMMG und XPO im Zusammenspiel zeigen.

Raum-Effekte kommen ins Spiel: Der VCA-Ausgang wird durch einen Hall (Brusa) geschickt, bevor er zu den Hochpass-Kanälen gelangt. Das verleiht den Mikrosound-Ereignissen Tiefe und Weite und zeigt, wie wichtig Effekte für das Endergebnis sind. Zum Abschluss gibt’s einen Aufruf zur eigenen Klangforschung – ganz im Sinne der offenen Make Noise-Patchkultur.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/microsound-alchemy-make-noise-explores-qmmg-and-xpo-in-sonic-detail/
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