Robin Vincent von Molten Music Technology schnappt sich das angesagte Telepathic Instruments Orchid und stellt die große Frage: Ist es ein kreativer Funken oder nur teurer Schnickschnack für Musik-Snobs? Mit seinem typischen Mix aus trockenem britischem Humor und gnadenloser Ehrlichkeit nimmt Robin das stylishe Design, die sofortige Akkordmagie und die Stellen auseinander, an denen das Gerät auf die Nase fällt. Wer eine ehrliche, groove-fokussierte Einschätzung dieser Boutique-Kiste sucht, ist hier im richtigen Rave-Bunker. Spoiler: Es ist nicht alles Sonnenschein und Rhodes, aber vielleicht bringt es deinen nächsten Track ins Rollen.

27. Januar 2026
SPARKY
Molten Music Technology und das Orchid: Hipster-Spielzeug oder Akkord-Waffe?
Erster Eindruck: Hipster-Chic mit Akkord-Twist
Robin Vincent nimmt kein Blatt vor den Mund: Das Orchid ist ein Akkordgenerator, der sich für eine Nacht in Shoreditch herausgeputzt hat. Das Marketing setzt auf schöne Menschen und noch schönere Promo-Shots, aber darunter steckt eine Maschine, die Akkordfolgen ausspuckt und dich blitzschnell zum Musikmachen bringt. Die Hardware ist definitiv ein Hingucker, mit 70er-Jahre-HiFi-Ästhetik und einem Design, das förmlich danach schreit, angefasst zu werden. Plastik, klar – aber mit einer klobigen Ausstrahlung, die sofort zum Herumprobieren einlädt.
Das große Versprechen des Orchid: Kreativität anstacheln, indem Akkorde lächerlich einfach werden. Robin interessiert sich nicht für Promi-Connections oder Hype – er will wissen, ob das Teil wirklich was taugt oder nur ein weiteres überteuertes Spielzeug für Instagram ist. Und schon beim ersten Anspielen zeigt sich: Es macht Spaß, ist direkt und hat genug Groove, um zu vergessen, dass man nicht im Synth-Showroom steht. Aber reicht das, um mehr als nur ein stylishes Ablenkungsmanöver zu sein?

"Ist es ein übertriebenes, überhyptes Hipster-Ding? Oder ist es tatsächlich ein nützliches, halbwegs professionelles Werkzeug, das uns bei unseren außergewöhnlichen Musikabenteuern hilft?"
("Is it some overblown overhyped hipster piece of nonsense? Or is it actually a useful vaguely professional tool that's going to help us with our extraordinary adventures in music making?")© Screenshot/Zitat: Moltenmusictech (YouTube)
Sounds, Features und die offensichtlichen Lücken

"Es gibt keinen Line-Ausgang, keine separaten Ausgänge, keine großen Klinkenausgänge – nur eine Stereo-Miniklinke auf der Rückseite, die du für Kopfhörer oder wie hier für Lautsprecher nutzen musst."
("There's no line output there's no separate outputs there's no large jack outputs it's just a stereo mini jack on the back that you have to use for headphones and or going through some speakers as we are now.")© Screenshot/Zitat: Moltenmusictech (YouTube)
Das Orchid hat überraschend viele Sounds an Bord – ganze 60 Stück, von Vintage-E-Pianos über Orgeln bis hin zu Synths, alles mit solidem Retro-Flair. Es gibt eingebaute Drums (eine echte Überraschung), einen Bassbereich und ein paar Effekte wie Reverb, Chorus und Delay. Die Bedienung ist simpel, aber effektiv, mit Performance-Optionen wie Strumming und Arpeggiator für mehr Bewegung. Robin betont, dass die Soundqualität für das, was es ist, wirklich ordentlich ist – keine sinnlosen Geräusche, sondern brauchbare Klänge für echte Musik.
Aber die Lücken sind nicht zu übersehen. Ausgänge? Nur ein Stereo-Miniklinke – keine Line-Outs, keine großen Klinken, und absolut keine Modular- oder CV/Gate-Anbindung. MIDI-Out ist da, aber MIDI-In fehlt, und die USB-Umsetzung ist laut Robin „ein bisschen Hit und Miss“. Das Display ist dunkel und zieht Fingerabdrücke magisch an, und auf der Tastatur fehlt das obere C – was bei bestimmten Akkordumkehrungen einfach nervt. Hier regiert stellenweise Style über Substanz, und wer das Orchid in ein ernsthaftes Modular-Setup einbinden will, muss kreativ werden – oder die Limits akzeptieren.
Instant-Inspiration: Akkordfolgen im Warp-Speed
Wo das Orchid richtig abliefert, ist die Geschwindigkeit, mit der musikalische Ideen entstehen. Robin hebt den Key-Modus hervor, der Akkorde automatisch der gewählten Tonart zuordnet – so kann man einfach drauflosdrücken und hat im Handumdrehen eine Akkordfolge am Start. Ein echter Songwriting-Turbo: Tonart wählen, Knöpfe drücken, und plötzlich klingt’s nach Pop-Hit. Die Performance-Features wie Strumming und Arpeggiator bringen Bewegung rein und lassen selbst die faulsten Akkordanschläge nach mehr klingen.
Es geht nicht nur um die Sounds, sondern um den Workflow. Das Orchid animiert zum Spielen, und es ist fast unmöglich, nicht zufällig etwas Eingängiges zu basteln. Robin gibt zu: Selbst für Jazz-Snobs oder Akkord-Komplexitäts-Freaks gibt’s hier was zu grinsen. Tiefgreifende Editierung oder eigene Voicings darf man aber nicht erwarten – hier geht’s um sofortige Befriedigung, nicht um endloses Tweaken. Wer sehen will, wie schnell damit Ideen entstehen, sollte sich das Video für die vollen Klang-Feuerwerke anschauen.

"Man verspürt sofort diesen seltsamen Drang, Musik zu machen, weil ich nicht über die Akkorde nachdenke, sondern einfach zufällig Tasten drücke – und trotzdem entstehen daraus Akkorde, die gut klingen und mir das Gefühl geben, tatsächlich etwas zu tun."
("You feel this this weird innate desire to create music almost immediately because I'm not thinking about the chords I'm just kind of randomly pressing keys but it's already putting these chords together for me which sound nice and make it feel like I'm actually doing something.")© Screenshot/Zitat: Moltenmusictech (YouTube)
Looping, Recording und die Grenzen des Spaßes

"Wie schlecht das Looping und Recording ist, weil man mehr machen will – ich will mehr machen als das, aber jetzt habe ich nur diese eine Schleife mit ein paar Drums, das war's."
("How poor the looping and recording is because you want to do more I want to do more than that but now I've just got this one loop that I can go around with a handful of drums that's it.")© Screenshot/Zitat: Moltenmusictech (YouTube)
Hier verwandelt sich der Rave-Bunker des Orchid langsam in einen Geräteschuppen. Die Loop- und Recording-Funktionen sind rudimentär – Robin beschreibt sie eher als MIDI-Recorder denn als echten Audio-Looper. Overdubs gehen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt, bevor alles im Chaos versinkt, und es gibt keine Möglichkeit, Parts zu trennen oder echte Arrangements zu bauen. Die Drum-Sektion ist launisch, taucht manchmal einfach nicht auf, und das Menü verschwindet gerne, bevor man fertig ist.
Trotz dieser Macken macht das Orchid einfach Spaß. Die Direktheit, mit der man einen Groove einfängt, ist unbestreitbar, aber wer auf ausgefeilte Songstrukturen oder DAW-Editing hofft, wird enttäuscht. Die Stärken liegen im Ideenfinden, nicht im Fertigstellen von Tracks. Robin ist ehrlich: Zum Jammen top, aber als Haupt-Sequencer oder Looper ungeeignet. Wer das Chaos und die Momente, in denen alles auseinanderfällt, live erleben will, sollte sich das Video nicht entgehen lassen.
Fazit: Schrullige Ergänzung fürs Klangarsenal
Also, ist das Orchid ein teures Spielzeug oder ein echtes Kreativ-Tool? Robin sieht es irgendwo dazwischen. Es hat Charme, sofortigen Vibe und ist ein genialer Ideengeber. Aber fehlende Ausgänge, limitierte Loop-Funktionen und keine Modular-Integration machen klar: Den Elektron oder das Modular-Hirn ersetzt es nicht. Seine Stärke liegt als Songwriting-Sidekick – etwas, das du in dein DAW- oder MIDI-Setup stöpselst, wenn du frischen Wind brauchst.
In ein größeres Setup integriert, wird die Akkordmagie des Orchid wirklich mächtig. Robin zeigt, wie es via MIDI andere Synths steuern und in einen DAW-Workflow eingebunden werden kann – die Limits werden zu Stärken, wenn man es mit fähigerem Gear kombiniert. Perfekt ist es nicht, und sicher nicht für jeden, aber wer eine Kiste sucht, die sofort Akkordfolgen mit Hipster-Attitüde ausspuckt, könnte hier fündig werden. Wie immer bleibt Molten Music Technology ehrlich – mit allen Macken und Highlights.
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