UDO Audio Super 6: Ein komplettes Drumkit aus dem Nichts erschaffen

9. Dezember 2025

MILES

UDO Audio Super 6: Ein komplettes Drumkit aus dem Nichts erschaffen

UDO Audio, die Synth-Zauberer aus Bristol, sind bekannt für ihre satten, hands-on Polysynths – doch in diesem Video wird der Super 6 in unerwartet perkussive Gefilde geführt. Hazel Mills zeigt, wie sich mit dem Super 6 ein komplettes Mini-Drumkit – Kick, Snare, Hats und Toms – ausschließlich aus der eigenen Klangerzeugung bauen lässt. Mit cleverem Envelope-Shaping, Pitch-Modulation und gezieltem Einsatz von Noise verwandelt sich der Super 6 vom polyphonen Kraftpaket in eine erstaunlich vielseitige Drum-Maschine. Wer schon immer wissen wollte, wie weit sich ein Synth in Richtung Drums treiben lässt, kommt hier voll auf seine Kosten.

Vom Polyphonen Kraftpaket zur perkussiven Spielwiese

Hazel Mills eröffnet die Session, indem sie den UDO Super 6 nicht als klassischen Polysynth, sondern als einzige Klangquelle für ein komplettes Drumkit vorstellt. Hier geht es nicht um Preset-Browsing – jeder Drum-Sound wird von Grund auf mit der Architektur des Synths modelliert. Das unterstreicht die Flexibilität des Super 6 und lädt dazu ein, das Instrument über Pads und Leads hinaus als Rhythmusmaschine zu begreifen.

UDO Audios Philosophie von Spielfreude und Direktheit zeigt sich hier in Reinform. Das Video verspricht eine Reise durch Envelope-Tweaks, Oszillator-Auswahl und Filter-Manipulation – alles im Dienst eines überzeugenden elektronischen Drumsets. Für Modular-Fans ist dieser Ansatz vertraut: Das Instrument als leere Leinwand zu begreifen und zu schauen, wie weit sich die Schaltung treiben lässt.


Envelope-Alchemie: Kicks, Snares, Hats und Toms formen

Der Prozess beginnt mit einer Kick-Drum, ausgehend vom Init-Patch. Hazel reduziert Sustain und Decay im Envelope, damit der Sound knackig und perkussiv bleibt. Mit DDS 1 auf Square-Wave und Envelope-gesteuerter Pitch-Modulation entsteht ein klassischer elektronischer Kick-Charakter. Zwei Haupttechniken werden angesprochen: Pitch-Modulation für den typischen Drum-Machine-Kick und alternativ Filter-Modulation mit hoher Resonanz für einen tonaleren Punch.

Die Kombination beider Ansätze liefert einen komplexeren Kick, wobei das Zusammenspiel von Cutoff, Envelope-Decay und Modulationstiefe entscheidend ist. Die Snare entsteht auf Basis von Noise, ergänzt um eine dezente, per Envelope modulierte Sinuswelle für mehr Tonalität. Die Hi-Hats werden durch weiteres Verkürzen des Decays und stärkeres Highpassing des Noise-Anteils abgeleitet, während die Toms durch Anpassung des Snare-Patches, Fokus auf Pitch-Modulation und Filtereinstellungen für verschiedene Tonhöhen entstehen.

Im Mittelpunkt steht das händische Justieren der Parameter – jede Drum-Stimme ist das Ergebnis gezielter, iterativer Feinarbeit. Die Envelopes und Filter des Super 6 sind dabei zentral für Transienten und Korpus jeder Drum und verbinden klassische subtraktive Synthese mit modernen Möglichkeiten.

Es gibt zwei Ansätze dafür. Tatsächlich funktioniert die Kombination beider auf diesem Synth sehr gut.

© Screenshot/Zitat: Udo Audio (YouTube)

Pitch, Noise und Nuancen: Sounddesign in Aktion

Ein wiederkehrendes Thema im Video ist der Einsatz von Pitch-Modulation, um Drum-Sounds Leben und Realismus einzuhauchen. Bei Kicks sorgen Envelope-gesteuerte Pitch-Sweeps für den akustischen Attack eines Schlagfells. Snares profitieren von einer Mischung aus Noise und Sinus, wobei subtile Pitch-Modulation das natürliche Ausschwingen einer echten Snare nachahmt. Hazel zeigt, wie schon kleine Anpassungen bei Modulationstiefe oder Envelope-Form den Charakter eines Drum-Sounds massiv verändern können.

Noise bildet das Rückgrat von Snare und Hi-Hat. Durch Isolieren des Noise-Anteils und Anpassen von Decay und Filter-Cutoff entsteht eine überzeugende Hi-Hat – kurz und knackig für Closed Hats, länger für offene Varianten. Toms werden wieder mit gestimmten Oszillatoren geformt, das Filter geöffnet und eine Prise Noise für mehr Textur beigemischt. Das Zusammenspiel von Pitch, Noise und Filtereinstellungen zeigt das Sounddesign-Potenzial des Super 6.

Das Video betont die Bedeutung von Experimentierfreude – verschiedene Oszillatorformen, Envelope-Zeiten und Modulationsroutings führen zum Sweet Spot jeder Drum. Wer Geduld und Lust zum Schrauben mitbringt, wird wie beim Modularbau mit individuellen Drum-Sounds belohnt.


Mix und Balance: Die Kunst des Drum-Zusammenspiels

Entscheidend ist die sehr subtile, sorgfältige Balance zwischen Cutoff, Decay des Envelopes und wie stark das Envelope moduliert.

© Screenshot/Zitat: Udo Audio (YouTube)

Hazel betont, dass ein stimmiges Drumkit nicht nur aus einzelnen Sounds besteht – entscheidend ist das Austarieren der Parameter über alle Stimmen hinweg. Sorgfältige Anpassung von Envelope-Decay, Filter-Cutoff und Modulationsmengen sorgt dafür, dass jede Drum ihren Platz findet und Frequenzüberlagerungen vermieden werden. Highpassing bei Snare und Toms schafft Raum für die Kick, während dezenter Drive für mehr Präsenz sorgt.

Das interne Mischen im Synth ist eine subtile Kunst, besonders wenn mehrere Drum-Stimmen aus einer Architektur entstehen. Das Video zeigt, dass mit aufmerksamer Parameter-Balance ein erstaunlich knackiges und druckvolles Kit aus dem Super 6 herauszuholen ist – bereit zum Samplen oder für den Live-Einsatz.

Sampling und Beat: Vom Synth zum Groove

Mit den gespeicherten Kit-Patches geht Hazel ans Recording und Sampling der einzelnen Drum-Sounds. Diese landen anschließend im Drum-Sampler und werden zu einem Beat programmiert – der Super 6 zeigt sich so als vielseitiges Werkzeug weit über klassische Synth-Sounds hinaus. Der Prozess macht deutlich, wie ein einziger Synth das Rückgrat einer kompletten Rhythmussektion bilden kann, gerade im Zusammenspiel mit modernen Sampling-Workflows.

Zum Abschluss gibt es eine kurze Beat-Demonstration, die die Vielseitigkeit des Super 6 unterstreicht. Ob klassische Synth-Texturen oder maßgeschneiderte Drumkits – dieses Video macht Lust, das volle Klangspektrum der eigenen Geräte auszuloten, selbst wenn sie ursprünglich nicht als Drum-Maschine gedacht waren.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/udo-audios-super-6-crafting-a-complete-drum-kit-from-scratch/
Zum YouTube Video:


Zum YouTube Video: