WaldorfMusicChannel belebt eine Legende neu: Der Microwave 1 Plugin Deep Dive

23. August 2024

LYRA

WaldorfMusicChannel belebt eine Legende neu: Der Microwave 1 Plugin Deep Dive

WaldorfMusicChannel haucht dem ikonischen Microwave 1 in Form eines Plugins neues Leben ein – ein Fest für alle, die sich für die Architektur digitaler Synthese begeistern. CTO Rolf Wöhrmann führt durch die akribische Emulation der Original-Hardware und hebt dabei nicht nur die klassischen Wavetables und deren Eigenheiten hervor, sondern auch Workflow-Verbesserungen, die moderne Produzenten schätzen. Das ist mehr als eine Nostalgie-Reise: Es ist eine forensische Analyse dessen, was den Klangcharakter des Microwave 1 so besonders macht – und wie diese Details in ein DAW-freundliches, MIDI-kompatibles Plugin übersetzt werden. Für alle, die das Zusammenspiel von Vintage-Digitalcharakter und zeitgemäßer Bedienbarkeit schätzen, ist dieses Video ein Muss.

Digitale Wiedergeburt: Die Rolle des Microwave 1 Plugins in der Synthese-Geschichte

Das neueste Video von WaldorfMusicChannel beginnt mit einer klaren Mission: Die legendäre Microwave 1 als Plugin neu vorzustellen und ihre Schlüsselrolle in der Entwicklung der Wavetable-Synthese zu feiern. CTO Rolf Wöhrmann schildert die Veröffentlichung der Original-Hardware vor 35 Jahren – eine Zeit, in der digitale Synthese noch in den Kinderschuhen steckte und DSPs Zukunftsmusik waren. Die Microwave 1 entstand aus Notwendigkeit und Innovationsgeist und setzte auf einen eigens entwickelten ASIC-Chip, der einen Sound lieferte, der schnell zum Favoriten fortschrittlicher Produzenten der Neunziger wurde.

Das Plugin versteht sich nicht nur als Hommage, sondern als akribische Rekonstruktion. Das Waldorf-Team investierte zwei Jahre in Recherche, Modellierung und Reverse Engineering der Original-Architektur, um sicherzustellen, dass das Plugin die gleichen klanglichen Eigenheiten einfängt. Hier geht es nicht um einen weiteren Wavetable-Synth in einem überfüllten Markt, sondern um die gezielte Bewahrung und Erweiterung einer einzigartigen digitalen Stimme – jetzt in jeder modernen DAW nutzbar.

They always had a very specific sound, a very unique and special sound, and I would like to show a little bit here how it sounds and how it…

© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)

Interface, Wavetables und Hardware-Integration: Die Kernfeatures

The plugin can be also used as a controller for the hardware.

© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)

Das User-Interface des Plugins ist sowohl übersichtlich als auch tiefgründig gestaltet, orientiert sich am Signalfluss des Originals und nutzt zugleich moderne Bedienkonzepte. Im Zentrum steht die Wavetable-Anzeige, flankiert von zwei Oszillatoren, einem Filterbereich und Hüllkurven – allesamt visuell animiert, um Modulationen und Parameteränderungen in Echtzeit darzustellen. So lässt sich die Klangentwicklung leicht nachvollziehen, egal ob man Presets anpasst oder eigene Sounds kreiert.

Alle klassischen Factory-Sounds – Singles und Multis – sind direkt im Plugin enthalten und bieten sofortigen Zugriff auf die typischen Microwave-Klangfarben. Das Plugin unterstützt zudem Hardware-Control: Über MIDI kann das Plugin als Editor und Controller für eine originale Microwave 1 genutzt werden. Diese enge Integration ist ein klares Bekenntnis zu hybriden Workflows und erlaubt ein nahtloses Umschalten zwischen Software und Hardware für alle, die beides besitzen.

Entscheidend ist, dass das Plugin nicht nur optisch, sondern auch klanglich überzeugt. Die Waldorf-Ingenieure haben den ASIC-Chip reverse-engineert und das 8-Bit-Quantisierungsrauschen sowie den einzigartigen Pitch-Algorithmus bitgenau nachgebildet. Die interne Engine läuft mit einer festen Samplingrate von 250 kHz – unabhängig von den DAW-Einstellungen – und garantiert so den charakteristischen Sound und die Eigenheiten der Hardware.

Multi-Mode: Komplexität mit achtfacher Klangfarbe

Ein herausragendes Workflow-Feature des Microwave 1 Plugins ist der Multi-Mode, der bis zu acht unabhängige Timbres – oder Instrumente – ermöglicht, die sich layern, splitten oder per Velocity zonen lassen. Damit eröffnet sich eine riesige Palette für Sounddesign: von massiven Bass-Stacks über komplexe Keyboard-Splits bis hin zu sich entwickelnden Pads. Jedes Instrument im Multi kann individuell gepannt, detuned, transponiert und mit eigenem Key- und Velocity-Bereich versehen werden – ein Maß an Kontrolle, das über die Möglichkeiten der Original-Hardware hinausgeht.

Waldorfs Umsetzung erleichtert das Kombinieren von Factory-Presets und eigenen Sounds, ebenso wie das Klonen oder Kopieren von Einstellungen zwischen Instrumenten. Der Multi-Mode ist somit nicht nur technische Spielerei, sondern ein kreativer Motor für komplexe, bühnentaugliche Sounds, die die digitale DNA des Microwave sowohl klassisch als auch zeitgemäß nutzen.


Das Modellieren der Magie: Quantisierung, Hüllkurven und der ASIC-Bug

Ein Schwerpunkt des Videos liegt auf der originalgetreuen Modellierung der einzigartigen Klangcharakteristika des Microwave. Wöhrmann demonstriert, wie das 8-Bit-Quantisierungsrauschen, die feste 250-kHz-Samplingrate und das Hüllkurvenverhalten detailgetreu nachgebildet wurden. Die Hüllkurven des Plugins orientieren sich an Timing und Verhalten der Motorola 68k CPU des Originals und fangen so das lebendige, organische Spielgefühl ein, das die Hardware trotz technischer Limitierungen so musikalisch machte.

Besonders spannend ist die Emulation des berüchtigten ASIC-Bugs – ein digitales Artefakt, das auftritt, wenn die Signale von Oszillatoren und Rauschgenerator einen bestimmten Schwellenwert überschreiten und so zu einer charakteristischen, verzerrten Übersteuerung führen. Waldorf hat diesen Fehler nicht ausgebügelt, sondern bewusst übernommen, da viele klassische Factory-Sounds genau darauf setzen. Das Ergebnis: Ein Plugin, das nicht nur nach Vintage klingt, sondern sich auch so verhält – mit all den Eigenheiten und glücklichen Unfällen, die das Original zum Kult machten.

This bug is so beautiful, here just a little bit, if I'm going to seven, that's a special sound you want to have.

© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)

SysEx-Import: Brücke zwischen Hardware- und Software-Klangwelten

You can hear from the menu import SysX and MIDI files with program dumps from original hardware, and we'll read them and import them and…

© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)

Waldorfs Fokus auf Workflow endet nicht bei der Klangerzeugung. Das Microwave 1 Plugin unterstützt den Import von SysEx- und MIDI-Programmdumps der Original-Hardware, sodass jahrzehntelang erstellte Soundbänke nahtlos übernommen werden können. Für langjährige Microwave-Besitzer und Sounddesigner, die ihre alten Patches weiterverwenden möchten, ist das ein entscheidendes Feature.

Auch Tuning-Tables und User-Wavetables werden importiert, sodass selbst die individuellsten Setups erhalten bleiben. Diese Kompatibilität schlägt die Brücke zwischen Vintage-Hardware und moderner Produktion und ermöglicht es, Soundbibliotheken im heutigen DAW-Workflow weiterzuentwickeln.

Mit einer festen Polyphonie von acht Stimmen – wie beim Original – und Unterstützung aller gängigen Plugin-Formate positioniert sich das Microwave 1 Plugin als Hommage und zugleich als praxisnahes Werkzeug. Waldorfs Deep Dive macht deutlich: Dieses Plugin richtet sich an alle, die sowohl klangliche Authentizität als auch zeitgemäße Flexibilität schätzen.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/waldorfmusicchannel-revisits-a-legend-the-microwave-1-plugin-deep-dive/
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