Einen Rhythmus erzeugen, ohne einzelne Schläge einzutippen: Omri Cohen führt in seinem am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Video „Patch from scratch with Vult Overon and Befaco RANDOM8“ vor, wie weit ihn ein gemeinsamer Grundpuls trägt. Der VCV-Rack-Patch wächst beim Experimentieren. Besonders aufschlussreich ist eine kleine Umleitung: Cohen setzt einen VCA nicht vor den Klang, sondern vor den Gate-Eingang der nächsten Synth-Stimme.
Nicht jeder Sechzehntel darf durch

„I can use another channel of random 8 to control this, and maybe have fewer steps, so not 16, but let's go with 10 steps, and lock it, and we get a rhythm, (Ich kann einen weiteren Kanal von Random8 verwenden, um das zu steuern, und vielleicht weniger Schritte nehmen – also nicht 16, sondern zehn Schritte. Dann verriegle ich die Folge, und wir bekommen einen Rhythmus.)“
© Screenshot/Zitat: Omri Cohen (YouTube)
Cohen beginnt mit 132 BPM und einer vierfachen Clock, die ihm Sechzehntel liefert. Random8 bekommt denselben Takt. Für die zusätzliche Overon-Stimme führt er diese Pulse durch einen VCA zum Gate-Eingang. Ein weiterer Random8-Kanal steuert nun, wie weit der VCA öffnet. Die Zufallsspannung ersetzt also nicht die Clock: Sie bestimmt, welche ihrer Pulse ausreichend stark beim Synth ankommen.
Der musikalische Eingriff folgt beim Festhalten: Cohen verkürzt die Zufallsfolge zunächst auf zehn Schritte und verriegelt sie. Später probiert er 15 Schritte, weil er ein Fünfergefühl sucht. Genau dieser Wechsel macht das Experiment interessant: Er nimmt nicht irgendein Ergebnis hin, sondern hört auf eine rhythmische Idee und verändert dafür die Bedingungen.
Akzente sind noch keine neuen Schläge
Schon zuvor nutzt Cohen Random8 für Filter und Velocity. Für die Anschlagstärke verändert er den Offset und wählt die Gamma-Zufallsverteilung. Hier geht es um Gewichtung und Klangfarbe innerhalb des Rasters, nicht um das Aussieben der Clock. Diese Trennung ist hilfreich: Ein leiserer Schlag und ein ausgelassener Schlag erfüllen musikalisch unterschiedliche Aufgaben.
Optoproductions zeigt in seiner Random8-Demo einen anderen Zugriff. Für ein Drum-Patch verwendet er den Low/High-Stil. Dann verändert er bei verriegeltem Muster den Ausgangspegel und erzeugt dadurch weitere Varianten; ganz heruntergedreht dient der Regler auch zum Stummschalten. Das Muster bleibt gespeichert, seine Wirkung am angeschlossenen Instrument verändert sich trotzdem. Seinen Performance-Trick versieht er allerdings mit einem wichtigen Vorbehalt:

„It's not always the case, it depends a bit on the random levels, but it's cool as a performance tool. (Das funktioniert nicht immer, es hängt ein bisschen von den Zufallspegeln ab. Aber als Performance-Werkzeug ist es cool.)“
© Screenshot/Zitat: Optoproductions (YouTube)
Das Delay darf mitspielen

„when it goes above a certain point, it's considered a gate basically, so it will gate the freeze, right, so this is another voice that we have, (Wenn sie einen bestimmten Punkt überschreitet, wird sie im Grunde als Gate gewertet und steuert damit den Freeze. Das ist also eine weitere Stimme, die wir haben.)“
© Screenshot/Zitat: Omri Cohen (YouTube)
Später verlagert Cohen die Ereignissteuerung an das Acro-Delay. Er synchronisiert es auf punktierte Achtel und ergänzt eine weitere Random8-Instanz, wiederum mit derselben vierfachen Clock. Diesmal soll deren Spannung den Freeze-Eingang steuern. Aus einer Effektfunktion wird damit ein eigenständiger Beitrag zum Arrangement, statt bloß ein gelegentlicher Handgriff am Delay.
Dafür verschiebt er die Steuerspannung vor dem Eingang nach unten und dreht ihren Bereich auf: Sie soll nicht ständig oberhalb der wirksamen Schaltschwelle liegen. Das unterscheidet sich vom VCA-Patch. Dort wird ein vorhandener Pulsstrom dosiert; hier wertet der Freeze-Eingang die Spannung selbst als Gate aus. Die zusätzliche Funktion entsteht durch das Zusammenspiel der Module, nicht durch einen eigens vorgeführten Trigger-Ausgang von Random8.
Acht Kanäle, aber bitte mit Aufgaben
Wie viel davon bleibt beim nächsten Einschalten noch verständlich? Robin von Molten Music Technology beschreibt in „Mylar Melodies Random8 Review“ die Kehrseite am Hardwaremodul. Er erweitert seinen Patch begeistert um weitere Modulationen, merkt aber auch: Mit jeder zusätzlichen Einstellung wird schwerer nachvollziehbar, was er einem Kanal bereits mitgegeben hat.
Skalierung, Slide, Offset und Wahrscheinlichkeit teilen sich eine Bedienoberfläche. Der Regler zeigt deshalb nicht alle wirksamen Einstellungen gleichzeitig an. Robins Einwand richtet sich nicht gegen das Experimentieren – das genießt er ausdrücklich –, sondern gegen den Verlust der Übersicht. Vielseitigkeit ist eben erst dann ein Workflow-Vorteil, wenn man sich darin wiederfindet.

„And yet it's very difficult to know how much of each of those things I have done to that channel by looking at it. (Und trotzdem lässt sich beim bloßen Hinsehen nur schwer erkennen, wie viel von jeder dieser Einstellungen ich auf diesen Kanal angewendet habe.)“
© Screenshot/Zitat: Molten Music Technology (YouTube)
Robins Vorschlag, feste Kanalrollen und Presets vorzubereiten, zielt auf mehr als Bequemlichkeit. Ein Zufallspatch wird spielbar, wenn klar bleibt, worüber die Maschine mitentscheiden darf. Cohen gibt ihr dafür reichlich zu tun – und behält mit dem Lock-Taster das letzte Wort.
Videos zu diesem Artikel
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