David Hilowitz Music vs. Die holländische Vinyl-Kuriosität: Eine Sixties-Gitarre im Rave-Revival

11. Januar 2026

SPARKY

David Hilowitz Music vs. Die holländische Vinyl-Kuriosität: Eine Sixties-Gitarre im Rave-Revival

Schon mal gefragt, was passiert, wenn ein Komponist mit Hang zum Abseitigen eine ramponierte holländische Gitarre aus den Sechzigern aufgabelt? David Hilowitz Music stürzt sich kopfüber in ein Craigslist-Mysterium und packt ein mit Vinyl überzogenes Relikt aus, das aussieht, als hätte es einen Toaster-Fight in einer Rotterdamer Spelunke überlebt. Erwartet wackelige Verkabelung, fehlende Masseleitungen und einen Hals-Tausch, bei dem selbst Leo Fender rot werden würde. Das hier ist nicht Opas Les Paul – eher „Budget-Bond-Gadget“ als Boutique-Klassiker. Wer sehen (und hören) will, wie ein echter Underdog eine zweite Chance bekommt, ist hier goldrichtig.

Craigslist-Undercover: Jagd auf das holländische Kuriosum

David Hilowitz startet sein Abenteuer im klassischen Geheimagenten-Stil und jagt eine mysteriöse Sixties-Gitarre, die er auf Craigslist entdeckt hat. Das Treffen? Nicht etwa im schäbigen Pfandhaus, sondern direkt neben der Carnegie Hall – warum nicht ein bisschen Spionage-Flair in die Gear-Suche bringen? Der Verkäufer bleibt strikt off-camera und übergibt einen Koffer, der eher Geheimnisse als Saiten zu enthalten scheint.

Drinnen wartet eine Marke, die selbst eingefleischte Gear-Nerds noch nie gesehen haben. Billig, schräg und ein bisschen kaputt – Hilowitz ist sofort dabei. Es hat schon seinen Reiz, ein Stück Gear mit Vergangenheit zu ergattern, vor allem, wenn es mehr Macken hat als ein Modular-Synth-Treffen. Wer auf Bastelprojekte mit Geschichte steht, ist hier auf der richtigen Fährte.

Ich habe sie gekauft, weil sie billig und seltsam aussah und der Verkäufer meinte, sie sei ein bisschen kaputt.

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Vinyl, Squier-Hals und jede Menge Macken

Die Pickups sitzen tatsächlich oben auf dem Pickguard. Es gibt überhaupt kein Loch im Pickguard. Sowas habe ich noch nie gesehen.

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Zurück im Labor nimmt David die Gitarre genau unter die Lupe. Der Korpus? Mit Diner-Sitz-Vinyl bezogen – forget Sunburst, das hier ist pure Retro-Polster-Chic. Die Hardware scheint original, aber der Hals wurde gegen einen Squier-Stratocaster-Hals getauscht. Überraschenderweise fühlt der sich super an, aber die Elektrik ist ein anderes Kapitel: wackeliger Volume-Poti, statisches Rauschen und nur der Hals-Pickup funktioniert. Und dann ist da noch ein mysteriöser Kippschalter, der absolut nichts tut – außer, nie an seinem Platz zu bleiben.

Unter dem Pickguard wird’s noch kurioser. Keine Masseleitung, ein hohler Korpus mit Geheimkammer und Pickups, die einfach oben auf dem Pickguard sitzen wie eine nachträgliche Idee. Die Verkabelung ist simpel, aber der Kippschalter ist nicht mal angeschlossen – irgendjemand hat das Problem einfach baumeln lassen. Wer seine Gitarren mit einer Prise Chaos mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Egmond: Die niederländischen Budget-Könige

Ein bisschen Recherche bringt Licht ins Dunkel: Egmond, eine holländische Firma, gegründet 1932 von einem pensionierten Bahnhofsvorsteher. Als Rock’n’Roll Europa erreichte, spuckte Egmond billige Schülermodelle am Fließband aus – so basic, dass selbst Einsteiger-Squires edel wirken. Aber sie waren überall, und sogar Legenden wie George Harrison und Brian May haben darauf ihre ersten Akkorde gegriffen. Das Typhoon-Modell, mit Vinyl-Korpus und hohlem Sperrholz, war Egmonds Antwort der Mittsechziger auf die amerikanischen Giganten. Ein Budget-Straßenkämpfer aus einer Zeit, als noch niemand die Regeln kannte – und das sieht (und hört) man ihm an.

Viele der Konstruktionsentscheidungen, wie der ausgehöhlte Sperrholzkorpus, zeigen deutlich, dass dies immer noch ein Budget-Instrument war.

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Reparatur, Modding und eine Portion Glück

Ja, das Brummen ist weg. Ich glaube, das ist das erste Mal, dass Entoxidieren bei mir wirklich funktioniert hat.

© Screenshot/Zitat: Davidhilowitzmusic (YouTube)

Zurück an der Werkbank legt David los. Der Volume-Poti bekommt eine Ladung Kontaktspray – und siehe da, das Brummen verschwindet tatsächlich. Die Reinigung des Korpus ist eine Herausforderung; Gitarrenpolitur ist für Vinyl nicht gedacht, aber mit etwas Muskelkraft und Druckluft wird’s halbwegs sauber. Die eigentliche Überraschung: Keine Masseleitung zur Brücke, also lötet David kurzerhand eine ein – jetzt hat die Gitarre wenigstens eine Chance gegen das Brummen.

Der Hals-Pickup ist ein echtes Highlight, der Steg-Pickup dagegen klinisch tot. Statt das Pickguard zu zerbohren, schraubt David kurzerhand einen Squier Mustang Humbucker direkt drauf – keine Löcher, nur Schrauben und Sturheit. Ein Hack, wie er im DIY-Bunker stehen könnte, und irgendwie passt alles zusammen. Wer sehen will, wie eine Gitarre mit Hoffnung und Baumarkt-Ideen zusammengehalten wird, sollte hier unbedingt reinschauen.

Vom Schrotthaufen ins Studio: Der Sound des Überlebens

Wieder zusammengebaut, kommt der Härtetest: Songaufnahme. David legt Drums und Bass vor und gibt dann der Egmond ihren großen Moment – sowohl elektrisch als auch, dank Hohlkörper, als improvisierte Akustik. Das Ergebnis? Ein Track, der so rau ist wie die Gitarre selbst, aber voller Charakter. Der Original-Hals ist zwar Geschichte, aber der Squier-Ersatz passt wie angegossen. Es hat etwas Magisches, ein vergessenes Instrument auf einer neuen Aufnahme zum Leben zu erwecken – das muss man im Video selbst erleben, denn Worte fangen den ganzen Dreck und Glanz einfach nicht ein.


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