Tim Shoebridge stürzt sich kopfüber auf den Dreadbox Artemis, einen Flaggschiff-Analog-Polysynth, der mehr Zweierpaare hat als ein Bingoabend. Wer auf klassischen Dreadbox-Dreck, Stereo-Breite und eine Effektsektion steht, die alles andere als brav ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Tim bleibt seinem direkten Stil treu und nimmt Stärken, Macken und Preisschild des Artemis gnadenlos auseinander. Wird das Teil zum Klassiker oder bleibt’s nur ein hübsches Gesicht? Lies weiter – aber auf Zuckerguss kannst du verzichten.

2. Januar 2026
SPARKY
Dreadbox Artemis: Tim Shoebridge packt den Doppel-Polysynth aus
Doppelt hält besser: Die Artemis-Ausstattung
Der Dreadbox Artemis macht keine halben Sachen – zwei VCOs, zwei VCFs, zwei Hüllkurven, zwei LFOs. Noahs Arche für Synth-Nerds, wenn man so will. Tim Shoebridge zeigt direkt, dass der Artemis für Leute gebaut ist, die Optionen statt Einschränkungen wollen. Das Bedienfeld ist ein Spielplatz für alle, die gern an Sounds schrauben, und das Layout bleibt selbst nach einer durchzechten Nacht verständlich.
Beide Oszillatoren kommen mit klassischen Wellenformen – Sägezahn, Rechteck, Dreieck – und lassen sich per Drehregler stufenlos morphen. Suboszillator und Noise-Quelle gibt’s obendrauf, dazu FM und Detune für alles von subtiler Bewegung bis zum totalen Chaos. Das Detune-Verhalten ist etwas einseitig (nur VCO2 wird schärfer), aber wer auf FM und Hard Sync steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Artemis hakt nicht nur Kästchen ab – er macht gleich zwei Kreuze.

"It's a two-of-everything synthesizer. There are two VCOs, there are two VCFs, there are two envelope generators, there are two LFOs."
© Screenshot/Zitat: Timshoebridge (YouTube)
Dreadbox-DNA pur: Oszillatoren, Filter & Modulationswahnsinn
Wer schon mal Dreadbox in den Fingern hatte, erkennt den Sound sofort. Die Oszillatoren und Filter tropfen vor Charakter und Wärme – vintage, aber nicht verstaubt. Tim hebt den 24dB-Tiefpassfilter mit fetter Resonanz und Selbstoszillation hervor, dazu einen Hochpassfilter, der mehr als nur Beiwerk ist. Beide in Serie ist ein Gruß an Legenden wie Jupiter-8 und CS-80, und der Hochpass ist sogar resonant (selten genug, um Filter-Fans glücklich zu machen).
Bei der Modulation geht’s richtig ab: Eigene Hüllkurven für Filter und Amp, knackig wie eh und je, und LFOs, die auch als Hüllkurven laufen können. FM zwischen den Oszillatoren, PWM, und jede Menge Möglichkeiten, den Sound zu verbiegen. Einziger Haken: Der Hochpass lässt sich nicht per LFO oder Hüllkurve modulieren – nur Modwheel oder Aftertouch helfen da weiter. Für die meisten klassischen und experimentellen Moves liefert der Artemis aber ordentlich ab.
Effektsektion: Mehr als nur ein Alibi

"It's as much about the effects as it is about the raw sound."
© Screenshot/Zitat: Timshoebridge (YouTube)
Hier zeigt der Artemis, was er kann: Die Effekte stammen direkt aus dem Typhon und sind ein echtes Brett. Vier Gruppen – Distortion, Modulation, Delay und Reverb – jeweils mit mehreren Algorithmen, von Standard bis total abgefahren. Tim sagt selbst, dass das eine der herausragenden Stärken ist, und er hat recht. Die Effekte sind nicht nur Deko, sondern machen aus dem Synth eine echte Klangwaffe.
Von verträumt bis rotzig-glitchy geht’s in Sekunden. Die Effekte sind digital, aber wen juckt’s, wenn sie so gut klingen? Wer Effekte sonst lieber im Rechner macht, könnte hier umdenken. Tim meint, die Effekte gehören genauso zur Identität wie der analoge Kern – und nach den Demos kann ich nur zustimmen. Aber: Die abgefahrenen Sounds muss man im Video erleben – Worte reichen da nicht.
Kein Mod-Matrix: Flexibilität auf Diät
Jetzt zum Elefanten im Rave-Bunker: Es gibt keine Modulationsmatrix. Tim nennt das den größten Schwachpunkt des Artemis – und das ist nicht übertrieben. LFOs oder Hüllkurven lassen sich nicht beliebig auf alle Parameter routen – was auf dem Panel steht, ist das, was geht. Hochpass per LFO modulieren? Fehlanzeige. Modwheel und Aftertouch können ein paar Umwege, aber das ersetzt keine echte Mod-Matrix.
Für Puristen, die ein direktes Interface lieben, ist das vielleicht kein Drama. Wer aber von flexiblen Synths kommt, spürt die Einschränkung. Das Menü ist simpel – eine Ebene, kein Labyrinth – aber Modular-Feeling gibt’s hier nicht. Für manche ein No-Go, für andere einfach Charakter. Überleg’s dir gut, bevor du das Konto plünderst.

"The Artemis doesn't have a mod matrix. There's nowhere in the menu system where you can choose an LFO or an envelope and say it's going to modulate the high pass filter cutoff, for example."
© Screenshot/Zitat: Timshoebridge (YouTube)
Preiskampf: Artemis gegen die Dreadbox-Familie

"To be honest with you, I see negativity over the cost of anything at the moment, and I think that's a real shame."
© Screenshot/Zitat: Timshoebridge (YouTube)
Reden wir über Geld, denn das tun eh alle. Der Artemis liegt im mittleren Preissegment, und Tim weicht der Diskussion nicht aus. Im Vergleich zum Nymphes kostet er fast das Dreifache – das sorgt für Gemecker. Doch im Vergleich zu anderen analogen Polysynths – vor allem Boutique- oder Flaggschiff-Modellen – wirkt der Preis plötzlich fair. Dreadbox hat für jeden Geldbeutel was: Nymphes für Sparfüchse, Artemis in der Mitte, Murmux Adept für die mit Goldkette (wenn man überhaupt einen findet).
Die Frage ist: Sind die Extras des Artemis – wie zwei VCOs, Effekte, Arpeggiator und polyphoner Sequencer – den Aufpreis gegenüber dem Nymphes wert? Das musst du selbst entscheiden. Tims Fazit ist ausgewogen: Er liebt Sound, Bedienung und Effekte, aber der Preis tut weh. Wer ein Dreadbox-Flaggschiff mit allem Drum und Dran will, sollte Artemis ernsthaft checken. Wer aufs Geld schaut, bleibt vielleicht lieber beim Nymphes – der ist auch nicht ohne.
Zum YouTube Video:
Latest articles
Zum YouTube Video:
https://www.youtube.com/TimShoebridge
Links von TimShoebridge:
Werbung – Partnerlinks:
Bei einem Kauf über die folgenden Links erhalten wir ggf. eine Provision – ohne Mehrkosten für dich. Der Link führt zu einer Amazon-Stichwortsuche. Je nach Verfügbarkeit können andere Treffer angezeigt werden.
🔗 Preis auf Amazon prüfen