HAINBACHs FBT Synther 2000: Kein Filter, keine Gnade

8. September 2026

JET

HAINBACHs FBT Synther 2000: Kein Filter, keine Gnade

HAINBACH zerrt den FBT Synther 2000 aus der Synth-Geschichte ins grelle Licht. Dieses italienische Kuriosum verzichtet auf Filter und Zurückhaltung zugunsten von drei ungezähmten Oszillatoren voller roher, kompromissloser Elektrizität. Vergiss sanfte Flächen oder höfliche Bläserklänge – hier herrscht Synth-Anarchie, und HAINBACHs trockener Stil passt perfekt zu einer Maschine, die nie gelernt hat, sich zu benehmen. Ob Museumsstück oder Punk-Lärmbox – du willst hören, wie sie schreit.

Kein Filter, keine Ausreden

Klartext: Der FBT Synther 2000 ist das Synth-Pendant zu einem Punk-Gig in einer abbruchreifen Kneipe – keine Filter, keine Spielereien, nur pure, widerspenstige Spannung. HAINBACH malt sofort das Bild eines Paralleluniversums, in dem Synths nicht versuchen, wie irgendetwas aus dem Orchestergraben zu klingen. 1973 entworfen von denselben Leuten, die auch für den legendär miesen Davoli Synth verantwortlich sind, tut der Synther 2000 nicht einmal so, als wäre er zivilisiert.

Statt einer klassischen Filtersektion gibt’s hier einen Oszillatorbank mit drei Oszillatoren und ein Schieberegister, das den Sound bis zur Unkenntlichkeit verbiegt. Die Bedienung ist schräg, das Konzept eher verrückter Wissenschaftler als höflicher Ingenieur – wer ein sicheres, normales Synth-Erlebnis sucht, ist hier falsch. Diese Maschine steht für rohe Kraft und Klangchaos, und HAINBACH fühlt sich sichtlich wohl dabei.

Synthesizer dort haben keine Filter und ahmen in keiner Weise natürliche Instrumente nach.

© Screenshot/Zitat: Hainbach (YouTube)

Tief und dreckig dröhnen

Wer zarte Streicher oder realistische Bläser will, kann gleich weitergehen. Die drei Oszillatoren des Synther 2000 spucken Drones und Bässe aus, so fett, dass sie Omas Teetassen sprengen könnten. Wenn HAINBACH die Dreieck- und Pulswellen anwirft, klingt das weniger nach Musikunterricht und mehr nach Kraftwerkskollaps. Ein Sound, der sich nicht entschuldigt – elektronisch, kehlig und herrlich ungehobelt.


Ein Blick auf den nie gegangenen Weg

Ich habe mich sofort in dieses Instrument verliebt, weil es so anders ist als all die anderen schönen Synthesizer hier.

© Screenshot/Zitat: Hainbach (YouTube)

Der Synther 2000 ist das Synth-Äquivalent einer seltenen Punk-7-Inch – eine Kuriosität, die kaum jemand kennt, die aber alles hätte verändern können. HAINBACH zeigt: Anders als die üppigen, akustikverliebten Synths der Ära weigert sich diese Kiste standhaft, irgendetwas anderes als sich selbst zu sein. Keine Presets für Hörner oder Celli, nur rohe Gewalt und der feste Wille, nicht dazuzugehören.

Seine Seltenheit macht ihn nur noch legendärer. Das Teil ist so rar, dass du eher ein Einhorn hinterm Dönerladen findest als einen Synther 2000 auf dem Gebrauchtmarkt. Doch wer ihn in die Finger bekommt, erlebt eine wilde Fahrt – und bekommt einen Vorgeschmack auf ein Paralleluniversum, in dem Synths für rohen Sound und Chaos gebaut wurden, nicht für höfliche Melodien.

Unkonventionelle Bedienung, ungefiltertes Chaos

HAINBACH macht, was jeder Lärmfreund tun würde – er dreht an jedem schrägen Regler und Modulationsweg, den der Synther 2000 zu bieten hat. Vergiss Standard-Hüllkurven und Modulationsroutings: Hier gibt’s ein Schieberegister, das jeden Oszillator einzeln verbiegen kann, eine Rauschquelle für metallisches Geklingel und Hüllkurven, die pro Oszillator zuweisbar oder geloopt werden können.

Dazu ein LFO, der an die Tastatur gekoppelt ist, und ein stufenloser Frequenzregler, der so präzise ist wie ein betrunkener Drummer – völlig unzähmbar, aber herrlich spaßig. Das Ergebnis? Diese Kiste glänzt bei dunklen, brutalen Elektroniksounds, und wie HAINBACH zeigt, spuckt sie Chiptune-Chaos, metallische Percussion und pure elektronische Gemeinheiten aus. Wer es brav mag, ist hier falsch. Wer will, dass die Lautsprecher nach Explosion klingen, ist goldrichtig.


Was wäre, wenn das die Zukunft gewesen wäre?

Wenn man HAINBACH dabei zusieht, wie er den Synther 2000 bändigt, fragt man sich: Was, wenn das Ding eingeschlagen hätte? Stell dir eine Welt vor, in der Synths für rohe, brutale Power gebaut wären, nicht für sanfte Flächen oder luftige Ambientsounds. Elektronische Musik hätte einen wilden, schrägen und wunderbar ungehobelten Weg nehmen können. Eines ist sicher: Nach diesem italienischen Rabauken siehst du Filter mit anderen Augen.

Pure, rohe, brutale Dinge, die für nichts Weiches oder Ambientes geeignet sind, sondern für unglaublich kraftvolle, dunkle elektronische…

© Screenshot/Zitat: Hainbach (YouTube)

Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/hainbachs-fbt-synther-2000-no-filter-no-mercy/
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