MAKEN0ISE und die Kunst der Klang-Taxonomie: Sounds organisieren mit dem Morphagene

21. August 2025

MILES

MAKEN0ISE und die Kunst der Klang-Taxonomie: Sounds organisieren mit dem Morphagene

In dieser neuesten Ausgabe aus dem Labor von MAKEN0ISE in Asheville dreht sich alles um das oft unterschätzte Handwerk, Klänge für modulare Workflows zu organisieren und zu kategorisieren. Inspiriert vom Tape-Musik-Klassiker von Terence Dwyer zeigt das Video, wie das Morphagene-Modul als modernes Tonband fungieren kann und uns dazu einlädt, unsere Sample-Bibliotheken neu zu denken. Es geht um Dauer, Klangfarbe und die kreativen Eigenheiten der Klangklassifikation – und um einen kollektiven Patch-Aufruf, der so offen ist wie der Make Noise-Ansatz selbst. Wer schon immer wissen wollte, wie man Sample-Chaos in musikalische Ordnung bringt, ist hier goldrichtig.

Morphagene: Das moderne Tonband

Das Video beginnt mit einem Verweis auf das Morphagene, das Flaggschiff-Modul von Make Noise zur Sample-Manipulation, als zeitgemäßes Werkzeug zur Organisation und Kategorisierung von Klängen in der elektronischen Musikproduktion. Das Design des Morphagene orientiert sich klar an der Tradition der Tape-Musik, bietet aber die zusätzliche Flexibilität digitaler Dateiverwaltung und Spannungssteuerung. Anders als beim mühsamen Sortieren physischer Tonbänder erlaubt das Morphagene das sofortige Springen zwischen Klängen und macht die Klangorganisation so direkter und experimenteller.

Dieser Ansatz basiert auf der Idee, dass eine gut organisierte Klangbibliothek nicht nur praktisch, sondern ein kreatives Werkzeug ist. Wer das Morphagene als digitales Tonband-Archiv versteht, kann Sample-Sammlungen kuratieren, die jederzeit bereit sind, manipuliert, geschichtet und transformiert zu werden. Das Video stellt dies als grundlegende Praxis für alle dar, die die Grenzen des modularen Samplings ausloten wollen – und bereitet damit den Boden für eine tiefere Auseinandersetzung mit der Kategorisierung und Nutzung von Klangmaterial.

Quite a bit of emphasis is given to the process of collecting sounds and categorizing them in a way that will make them easier to work with…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Tape-Musik-Weisheiten: Dwyers Kategorien neu betrachtet

Mit Bezug auf Terence Dwyers grundlegendes Buch über Tape-Musik zeigt das Video die anhaltende Relevanz klassischer Strategien zur Klangorganisation. Dwyers Methoden, entwickelt in einer Zeit, als Tonbänder das Hauptmedium waren, betonten die Bedeutung des Aufbaus und der Pflege von Klangbibliotheken – selbst wenn das Suchen und Vorhören damals noch viel Handarbeit bedeutete. Das Video macht deutlich, dass diese Prinzipien auch heute noch gelten, obwohl digitale Tools die Logistik erheblich erleichtert haben.

Im Zentrum von Dwyers Philosophie steht die Kategorisierung von Klängen nach Dauer und Klangfarbe. Während Module wie das Morphagene beispiellose Kontrolle über Wiedergabe und Manipulation bieten, bleibt das Bedürfnis, Klänge durchdacht zu sortieren und zu beschriften, bestehen. Das Video versteht dies als Brücke zwischen historischer Tape-Praxis und den spannungsgesteuerten Workflows heutiger Eurorack-Systeme.


Shorts, Longs, Fades und Tremolos: Die Bausteine

This is something that we have certainly experienced when using small loops in morphagene and time stretching and so forth.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Das Herzstück des Videos ist die Aufschlüsselung von Dwyers vier Hauptkategorien: kurze Klänge, lange Klänge, ausklingende Klänge und Tremolos. Kurze Klänge sind flüchtige Ereignisse – etwa Hammerschläge oder Trommelhits – während lange Klänge mindestens eine halbe Sekunde anhalten, wie Geigennoten oder fließendes Wasser. Ausklingende Klänge beginnen mit einem deutlichen Anschlag und verklingen sanft, wie ein Klavier oder ein Becken, und Tremolos sind schnell wiederholte Texturen, etwa ein Trommelwirbel oder klappernde Streichhölzer.

Diese Kategorien sind keineswegs nur Theorie, sondern haben praktische Bedeutung fürs Patchen und Komponieren. Das Video betont, dass viele Klänge durch Wiederholung oder Bearbeitung von einer Gruppe in eine andere überführt werden können und dass Tremolos oft spannender wirken als statische lange Töne. Für Morphagene-Nutzer können diese Unterscheidungen helfen, Samples gezielt zu schneiden, zu loopen und zu sequenzieren – und so neue kreative Wege im modularen Sounddesign zu eröffnen.

Ein Aufruf zur kollektiven Klanggestaltung

Ganz im kollaborativen Geist von Make Noise lädt das Video die Community ein: Reicht eigene Klänge ein, versehen mit einer Beschreibung ihrer möglichen musikalischen Verwendung. Dieser partizipative Ansatz erinnert an die kollektive Atmosphäre früher Tape-Musik-Studios, in denen das Teilen und Katalogisieren von Klängen Teil des kreativen Prozesses war. Im Video werden verschiedene von Nutzern eingereichte Samples vorgestellt, jeweils mit Hinweisen auf ihre potenzielle Rolle im Patch oder Stück.

Für Mitwirkende gibt es praktische Hinweise zu Dateiformat, Benennung und Dokumentation im geteilten Spreadsheet. Im Vordergrund stehen Vielfalt und Experimentierfreude – es gibt keine Strafe für doppelte Klangtypen, sondern nur die Ermutigung, das gesamte Spektrum auszuloten. Es ist eine offene Einladung, Teil einer lebendigen, sich entwickelnden Klangbibliothek zu werden, die von der kollektiven Vorstellungskraft der Modular-Community geprägt ist.

Really looking forward to see where this sound project goes next and just how many of these different sound types we can create from still…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Individualität und die transformative Kraft des Klangs

What is of paramount importance is that each sound shall fascinate by its effectiveness and individuality.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Das Video schließt mit Überlegungen zur künstlerischen Individualität jedes Klangs und dessen Verwandlungspotenzial im modularen Kontext. Wieder mit Dwyer als Bezugspunkt wird betont, dass der wahre Wert eines Klangs in seiner Wirksamkeit und Einzigartigkeit liegt – nicht darin, wie sehr er konventionellen musikalischen Normen entspricht. Gerade das Morphagene, das Klänge morphen, stretchen und neu organisieren kann, macht dieses Prinzip erfahrbar und lässt selbst das simpelste Sample zu etwas völlig Neuem werden.

Letztlich wird das Organisieren und Kategorisieren von Klängen nicht als Einschränkung, sondern als Sprungbrett für Kreativität verstanden. Wer die Eigenheiten jedes Samples annimmt, kann unerwartete musikalische Ergebnisse entdecken. Im Make Noise-Kosmos ist Individualität nicht nur erlaubt, sondern wird als Essenz elektronischer Musik gefeiert.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/maken0ise-and-the-art-of-sonic-taxonomy-organizing-sounds-with-morphagene/
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