In Sam Gutmans neuester Erkundung tauchen wir ein in das neblige Reich von Noisy 2.6 – ein Physical-Modeling-Synth, der unmögliche, greifbare Klänge erschafft. Sam, immer der Klangkartograf, lädt uns ein, durch Glas-Saiten und kathedralengroße Resonatoren zu treiben und zeigt, wie dieses Instrument weit über bloße Nachahmung hinausgeht. Hier ist Klang sowohl Geist als auch Skulptur, und mit jeder Geste auf einem MPE-Controller entfaltet sich eine neue Welt. Diese Reise ist weniger eine Demonstration als vielmehr ein Durchgang durch die spektrale Architektur synthetischer Resonanz.

24. Juli 2026
LUMINA
Resonante Alchemie: Sam Gutman taucht ein in die Klangwelten von Noisy 2.6
Unmögliche Objekte: Noisy 2.6 und die Kunst des Unwirklichen
Noisy 2.6 ist nicht dazu da, ein Konzertflügel zu imitieren oder die Erinnerung an ein Cello hervorzurufen. Stattdessen ist es ein Gefäß, um Klangformen zu erschaffen, die nie existiert haben – eine Glas-Saite, die im Äther zittert, eine Gummiglocke, die im Traumraum widerhallt, ein kathedralengroßer Resonator, verbunden mit einer gezupften Feder. Sam Gutman führt uns durch diese Landschaft und betont, dass Noisy 2.6s Ansatz des Physical Modeling eher explorativ als imitierend ist. Resonanz wird hier zum Spielplatz für unmögliche Texturen, jeder Klang besitzt eine geisterhafte Realistik und bleibt doch losgelöst vom Bekannten.
Was Noisy 2.6 besonders macht, ist die Verflechtung von Physical Modeling mit anderen Syntheseformen: subtraktive Analogtechnik, FM, Wavetable. Das Ergebnis ist keine perfekte Nachahmung, sondern eine neue Klanggattung – unvorhersehbar, lebendig und schimmernd mit der Illusion von Substanz. Der Synth formt Rauschen durch mathematische Resonatoren und gestaltet jeden Ton zu etwas, das aufblüht und vergeht wie Licht, das durch Nebel gebrochen wird.

"Es geht darum, unmögliche Objekte zu erschaffen – eine Glas-Saite, eine Gummiglocke, einen Resonator von der Größe einer Kathedrale, verbunden mit einer gezupften Feder."
© Screenshot/Zitat: Samgutman (YouTube)
MPE: Die Nebel berühren

"Controller wie der Osmose und der Seaboard ermutigen dich bereits, mit dem Patch auf eine physische, gestische Art zu interagieren."
© Screenshot/Zitat: Samgutman (YouTube)
Die wahre Magie von Noisy 2.6 entfaltet sich im Zusammenspiel mit einem MPE-Controller wie dem Expressive E Osmose. Diese Instrumente, geschaffen für gestisches Spiel, werden zu Kanälen für taktile Ausdruckskraft. Jeder Zupfer, jedes Kratzen und Streichen sendet Wellen durch die virtuellen Resonatoren des Synths und lässt das Spielgefühl unheimlich physisch erscheinen. Anschlagstärke und Druck modulieren nicht einfach Samples – sie beleben das harmonische Gewebe selbst und spiegeln die nuancierte Reaktion akustischer Instrumente wider.
Sam macht deutlich, dass dieses Gefühl schwer per Video zu vermitteln ist. Die taktile Unmittelbarkeit – wie jede Bewegung den Klang in Echtzeit formt – lädt dazu ein, im Instrument zu treiben, statt es nur zu bedienen. Das Ergebnis ist ein reaktionsschnelles, lebendiges System. Töne pulsieren mit magnetischer Resonanz, jede Berührung lässt ein einzigartiges Klangereignis aufblühen und macht die Grenze zwischen Spieler und Maschine durchlässig und lebendig.
Im Inneren der Maschine: Resonatoren, Layer und Ausdruck enthüllt
Schicht für Schicht nimmt uns Sam mit durch die Architektur von Noisy 2.6 – eine Struktur so komplex wie eine Kathedrale aus Echos. Rauschen dient als ursprünglicher Nebel, mit über dreißig Varianten zur Auswahl, jede davon wird von bis zu drei Resonatoren verarbeitet. Diese Resonatoren sind keine statischen Filter, sondern dynamische Modelle, die bestimmen, wie Frequenzen schimmern, verklingen oder kollidieren. Die Materialien werden gewählt, geformt und mit Engines wie Additiv, Wavetable, analog subtraktiv und FM verflochten. Zwei unabhängige Layer vervielfachen die Möglichkeiten und erlauben parallele Klangwelten: eine reagiert auf Aftertouch, die andere auf jede subtile Tastenbewegung.
Das Interface lädt auf jeder Ebene zum Formen ein: Mixer, Filter, LFO und eine mächtige Effektkette – jeder Parameter ist bereit, durch Gesten gebogen zu werden. Zwei Lautstärkehüllkurven pro Layer, eine traditionell, eine kontinuierlich dem Tastendruck folgend, sorgen für eine nuancierte Reaktion auf jede Berührung. Die Synthese-Engines, LFOs, Filter und Effekte sind alle für expressive Zuordnung offen und machen jede Performance zu einer dynamischen, sich entwickelnden Klanglandschaft. Der technische Rundgang ist bewusst gehalten, lässt aber vieles unausgesprochen – die Texturen und Bewegungen darin erlebt man am besten mit Händen auf den Tasten und offenen Ohren.

"Ein Resonator ist im Grunde ein mathematisches Modell, das sagt: 'Wenn Energie in mich eintritt, so schwinge ich.'"
© Screenshot/Zitat: Samgutman (YouTube)
Neue Horizonte: Effekte, Presets und das lebendige Instrument
Mit dem neuesten Update erweitert Noisy 2.6 seine Palette – neue Effekte, mehr Resonatoren und ein Ozean aus 1.400 frischen Presets warten auf Klangforscher. Es entsteht ein Gefühl des Ankommens, ein Moment, in dem das Instrument besonders lebendig und einladend wirkt. Jetzt ist die Zeit, in diese Welt einzutauchen, mit der eigenen Berührung Klangwolken zu beschwören und das Unmögliche zu formen.
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