ROLI Airwave: Räumliche Expression für moderne Controller-Fans

7. Dezember 2024

LYRA

ROLI Airwave: Räumliche Expression für moderne Controller-Fans

ROLIs Airwave ist kein gewöhnlicher MIDI-Controller. In diesem offiziellen Walkthrough demonstriert Marcus Levy-Chance, Sound Design & Innovation Manager bei ROLI, wie Airwave mit zwei Infrarotkameras und fortschrittlichem Handtracking Gesten in ausdrucksstarke Klangsteuerung verwandelt. Das Video führt durch den Hardware-Aufbau, die komplette Suite der Air Gestures und zeigt, wie Airwave sowohl mit ROLIs eigenen Instrumenten als auch mit Drittanbieter-MIDI-Keyboards integriert werden kann. Wer sich für räumliche Steuerung, MPE-Workflows oder einfach für eine neue Dimension im Performance-Setup interessiert, bekommt hier einen tiefen Einblick in die Architektur und das kreative Potenzial von Airwave.

Airwave kennenlernen: Eine neue Dimension der Expression

ROLI stellt den Airwave als Controller vor, der die expressive Klangsteuerung auf ein neues Level hebt. Im Kern nutzt Airwave zwei Infrarotkameras, um 27 Gelenke pro Hand in Echtzeit zu erfassen – eine Hardware-Basis, die weit über klassische MIDI-Fader oder XY-Pads hinausgeht.

Das Video startet mit einem schnellen Rundgang über die Hardware: USB-C für Daten und Strom, Audioausgang und Sustain-Pedal-Eingang. ROLIs Fokus auf nahtlose Integration ist klar erkennbar: Airwave funktioniert sowohl als eigenständiger Controller als auch als Ergänzung zu ROLIs eigenen Seaboard- und Piano M-Keyboards. Besonders der Sustain-Port ermöglicht volle beidhändige Expression, selbst wenn das Keyboard keinen eigenen Sustain-Eingang besitzt.

Dual-Infrarotkameras sind in der Lage, 27 verschiedene Gelenke in jeder Hand zu verfolgen.

© Screenshot/Zitat: Weareroli (YouTube)

Handtracking und MIDI: Das Innenleben

Das fortschrittliche Handtracking ist das Herzstück von Airwave. Das System erfasst Bewegungen mit 90 Bildern pro Sekunde und überträgt selbst feinste Gesten reaktionsschnell. Diese Daten werden auf sogenannte ‚Dimensionen‘ gemappt, die jeweils einem MIDI-CC-Wert entsprechen und in Airwave Player oder kompatibler Software beliebig zuweisbar sind.

Das Setup mit ROLI-Instrumenten ist unkompliziert. Im Video wird der Anschluss von Seaboard und Piano M gezeigt – letzteres profitiert von magnetischen Ports und einer Ein-Kabel-Datenverbindung. Das Sustain-Pedal kann direkt über Airwave geführt werden, sodass volle Ausdruckskraft unabhängig von der nativen Konnektivität des Keyboards möglich ist.

Nach dem Anschluss lassen sich Gesten beliebigen Klangparametern zuweisen. Die Flexibilität des Systems ist offensichtlich: Jede Geste kann auf jeden MIDI-steuerbaren Parameter gemappt werden – das eröffnet enorme kreative Möglichkeiten für Studio und Bühne.


Air Gestures im Detail: Von Raise bis Grasp

Wir betrachten dies als die primäre Dimension bei der Klangsteuerung.

© Screenshot/Zitat: Weareroli (YouTube)

Das Video stellt systematisch die Suite der Air Gestures vor, die jeweils einen anderen Aspekt des Klangs steuern. Air Raise, die primäre Geste, koppelt vertikale Handbewegungen an drastische Veränderungen wie Filter-Cutoff und bietet unmittelbare, taktile Kontrolle. Air Tilt fügt eine weitere Ebene hinzu: Durch das Ausdrehen der Hände werden Modulationen oder Vibrato eingeführt, wobei Werte von 0 % bis 100 % erfasst werden.

Air Glide ermöglicht seitliche Bewegungen über den Tasten, um alternative Voicings oder Effekte zu triggern, während Air Slide Vor- und Zurückbewegungen in Parameteränderungen übersetzt – etwa das Absenken einer Chorschicht um eine Oktave. Air Flex, durch das Herunterbeugen der Hände, bringt Effekte wie granulare Delays oder schimmernde Layer ins Spiel. Air Grasp schließlich nutzt das Ballen der Faust, um Noten abzuschneiden oder die Lautstärke zu reduzieren – ideal für staccatoartige Spieltechniken.

Architektonisch hervorzuheben ist das per-Hand-Tracking und die Priorisierungslogik: Das System nimmt stets den höchsten Wert pro Dimension, sodass beide Hände unabhängig gesteuert werden können. In Drittanbieter-Software werden die Gesten jeder Hand als separate MIDI-CCs gesendet – bis zu zehn gleichzeitige Zuweisungen und hochkomplexe Modulationsszenarien sind so möglich.

Integration: ROLI-Ökosystem und mehr

Airwave ist auf Flexibilität ausgelegt und arbeitet nahtlos mit ROLIs eigenen Instrumenten wie auch mit Drittanbieter-MIDI-Keyboards. Das Video zeigt die DAW-Kompatibilität: Alle Air-Dimensionen werden als Standard-MIDI-CCs übertragen und lassen sich nachträglich aufnehmen und editieren. Damit eignet sich Airwave sowohl für Live-Improvisation als auch für detaillierte Studioarbeit.

Alle Airwave-Sounds basieren auf MPE und sind somit voll kompatibel mit den fünf Touch-Dimensionen und Makro-Zuweisungen des Seaboard. Wer bereits ein MIDI-Keyboard besitzt, kann mit Airwave sofort räumliche Kontrolle und Ausdruck hinzufügen – ohne den Workflow grundlegend zu ändern.


Visuelles Feedback: Bewegung trifft Klang

Ein zentrales Element des Airwave-Workflows ist das visuelle Feedback im Airwave Player. Lichteffekte an den Fingerspitzen visualisieren in Echtzeit, welche Noten gespielt und welche Dimensionen gesteuert werden. Das erleichtert nicht nur das Verständnis der Zuordnung von Geste zu Klang, sondern verstärkt auch das physische Spielgefühl.

Durch die Verknüpfung visueller Hinweise mit Handposition und gehaltenen Noten wird es für Performer einfacher, komplexe Mappings zu verinnerlichen und Muskelgedächtnis zu entwickeln. Das Ergebnis: ein intuitiveres und immersiveres Kreativerlebnis – besonders für Einsteiger in räumliche oder gestische Steuerung.

Es sorgt einfach für eine kohärente Verbindung zwischen dem, was man spielt, was man in der Luft ausdrückt, und gibt zudem ein schönes…

© Screenshot/Zitat: Weareroli (YouTube)

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/roli-airwave-spatial-expression-for-the-modern-controllerist/
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