Starsky Carr – 3rd Wave Terminal: Mehr Durchblick für tiefe Patches

29. Oktober 2026

RILEY

3rd Wave Terminal: Mehr Durchblick für tiefe Patches

Bob Coover will die Modulation zeigen – und erwischt erst einmal einen Patch ohne Modulation. Also einen anderen laden und weiter. Der kleine Umweg passt zur großen Frage dieser Vorführung: Wie behält man bei einem derart vielseitigen Instrument den Überblick? In seinem am 28. Oktober 2026 veröffentlichten Synthfest-UK-Video überlässt Starsky Carr die Erklärung dem Mann von Groove Synthesis. Dessen Werkzeug dafür heißt 3rd Wave Terminal, eine Kombination aus Librarian und Editor.

Keine neue Klangmaschine, ein anderer Zugriff

Starsky Carr – Synthfest | UK - 3rd Wave Librarian and Editor

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Auf dem Laptop erscheint der Sequenzer als Piano-Roll. Noten lassen sich laut Coovers Vorführung einzeichnen und bearbeiten, statt eine musikalische Idee ausschließlich über die Hardwarebedienung zurechtzurücken. Entscheidend ist seine Einordnung: Der Sequenzer war bereits vorhanden. Terminal soll hier nicht das Instrument funktional aufblasen, sondern den Umgang damit erleichtern. Ein erfreulich unaufgeregtes Versprechen.

Viele Regler, trotzdem Suchwege

Carr kennt die andere Seite dieser Bedienfrage. In seinem großen Review vom Juli 2024 führt er vor, wie ein Reglergriff unmittelbar die passende Displayseite öffnet. Vieles liegt direkt unter den Fingern; für tieferes Programmieren braucht es dennoch Bildschirm, kontextabhängige Regler und Taster. Carr beschreibt das so:

Diese Automatik hat für ihn auch eine Kehrseite: Verlässt er beim Multisample-Bearbeiten durch eine Parameteränderung die Verwaltungsseite, muss er anschließend wieder dorthin zurücksuchen. Beim damaligen Sequenzer beschreibt er außerdem, keinen Weg zum Löschen einzelner Noten gefunden zu haben. Das sind Beobachtungen seines damaligen Reviews, keine Prüfung der heutigen Hardwarebedienung. Sie machen aber verständlich, weshalb eine zusätzliche grafische Arbeitsfläche mehr sein kann als Bildschirmkosmetik.

Starsky Carr – 3rd WAVE // THE BIG REVIEW.. EVERYTHING you need to know

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Die Hände wollen trotzdem spielen

Sam Gutman – The BEST Synth for Sound Design ~ Groove Synthesis 3RD WAVE

© Screenshot/Zitat: Sam Gutman (YouTube)

Sam Gutman setzt in seinem Beitrag vom Februar 2025 einen anderen Schwerpunkt. Er lobt den unmittelbaren Zugriff auf Filter, Hüllkurven und LFOs; etwas Menüarbeit beim Zuweisen von Modulation akzeptiert er. Groove Synthesis hatte ihm das Instrument für die Erprobung und das Video zur Verfügung gestellt, wie er offenlegt. Sein Maßstab bleibt dabei ausgesprochen musikalisch:

Wie viel hinter solchen Griffen stecken kann, zeigt sein Patch Sine of the Times: Acht unterschiedlich gestimmte Sinuswellen bilden eine Art Obertonreihe, deren Pegel LFOs mit verschiedenen Geschwindigkeiten bewegen. Das Modulationsrad ergänzt unterschiedlich schnelles Vibrato für hohe und tiefe Töne. Solche Patches möchte man spielen, nicht bloß verwalten. Der Bildschirm muss die Regler also keineswegs verdrängen.

Sehen, was den Klang bewegt

Terminal ergänzt dazu die Übersicht. Coover spielt eine Note und zeigt die laufenden Wavetable-Bewegungen zweier Wave-Hüllkurven. Anschließend legt er eine Modulation an und erklärt, dass sich Verbindungen auch als Patchkabel darstellen lassen. Bei den von ihm genannten 128 Modulationszielen ist das ein handfester Orientierungsgedanke. Den Parameterüberblick hält er besonders bei 8M und Modul für hilfreich; beim Keyboard sei er weniger nötig.

Anschaulich wird es auch beim eigenen Klangmaterial: Coover zieht Audio vom Desktop herein, wählt Stellen darin aus und erzeugt daraus eine Wavetable. Im Sample-Bereich verändert er Loop-Punkte und Crossfade und beschreibt die Übertragung zum Synthesizer. Das sind konkrete Arbeitsschritte, bei denen eine grafische Fläche plausibel hilft – nicht bloß eine hübschere Preset-Liste.

Laut Coover ist die App nach Registrierung für Keyboard, 24-stimmiges Modul und 8M kostenlos. Voraussetzung ist das aktuelle Synthesizer-OS. Den ebenfalls demonstrierten Shimmer-Reverb ordnet er diesem OS zu – nicht dem Editor. Diese Trennung ist wichtig: Eine bequemere Oberfläche und neue Klangfunktionen der Firmware sind zwei verschiedene Dinge.

Starsky Carr – Synthfest | UK - 3rd Wave Librarian and Editor

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Gutmans wandernde Obertöne erinnern daran, wofür sich der Aufwand lohnt: für einen Klang, der unter den Händen lebendig wird. Wenn eine übersichtlichere Arbeitsfläche dazu ermutigt, die nächste eigene Idee tatsächlich auszuprobieren, ist auch ohne zusätzliche Synthese schon einiges gewonnen.

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/3rd-wave-terminal-more-clarity-for-deep-patches/