AudioPilz gräbt den Waldorf microQ aus: Die 2000er sind zurück, ob du willst oder nicht

16. Mai 2026

JET

AudioPilz gräbt den Waldorf microQ aus: Die 2000er sind zurück, ob du willst oder nicht

Vergiss deine verklärte 90er-Nostalgie – AudioPilz zieht uns mit dem Waldorf microQ, einem Synth so gelb wie ein dubioser Dönerwagen und mindestens genauso polarisierend, knallhart in die frühen 2000er. In klassischer Bad Gear-Manier schneidet Florian Pilz durch das Marketing-Geschwafel und kommt direkt zum digitalen Kern, macht sich über die Macken des microQ lustig und entdeckt dabei seinen rohen, aggressiven Charme. Hier gibt’s unbequeme Wahrheiten, scharfen Witz und Sounds, die deiner Oma die Tapete von der Wand pellen. Wer glaubt, Synth-Geschichte dreht sich nur um analoge Wärme, bekommt hier eine kalte Ohrfeige aus der Rave-Ära. Ohrstöpsel rein und abtauchen!

Die vergessene gelbe Kiste

AudioPilz startet mit seinem typischen, respektlosen Humor und zeichnet das Bild eines Synths, der im Schatten der 90er-Nostalgie Staub angesetzt hat. Der Waldorf microQ, geboren am Beginn der DAW-Revolution, wird als Relikt einer Zeit dargestellt, in der Musiktechnik-Manager zu beschäftigt waren, halbgare Reissues zu verkaufen, um den digitalen Umschwung zu bemerken. Ein Synth, der schon bei seiner Veröffentlichung etwas angestaubt war, aber irgendwie der Reissue-Geldmacherei anderer Jahrzehnte entkommen ist.

Das Geniale ist, wie AudioPilz sowohl Gen X-Raver als auch trancehungrige Zoomer aufs Korn nimmt und feststellt, dass niemand wirklich Schlange steht, um dieses schräge Teil zu kaufen. Das knallgelbe Gehäuse mag 90er-Fans anlocken, aber wie das Video klarstellt, zählen die inneren Werte – und die sind schräg, wild und einen genaueren Blick wert, auch wenn die Synth-Welt die frühen 2000er am liebsten vergessen würde.

Dieser virtuelle Analogsynth wurde während des Aufkommens der DAW-Revolution der frühen 2000er ins Leben gerufen.

© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)

Oszillatoren, Wavetables und Matrix-Wahnsinn

Unter der Haube legt AudioPilz die Architektur des microQ mit einer Mischung aus Bewunderung und Seitenhieb offen. Es gibt drei Oszillatoren, klassische VA-Wellenformen und ein paar Wavetables, die von den originalen Qs geklaut wurden. Sogar ein Suboszillator ist dabei – aber wer auf Drehregler für jede Funktion hofft, wird enttäuscht: Hier heißt es Menü-Tauchen und Matrix-Gefrickel, mehr Mikrowellen-Programmierung als Minimoog-Jam.

Trotzdem mangelt es dem microQ nicht an Klangoptionen. FM, Sync, Ringmod und Noise sind alle am Start, wenn man sich die Finger schmutzig machen will. Die Modulationssektion ist ein echtes Kaninchenloch: vier komplexe Hüllkurven, drei LFOs, die bis in den Audiobereich kreischen, und eine Modmatrix, so tief wie eine durchzechte Nacht im Pub. Wer’s einfach mag, rennt schreiend davon – wer Sounds bis zur Unkenntlichkeit zerlegen will, ist hier goldrichtig.


Filter mit Biss (und chemischem Nachgeschmack)

Kammfilter-Varianten, verantwortlich für einen Anstieg der Hörgeräteverkäufe im 21. Jahrhundert.

© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)

Kommen wir zu den Filtern – dem Bereich, wo die meisten VA-Synths gnadenlos versagen. Nicht so der microQ. AudioPilz hebt das Dual-Filter-Array hervor, das seriell oder parallel geschaltet werden kann, aber auf die ausgefuchsten Zwischenstufen der großen Geschwister verzichtet. Es gibt digitale 12- und 24-dB-Modelle sowie Kammfilter, die dir die Ohren klingeln lassen wie nach einer Nacht im illegalen Ravekeller.

Hier will niemand analog klingen – und genau das macht den Reiz aus. Die Filtersweeps haben einen chemischen Beigeschmack, der noch lange nachhallt, und die Höhen knallen ordentlich. Wer Wärme sucht, ist hier falsch. Wer einen Synth will, der sich wie eine zerschlagene Flasche durch den Mix schneidet, findet im microQ einen echten Kumpel.

Jams aus dem digitalen Dungeon

AudioPilz bleibt nicht bei der Theorie – er lässt den microQ in mehreren Jams von der Leine und zeigt, was das Teil draufhat. Von Preset-Rave-Stabs bis zu Downtempo-Grooves spuckt der microQ Sounds aus, die kompromisslos digital und herrlich frech sind. Hier will niemand analog sein, und das Ergebnis sind Klänge, die gleichzeitig nostalgisch und überraschend frisch wirken.

Die Drums sind eine echte Überraschung – druckvoll, schräg und perfekt für alle, die ihre Beats gerne etwas abseitig mögen. Die Multitimbralität und sechs Ausgänge machen den microQ zur Geheimwaffe für chaotische Layerings, und die Presets sind, wie AudioPilz sagt, „unironisch großartig“. Die Jams muss man gehört haben – das Video zeigt, wo der digitale Hammer wirklich hängt.


Reissue-Roulette: Kommen die 2000er dran?

Im typischen Bad Gear-Stil geht es im Finale nicht nur um den Synth, sondern auch um die Nostalgie-Industrie und den endlosen Reboot-Wahnsinn. AudioPilz fragt sich, ob der microQ oder überhaupt irgendwas aus den frühen 2000ern reif für ein zynisches Reissue ist. Die Antwort? Eher nicht. Der microQ lebt in kostenlosen DSP-Emulationen weiter, und die Chance, dass ein großer Hersteller hier nochmal abkassiert, ist gering – es sei denn, ein gelangweilter Milliardär kauft den ganzen Laden auf.

Es gibt einen frechen Seitenhieb auf die üblichen Verdächtigen – Roland, Alesis, sogar Christoph Kemper – und die Erinnerung, dass manches besser in der Vergangenheit bleibt. Für alle, die auf rohen, aggressiven Digitaldreck stehen, ist der microQ aber der Beweis, dass Synth-Nostalgie nicht immer warm und kuschelig sein muss. Manchmal hält gerade die kalte, harte Kante alles spannend.

Diese alexandrinische Bibliothek von späten 90er-Rave-Jams ist nicht nur zu erstaunlich günstigen Preisen als Rack- und Keyboard-Version…

© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/audiopilz-digs-up-the-waldorf-microq-the-2000s-are-back-like-it-or-not/
Zum YouTube Video:


Zum YouTube Video: