David Hilowitz Music – M-VAVE FM-1: Die Community schreibt den Klang neu

8. November 2026

LUMINA

M-VAVE FM-1: Die Community schreibt den Klang neu

David Hilowitz hat sich einen zweiten FM-1 gekauft. Nicht als Reserve: Auf dem pinken soll Bod Girls Firmware bleiben, der orange ist für Experimente vorgesehen. In seinem am 7. November 2026 veröffentlichten Video erzählt diese Aufteilung bereits viel über den kleinen M-VAVE. Ein Gehäuse muss offenbar nicht mehr auf Dauer dasselbe Instrument beherbergen.

Nicht jede Firmware will eine Groovebox sein

David Hilowitz Music – FM-1: Amazing things are happening with this little synth

© Screenshot/Zitat: David Hilowitz Music (YouTube)

Hilowitz interessiert sich hörbar für musikalische Eigenarten statt bloß für längere Featurelisten. Grimm nutzt er nach eigener Aussage für eine Sample-Library mit gruseligen Synth-Klängen. AMB-1 stellt er dagegen als generatives, von Brian Enos „Music for Airports“ inspiriertes Instrument vor. Noten lassen sich aktivieren und deaktivieren, Skalenmodi auswählen. Der reizvolle Perspektivwechsel: Man gibt der Musik einen harmonischen Rahmen, statt jede Note selbst zu setzen.

Mit Choral Flower, lose vom Orchid von Telepathic Instruments inspiriert, nimmt er eine kleine Sequenz auf und spielt sie wieder ab. Dabei bleibt er angenehm präzise: Seine Begeisterung ist kein Nachweis für die Nähe zum Vorbild.

Erst selbst erschlossen, dann offiziell unterstützt

Den Anfang dieser Verwandlungen beschreibt Hilowitz anhand von Bod Girls Arbeit: Fehler der ursprünglichen FM-Engine beheben, eine eigene Synthese-Engine ergänzen, die Oberfläche überarbeiten. Später kam mit Falluca eine kostenlose Open-Source-Firmware hinzu, auf deren Code andere Entwickler aufbauen konnten. Aus einzelnen Umbauten wurde damit eine Grundlage für weitere Instrumente.

Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Laut Hilowitz erschloss die Community das Gerät zunächst per Reverse Engineering, unterstützt von KI-Werkzeugen. M-VAVE lieferte erst danach ein offenes SDK und eine veränderbare Firmware. Ein SDK bündelt Bibliotheken und Dokumentation für eigene Programme. Der Hersteller unterstützt damit einen Weg, den die Nutzer zunächst selbst finden mussten – ein stärkeres Signal als bloßes Gewährenlassen.

David Hilowitz Music – FM-1: Amazing things are happening with this little synth

© Screenshot/Zitat: David Hilowitz Music (YouTube)

Mehr Auswahl ist noch keine neue Idee

Blairy's Beatlab – THE SYNTH REVOLUTION WILL BE TELEVISED   Mvave Fm1 and BEYOND!!

© Screenshot/Zitat: Blairy's Beatlab (YouTube)

Blair von Blairy's Beatlab beschäftigt allerdings nicht nur die Menge des Nachschubs. In „THE SYNTH REVOLUTION WILL BE TELEVISED“ vom 17. Oktober begrüßt er originelle Firmware-Projekte, bemerkt aber auch zunehmende Ähnlichkeiten. Ihn reizt das ungenutzte Potenzial eigenständiger Synthesizer und neuer Syntheseideen. Das ist die produktive Gegenfrage zum Firmware-Boom: Entstehen andere musikalische Möglichkeiten – oder immer neue Varianten derselben Komplettausstattung?

Die eigene Groovebox darf trotzdem sein

Am 23. Oktober zeigt Blair dann ausgerechnet eine eigene Groovebox im Rohbau. Der Unterschied liegt im Anspruch: Er will keine fremde Arbeitsweise lernen, sondern seine eigene umsetzen. Mit Claude als Programmierhilfe entwickelt er vier Spuren, größere Bedienelemente auf dem Display und Punch-in-Makros. In der Vorführung schickt er Klänge in Hall und Delay und bearbeitet die Kickdrum. Hier wird Klanggestaltung zur Frage, welche Eingriffe unter den Fingern liegen sollen.

Die Demonstration ist kein Hochglanzbeweis müheloser KI-Entwicklung. Blair erreicht das Makro-Limit, kämpft mit Bugs und entdeckt eine Bedienreihenfolge, die er ändern möchte. Gerade diese Reibung macht den Beitrag interessant: Zwischen einem schnell erzeugten Entwurf und einem Instrument, das auf musikalische Gesten verlässlich antwortet, liegt Arbeit.

Blairy's Beatlab – The Mvave Fm1 Broke my BRAIN!!! I'll never buy a REAL synth again!!

© Screenshot/Zitat: Blairy's Beatlab (YouTube)

Hilowitz möchte eine gefundene Klangwelt behalten und daneben weiterforschen. Blair möchte das Instrument selbst formen. Darin liegt die musikalische Stärke dieser Öffnung: Sie lässt beides zu. Nicht jeder muss Firmware schreiben. Aber welche Musik in der kleinen Box möglich wird, entscheidet nicht mehr allein der Hersteller.

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/m-vave-fm-1-the-community-rewrites-the-sound/