Make Noise MultiMod: Umlaufbahnen, Abstraktionen und achtfache CV-Action

27. März 2025

MILES

Make Noise MultiMod: Umlaufbahnen, Abstraktionen und achtfache CV-Action

Make Noise, die aus Asheville stammenden Tüftler für modulare Kuriositäten, schicken mit dem MultiMod ein Modul ins Rennen, das gängige Metaphern kurzerhand aus dem Rack wirft und stattdessen auf Planetenbahnen und abstrakte Signalchoreografien setzt. Im aktuellen Video führt das Make Noise-Team durch die Möglichkeiten des MultiMod, mehrere Steuerspannungen gleichzeitig zu erzeugen und zu manipulieren – und verlässt dabei die üblichen Tape-Loop- und Buffer-Vergleiche zugunsten eines kosmischeren Ansatzes. Mit acht unabhängigen Ausgängen, variablen Geschwindigkeiten und einer Palette an Shape-Optionen wird das Modul zum Spielplatz für alle, die ihr Eurorack als Sonnensystem der Modulation begreifen. Wer ein Werkzeug sucht, das analytisches Patchen und musikalische Intuition gleichermaßen fördert, sollte hier auf Umlaufbahn gehen.

Acht Wege: Der MultiMod als simultaner Signalspielplatz

Der MultiMod wird als Modul vorgestellt, das unsere Vorstellung von Steuerspannungsverarbeitung herausfordert. Anstatt bei den vertrauten Metaphern von Tape-Loops oder Buffern zu bleiben, positioniert Make Noise den MultiMod als etwas Unmittelbares und Lebendiges, das acht verschiedene Signale aus einer Quelle generieren kann. Jeder Ausgang arbeitet unabhängig und bietet eine Komplexität, die über bloße Duplikation oder Delay weit hinausgeht.

Im Video betont das Team die intuitive Kontrolle, die der MultiMod über diese Ausgänge ermöglicht. Es geht nicht nur darum, ein Signal zu vervielfachen – vielmehr erhält man direkten, haptischen Einfluss darauf, wie sich jeder Ausgang verhält, und kann so sich entwickelnde, miteinander verbundene Modulationen erschaffen. Dieser Ansatz lädt dazu ein, traditionelle Denkmuster zu verlassen und beim Patchen experimentierfreudig und offen zu agieren.

Acht Ausgänge laufen potenziell mit eigenen Geschwindigkeiten, ändern unabhängig Tempo und Richtung, sodass sich viele Signale aus einem…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Unabhängige Umlaufbahnen: Geschwindigkeit, Richtung und kontrolliertes Chaos

Wenn man solche Prozesse für Steuerspannungen nutzt, fühlt sich die Metapher anders an.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Ein zentrales Merkmal des MultiMod sind seine acht Ausgänge, von denen jeder Geschwindigkeit und Richtung unabhängig ändern kann. Das ist kein gewöhnlicher Multi-Out-LFO oder simpler CV-Splitter; stattdessen kann jeder Kanal mit eigener Geschwindigkeit laufen, teils sogar die Richtung wechseln – das Resultat ist eine ständig wechselnde Modulationslandschaft.

Im Video wird gezeigt, wie diese Flexibilität eine ausgeklügelte Steuerung von Steuerspannungen ermöglicht. Durch gezielte Parameteränderungen lassen sich komplexe, sich entwickelnde Muster erzeugen, die mit herkömmlichen Modulen umständlich wären. Die Unabhängigkeit jedes Ausgangs bedeutet: Hier wird nicht einfach ein Signal kopiert, sondern ein ganzes Modulations-„Sternbild“ mit individuellen Bahnen orchestriert.

Umlaufbahnen als Metapher: Signalbewegung neu denken

Make Noise greift die Metapher der Umlaufbahnen auf, um die Funktionsweise des MultiMod zu erklären. Statt auf Tape-Loops oder Buffer zu setzen, schlägt das Team vor, das Modul als eine Gruppe von Planeten zu sehen, die um eine Sonne kreisen – oder als Läufer auf einer Bahn. Diese Metapher verdeutlicht, wie jeder Ausgang seine eigene Bahn zieht, mal andere überholt, mal hinterherhinkt – ganz wie Himmelskörper mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Im Video wird erläutert, dass die vollen 360 Grad der Umlaufbahn das gesamte kopierte Signal repräsentieren, wobei die Zeitsteuerung bestimmt, wie lange eine Umdrehung dauert. Die rotierende Linie – vergleichbar mit einem Radarschwenk – überschreibt das Signal, während sie sich bewegt, und jeder Ausgang liest mit eigenem Tempo daraus. Diese Abstraktion hilft, den ansonsten undurchsichtigen Prozess der CV-Verarbeitung im MultiMod greifbar zu machen.

Wer sich auf dieses Umlaufbahn-Modell einlässt, denkt weniger in linearer Zeit, sondern mehr in zyklischer, voneinander abhängiger Bewegung. Die Metapher ist nicht bloß Zierde – sie beeinflusst tatsächlich das Patch-Verhalten und lädt zum Experimentieren mit Phase, Spread und Zusammenspiel der Kanäle ein.

Es könnten umkreisende Planeten, Läufer auf einer Bahn oder ein Modell subatomarer Teilchen sein – was auch immer für dich funktioniert.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Formwandler: Muster, Dynamik und Klangtexturen

Die letzten Shapes beim MultiMod gehen noch weiter und führen zu Umlaufbahnen mit unmöglichen Bewegungen, nämlich Teleportation.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Der MultiMod begnügt sich nicht mit einfachen Umlaufbahnen: Er bietet eine Auswahl an Shape-Optionen, die das Ausgangsverhalten grundlegend verändern. Die Standardform Ramp sorgt für konstante Umlaufgeschwindigkeit, doch mit Saw, Triangle oder exotischeren Shapes kommen Richtungswechsel, Beschleunigungen und sogar diskontinuierliche Sprünge ins Spiel. Diese Bewegungsmuster sind mehr als mathematische Spielereien – sie prägen direkt die entstehenden CVs und damit den Klangcharakter des Patches.

Wie das Video zeigt, bringen Shapes wie Staircase, Stepped Random oder Ramplets Unstetigkeiten und unvorhersehbare Sprünge ins Spiel, was zu komplexen, texturierten Modulationen führt. Das Zusammenspiel von Shape, Geschwindigkeit und Phase sorgt dafür, dass sich kein Ausgang wie der andere verhält – der MultiMod ist ein mächtiges Werkzeug für organisch-evolvierende Steuersignale.

Abstraktion und Intuition: Patchen jenseits des Manuals

Auch wenn die Umlaufbahn-Metapher ein hilfreiches Denkmodell liefert, weist das Video auf deren Grenzen hin. Letztlich ist das Verständnis der abstrakten Funktionen des MultiMod nur die halbe Miete – wirkliche Meisterschaft entsteht durch praktisches Ausprobieren und das Entwickeln eines musikalischen Gespürs für das Modul im Patch.

Make Noise ermutigt dazu, die Metapher als Sprungbrett und nicht als Krücke zu nutzen. Wer patcht, hört und in Echtzeit schraubt, kann über die Theorie hinaus neue kreative Workflows entdecken. Der MultiMod wird so weniger zum Rätsel, sondern vielmehr zum Instrument, das Neugier und die Bereitschaft zum Unbekannten belohnt.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/make-noise-multimod-orbits-abstractions-and-eightfold-cv-mayhem/
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