AudioPilz vs. cyma forma RND: Der One-Button-Synth, der der Tradition gepflegt ins Gesicht lacht

26. September 2026

JET

AudioPilz vs. cyma forma RND: Der One-Button-Synth, der der Tradition gepflegt ins Gesicht lacht

AudioPilz stürzt sich kopfüber in die wilde Welt des cyma forma RND, ein Synth, der weniger Respekt vor Konventionen hat als ein Punk auf einer Weinprobe. Ein Ein-Knopf-Wunder (oder Desaster, je nach Sichtweise), das zufällige Patterns ausspuckt und klingt wie ein Spielautomat, der an einen kaputten Speak & Spell gelötet wurde. Wie immer bei Bad Gear gibt’s gnadenlose Ehrlichkeit, scharfe Sprüche und die Frage: Ist das Gerät ein Meme, ein Wunder oder einfach nur musikalischer Ragebait? Wer unberechenbare Synths und bissige Reviews mag, ist hier richtig.

Meme oder Maschine?

Der cyma forma RND knallt auf den Tisch wie eine Pointe auf einer Synth-Nerd-Convention – ein einziger Knopf, ein bescheuerter Name und ein Konzept, das altgediente Produzenten ihr lauwarmes Lager ausspucken lässt. AudioPilz stellt das Teil mit der Art von bissiger Energie vor, die sonst nur für Gear reserviert ist, das garantiert die Gemüter spaltet. Von Anfang an gibt’s keine Gnade: Das Ding wird als unheiliges Kind eines Gimmick-Spielzeugs und einer halbgaren Kunsthochschul-Abschlussarbeit beschrieben – klingt treffend, wenn man je von einem Synth geträumt hat, der seinen Nutzer regelrecht trollt.

Das ist eine bewusste Ohrfeige für die Tradition, und AudioPilz macht sich herrlich lustig darüber, wie der RND eher Ragebait für Puristen als ernsthaftes Instrument ist. Das ganze Prinzip ist Zufall – kein Patch-Speicher, kein Schrauben, einfach drücken und hoffen. Der erste Eindruck? Das ist Gear für die chronisch Gelangweilten, die Mutigen oder alle, die klassischen Workflow für Feiglinge halten.

Dieses gottverlassene Liebeskind eines Gimmick-Spielzeugs, das selbst Teenage Engineering peinlich wäre, und einer 2005er Bachelorarbeit…

© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)

Zufallschaos: Die Sound-Engines

Die Ergebnisse von Sima Formas nuklearem Football für experimentelle Musiker sind für immer weg, sobald du den Knopf erneut drückst.

© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)

Unter der Haube ist der cyma forma RND ein Frankenstein-Monster digitaler Synthese – acht Engines, jede unberechenbarer als die andere. AudioPilz zählt sie auf, als würde er sich auf den nächsten Irrsinn vorbereiten: Subtraktiv, FM, Acid, Noise, Speech, Karplus-Strong, Supersaw und Additiv. Heraus kommt eine zufällige Kombi aus bis zu vier Instrumenten, jeweils vierstimmig, alles als Drone, Sequenz oder Jingle ausgespuckt, mit euklidischen Rhythmen als Rückgrat. Der Haken? Drückst du den Knopf nochmal, ist alles für immer weg – Synth-Existenzangst par excellence.

Editieren ist quasi nicht vorgesehen, was allen Kontrollfreaks einen Tritt in die Magengrube verpasst. Mit MIDI kann man noch ein bisschen schieben – Lautstärke, Reverb, Transpose – aber im Grunde geht’s darum, das Frankenstein-Patch zu nehmen, wie es kommt. AudioPilz macht klar: Wer Vorhersehbarkeit oder Feintuning will, wird mit diesem Synth wahnsinnig. Für alle anderen ist es pures Chaos in einer Plastikschachtel.

Genie durch Zufall: Inspiration aus dem Abgrund

Trotz aller Einschränkungen steckt hier eine seltsame Magie drin. AudioPilz gibt zu, dass der Zufall – so frustrierend er manchmal ist – tatsächlich Ideen hervorbringen kann, auf die man nüchtern oder mit einem normalen Gerät nie kommen würde. Patches und Patterns, die anfangs wie ein Witz wirken, können am Ende das Rückgrat eines Tracks werden, wenn man bereit ist, das Glücksrad zu drehen. Klar, manchmal kommt nur Müll raus, aber manchmal trifft man eben auch Gold – und ist das nicht genau das, was uns alle nachts wachhält, in der Hoffnung, dass die Inspiration uns endlich eine reinhaut?

Erstaunlich brauchbar trotz Glücksspiel-Ansatz – und wird garantiert sowohl im echten Leben als auch in den sozialen Medien für Aufsehen…

© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)

Bau, Preis und heiße Luft

Der cyma forma RND gibt sich keine Mühe, ein Luxusartikel zu sein. AudioPilz fasst den Bau als okay für das, was es ist, zusammen – Plastik, ja, aber kein kompletter Schrott. Eine LED blinkt wie eine billige Disco, und der Preis bringt dich nicht zum Heulen ins Bier. Weit entfernt von den Portemonnaie-Killern aus dem Boutique-Regal, eher auf dem Level eines guten Abends in der Kneipe. Trotzdem: Kein physischer MIDI-Out und das Meme-Design spalten die Gemeinde wie ein fragwürdiger Döner um vier Uhr morgens.


Play drücken, Chaos umarmen

Wer wirklich wissen will, was dieser Synth kann, muss ihn hören. Die Techno-Jams von AudioPilz zeigen das herrliche Durcheinander, das das Teil ausspuckt – mal genial, mal total Banane. Den wahren Charme dieser Unberechenbarkeit erlebt man im Video besser als in jedem Testbericht, denn mal ehrlich: Das Erlebnis steckt im Lärm, nicht im Datenblatt. Wer Spaß daran hat, das Chaos zum nächsten Banger machen zu lassen, sollte hier unbedingt reinhören.


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