Vulture Culture – Matrix-12 im Blindtest: nah am Original, schneller am Sound

6. November 2026

KNISTER

Matrix-12 im Blindtest: nah am Original, schneller am Sound

Zwei Beispiele, eine verdeckte Zuordnung: Vulture Culture eröffnet sein am 5. November 2026 veröffentlichtes Video mit einem A/B-Rätsel. Beispiel A entpuppt sich als sein Vintage-Matrix-12. Ob der Unterschied musikalisch zählt, ist danach die interessantere Frage. Für den Vergleich seien die Hardware kalibriert, die Signalwege identisch und die Pegel exakt angeglichen, erklärt er. Auch seine Verbindung zum Hersteller legt er offen: GForce bezahlte ihn für Werkspresets. Dieses Video sei jedoch weder beauftragt noch bezahlt worden; GForce habe keinen Einfluss auf den Inhalt.

Ein bisschen heller ist noch kein Gesamturteil

Vulture Culture – I Own a Matrix-12. GForce Got Closer Than I Wanted.

© Screenshot/Zitat: Vulture Culture (YouTube)

Beim Dreieck hört Vulture Culture im Plugin etwas weniger Höhen, beim Puls dagegen etwas mehr. Mit Pulsbreitenmodulation wird die Abweichung für ihn deutlicher; er nähert die Klangfarben durch eine veränderte Filteransteuerung an. Das Rauschen beschreibt er als ersten substanziellen Unterschied: Seine Hardware klinge eher nach rosa, die Software eher nach weißem Rauschen. Ein pauschales Urteil über einen grundsätzlich helleren oder dunkleren Plugin-Klang trägt dieser Durchgang also nicht.

Beim um 36 Halbtöne hochgesetzten Dreieck identifiziert er außerdem Aliasing im Plugin anhand der Spektraldarstellung. Zugleich warnt er: YouTubes Kompression könne solche Unterschiede verschlucken oder selbst Artefakte erzeugen. Das Video liefert hier seine Diagnose, keinen unverfälschten Hörbeweis für jedes Wiedergabesystem.

Auch das Original ist keine unveränderliche Messlatte. In seinem Hardwarevergleich mit Matrix-6 und Chroma Polaris vom 29. Oktober bedauert er eine Kalibrierung, weil vorher mehr Bewegung als beim Matrix-12 zu hören gewesen sei. Beim Plugin bleibt deshalb eine wichtige Einschränkung seines begeisterten Fazits:

Der Härtetest darf beißen

Vulture Culture bleibt nicht beim nackten Oszillator stehen. Er arbeitet die 15 Filtermodi durch, korrigiert Hüllkurven und Resonanzwerte nach Gehör. Gleiche Zahlen liefern nicht durchgehend dasselbe Verhalten. Auch bei den LFO-Raten bemerkt er Abweichungen. Für bewegte Patches ist das relevant: Nicht nur die Klangfarbe, auch Tempo und Kontur der Bewegung zählen.

Besonders ergiebig wird die Filter-FM: Er nimmt VCO 2 aus dem hörbaren Signal und verändert dessen Frequenz, um einen sprechenden Filtercharakter herauszuarbeiten. Hier überzeugt ihn die Emulation. Bei extrem hoher Crossmodulation beschreibt er dagegen digitale Auffälligkeiten – verschweigt aber auch unerwünschten Schmutz seiner analogen Hardware in solchen Grenzbereichen nicht.

Vulture Culture – I Own a Matrix-12. GForce Got Closer Than I Wanted.

© Screenshot/Zitat: Vulture Culture (YouTube)

Weniger Menü, mehr Bewegung

Syntaur – Talking Synths, Episode 33: Jonray Higginbotham of Moonlab Studios

© Screenshot/Zitat: Syntaur (YouTube)

Beim Programmieren kommt der deutlichste praktische Vorteil zum Vorschein. Vulture Culture zieht im Plugin LFO 1 auf die Pulsbreite; das Matrix-Routing entsteht automatisch. Aus Gewohnheit bevorzugt er zwar die klassische Parameterauswahl, räumt beim Aufbau einer zweiten PWM-Verbindung aber ein: Die Software ist schneller.

Wie viel Zugang ausmacht, schilderte Jonray Higginbotham von Moonlab Studios bereits im Syntaur-Gespräch von 2021. Seinen Matrix-12 lobt er klanglich, gesteht aber, ihn noch nicht vollständig gelernt zu haben. Seine Begründung ist erfreulich unromantisch:

Nicht jede Stimme muss dasselbe machen

Higginbothams musikalische Vorliebe ist dabei sehr konkret. Am Oberheim Four Voice verteilt er unterschiedliche LFO-Geschwindigkeiten auf die Stimmen. Das ist ein anderes Instrument, aber eine reizvolle musikalische Entscheidung: Bewegung entsteht nicht bloß durch möglichst viel Verstimmung.

Vulture Cultures abschließende Plugin-Patches führen ebenfalls über den einheitlichen Akkordsound hinaus. Bei Arboretum of Galatea erklärt er, dass jede Stimme einen anderen Patch spielen kann. In Voyager’s Last Light kombiniert er PWM mit Crossmodulation und Rauschen; die Stimmen elf und zwölf bilden im Unisono windspielartige Texturen. Da wird aus dem Vergleich wieder Musik.

Syntaur – Talking Synths, Episode 33: Jonray Higginbotham of Moonlab Studios

© Screenshot/Zitat: Syntaur (YouTube)

Der spannende Gewinn ist nicht, dass niemand mehr einen alten Matrix-12 erkennt. Sondern dass seine verschachtelten Möglichkeiten leichter ins Spielen kommen. Der Blindtest fragt nach dem Original; die Patches am Ende fragen nach der nächsten Nummer.

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