Elektrons Wavetone-Maschine: Ein Architektur-Check des Digitone II

5. Juni 2025

LYRA

Elektrons Wavetone-Maschine: Ein Architektur-Check des Digitone II

Der Digitone II von Elektron erweitert das digitale Synthese-Portfolio mit der neuen Wavetone-Maschine – einem Dual-Oszillator-Synth mit ausgeprägten Waveshaping- und Modulationsmöglichkeiten. Im offiziellen Walkthrough zerlegt das Elektron-Team jeden Parameter und zeigt, wie Phase Distortion, harmonische Wavetables und eine ausgefeilte Noise-Sektion zu komplexem Sounddesign verschmelzen. Elektron bleibt seinem Ruf als Performance-orientierter Hersteller treu: Im Fokus stehen praktische Workflows und die Architektur des Engines, die sowohl für experimentelle Texturen als auch für klassische Layering-Aufgaben geeignet ist. Wer wissen will, wie tief der Motor wirklich geht, bekommt hier einen seltenen, systematischen Blick unter die Haube.

Wavetone kennenlernen: Das neue Klangzentrum des Digitone II

Die Wavetone-Maschine des Digitone II erweitert Elektrons digitale Synthese um einen Zwei-Oszillator-Engine mit Fokus auf flexibles Waveshaping. Das Video beginnt mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Auswahl von Wavetone im Synth-Menü und unterstreicht Elektrons Anspruch auf workflow-orientierte Bedienung und direkten Zugriff auf die Sound-Engines. Die Benutzeroberfläche offenbart drei eigene Parameterseiten, die zum tiefen Eintauchen einladen – statt nur an der Oberfläche zu kratzen.

Wavetone vereint Elemente aus Phase Distortion, Wavetables, Ringmodulation und Hard Sync in einer performancefreundlichen Umgebung. Der Engine richtet sich an Nutzer, die Klänge sowohl auf Makro- als auch auf Mikroebene formen wollen – von klassischen Sounds bis zu experimentellen Texturen. Elektrons Ansatz: Anspruchsvolle Synthese zugänglich machen, ohne wichtige Parameter hinter Menüs zu verstecken.

Wavetone ist ein Zwei-Oszillator-Synth mit super flexiblen Waveshaping-Möglichkeiten.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Wellenformen und Wavetables: Die Klangpalette wächst

Diese Wellenformen sind standardmäßig unsere primären Wellenformen, also Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Im Oszillatorbereich von Wavetone stehen zunächst klassische Wellenformen wie Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck zur Verfügung. Das Besondere: Mit einem Crossfade-Parameter lassen sich diese Formen stufenlos morphen – ideal, um Sounds in Echtzeit weiterzuentwickeln, besonders in Kombination mit Elektrons Sequencer und Modulationen.

Auf der zweiten Synthese-Seite können Nutzer aus verschiedenen harmonischen Wavetables wählen. Das eröffnet ein breites Spektrum an Obertönen und spektralen Farben – von reinen Grundtönen bis zu komplexen Layern. Im Video wird gezeigt, wie der Wechsel von primären zu harmonischen Wavetables den Charakter des Oszillators sofort verändert und Sounddesignern ein echtes Spielfeld bietet.

Oszillator-Interaktion: Modulation, Sync und Drift

Die Modulationsmöglichkeiten von Wavetone zeigen, wie viel Digitalkompetenz in diesem Engine steckt. Die beiden Oszillatoren können per Ringmodulation, Ringmod Fixed (ohne Keyboard-Tracking für Oszillator 2) oder Hard Sync interagieren. Jeder Modus bringt einen eigenen Klangcharakter – von metallischen Sounds bis zu aggressiven Sync-Leads. Die Hard-Sync-Implementierung ist klassisch, aber flexibel: Oszillator 1 wird mit jedem Zyklus von Oszillator 2 neu gestartet, was typische Sync-Sweeps ermöglicht.

Ein Detail am Rande: Die Phase-Reset-Steuerung erlaubt es, zwischen frei laufenden Oszillatoren, Phasen-Reset beim Tastendruck oder zufälligem Phasenstart pro Note zu wählen. Gerade für perkussive oder sich entwickelnde Sounds ist das ein mächtiges Werkzeug, das den Attack und die Konsistenz eines Patches stark beeinflussen kann.

Mit Drift kommt eine weitere Schicht organischer Unvorhersehbarkeit ins Spiel: Zufällige Tonhöhenabweichungen für beide Oszillatoren sorgen für analoge Wärme oder dicke Akkorde. Die Kombination dieser Features ermöglicht es, komplexe, animierte Texturen zu bauen, die weit über statische Digitalsounds hinausgehen.

Hard Sync, das – ohne zu nerdig zu werden – die Phase von Oszillator 1 jedes Mal zurücksetzt, wenn Oszillator 2 seinen Zyklus beendet.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Noise-Sektion: Komplexität formen und integrieren

Hier formen und justieren wir unsere Noise-Sektion.

© Screenshot/Zitat: Weareelektron (YouTube)

Die dritte Seite von Wavetone ist der Noise-Sektion gewidmet – und die ist alles andere als Beiwerk. Die Noise-Lautstärke lässt sich stufenlos mit den Oszillatoren mischen, die Amplitudenhüllkurve ist über eigene Encoder justierbar. Besonders flexibel ist der Hold-Parameter: Maximal eingestellt arbeitet er als Gate, bei niedrigeren Werten als zeitgesteuerte Hüllkurve – perfekt für perkussive oder atmosphärische Einsätze.

Für die Noise-Sektion gibt es Bass- und Width-Filter, mit denen sich Frequenzspektrum und Stereobreite formen lassen. Der Typ-Wahlschalter bietet drei Varianten: Grain, Sample & Hold tuned (pitch-tracking) und Sample & Hold ohne Pitch-Tracking. Jede Variante bringt ihren eigenen Charakter mit – von granularen Texturen bis zu klassischem Analograuschen – und kann mit dem Character-Parameter weiter geformt werden, der je nach Noise-Typ unterschiedliche Funktionen übernimmt.

Diese Detailtiefe bei der Noise-Integration ist in digitalen Synths dieser Preisklasse selten. Elektron lädt dazu ein, Noise kreativ zu layern – subtil für Luftigkeit oder offensiv für glitchige Effekte. Die Noise-Sektion ist ein zentrales Werkzeug im Sounddesign von Wavetone.

Kreative Workflows: Wavetone in der Praxis

Mit seinem umfassenden Parameter-Set ist Wavetone klar auf komplexes Sounddesign und Layering ausgelegt. Im Video wird gezeigt, wie Ringmodulation, harmonische Wavetables und ausgefeilte Noise-Formung von flächigen Pads bis zu wilden, experimentellen Texturen führen können. Elektrons Parameter-pro-Seite-Ansatz hält den Workflow dabei schnell und übersichtlich, auch wenn die Möglichkeiten exponentiell wachsen.

Für Performer und Studio-Nerds gleichermaßen bietet Wavetone sowohl spontanes Tweaken als auch tiefes Programmieren. Der Engine fühlt sich in DAWless-Jams, Live-Sets oder als Sounddesign-Tool im Studio gleichermaßen zuhause. Auch wenn das Video primär die Parameter erklärt und weniger musikalische Kontexte zeigt, wird klar: Wavetone belohnt alle, die tiefer graben.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/elektrons-wavetone-machine-a-deep-dive-into-digitone-iis-sonic-architecture/
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