Espen Kraft vs. Ensoniq Fizmo: Der letzte pinke Krieger

24. September 2026

SPARKY

Espen Kraft vs. Ensoniq Fizmo: Der letzte pinke Krieger

Espen Kraft zerrt den Ensoniq Fizmo aus dem Synth-Purgatorium und grillt ihn ordentlich. Das letzte Aufbäumen von Ensoniq: vollgepackt mit schrägen Transwaves und dem Ruf, entweder ein seltenes Juwel oder ein stinkendes Relikt zu sein. Ist er dein hart verdientes Rave-Geld wert oder sollte man ihn lieber den Vintage-Fetischisten überlassen? Wir reißen das pinke Biest auf und finden heraus, warum manche ihn für den schlechtesten Synth ever halten – und andere ihm trotzdem wie einem MIDI-synchronisierten Einhorn hinterherjagen.

Letzter Aufruf für Ensoniq: Fizmo’s Abschiedstour

Der Fizmo ist Ensoniqs letzter Synthesizer-Stand von 1998, und Espen Kraft lässt sich von Nostalgie nicht blenden. Gleich zu Beginn vergleicht er ihn mit einem fragwürdigen alten Onkel – unvergesslich, etwas unangenehm und definitiv nichts für den Alltag. Aber irgendwo blitzt doch etwas Besonderes durch den schrägen Ruf. Diese pinke Kiste will kein Brot-und-Butter-Synth sein – und genau das ist der Punkt.

Was du bekommst, ist eine Maschine mit eigenwilliger Identität: Echtzeitkontrollen, ein fetter Arpeggiator und eine Soundpalette, die zwischen Ambient-Traumwelten und gläserner Digital-Schrägheit pendelt. Ensoniq verabschiedet sich nicht mit einem höflichen Händedruck, sondern mit einem Synth, der so spaltet wie ein Toaster-Fight auf einer Lagerhausparty.

Nichts, was man jeden Tag sehen oder hören will, aber ab und zu liefert er einen guten Sound für deine Tracks.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Nicht nur der Schlechteste: Knobs, Arps & Performance-Chaos

Er hat einen sehr umfangreichen Arpeggiator und ist irgendwie ein Performance-Synth – und du bekommst sofort diesen Ambient-Sound raus.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Espen gibt die Macken des Fizmo offen zu, sieht aber auch sein Live-Potenzial. Die fünf Echtzeit-Regler auf der Front lassen dich Helligkeit, Wave-Modulation, Detune und mehr direkt greifen – weniger Preset-Kiste, mehr Straßenkampf-Instrument. Wer beim Jam die Hände schmutzig machen will, wird hier nicht enttäuscht.

Der Arpeggiator ist Ensoniq-Exzess vom Feinsten: über hundert Pattern-Variationen, Splits und sofortiges MIDI-Clock-Sync. Kraft zeigt, wie der Fizmo so vom unbequemen Onkel zum Groovebox-Cousin wird – vor allem, wenn du auf komplexe, sich entwickelnde Texturen stehst, die nicht einfach wie ein Ziegelstein im Mix liegen.

Transwave-Kuriosität: Seltener als Einhörner, teuer wie Gold

Das große Ding am Fizmo ist seine Transwave-Synthese, vollgestopft mit 58 Wellenformen – fast alle trippy, gläsern und weit weg von Standard-Sägezahn oder Rechteck. Wer Prophet VS- oder PPG-Vibes sucht, findet hier entfernte Verwandte, aber mit kälterem, spacigerem Twist. Nur etwa 2.000 Keyboards und ein paar hundert Racks wurden gebaut – viel Glück, wenn du einen ohne Organspende ergattern willst.

Kraft ist ehrlich: Der hohe Preis liegt nicht am Sound, sondern an der Seltenheit. Das Ding ist rar, und das treibt den Markt in den Wahnsinn. Ob’s das wert ist, bleibt Geschmackssache – aber wer einen Synth flexen will, den kaum jemand je gesehen hat, bekommt mit dem Fizmo das perfekte Snob-Accessoire.

Aber weil sie so selten sind, heißt selten gleich teuer – so ist das eben.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Sound-Demos: Ambient-Glanz und Patch-Chaos

Die zweite Hälfte des Videos ist ein echter Sound-Workout: Kraft spielt Custom-Patches von Keyboard und Rack, zeigt schimmernde Pads, sich entwickelnde Texturen und FX-getränkten Wahnsinn. Hier muss man wirklich hören, um’s zu kapieren – die Magie des Fizmo liegt in der Bewegung, nicht im Datenblatt. Wer den Onkel selbst beurteilen will, muss ins Video eintauchen und sich von den gläsernen Wellenformen überrollen lassen.


Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/espen-kraft-vs-ensoniq-fizmo-the-last-pink-warrior/
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