Frap Tools schickt den Magnolia-Polysynth auf einen modularen Ausflug und rekonstruiert einen klassischen, glitchigen Drum-Patch, der ursprünglich mit Brenso und Usta entstand. Das Video taucht tief in die Möglichkeiten ein, wie viel modulare Klangvielfalt Magnolia liefern kann – mit Fokus auf Modulation, Filter und sequenzierte Chaosmomente. Wir verfolgen den Arbeitsprozess, sehen die Grenzen im Vergleich zu einem kompletten Eurorack-System und entdecken die kreativen Patch-Möglichkeiten, die Magnolia für Techno bietet.

21. Juli 2026
MILES
Frap Tools Magnolia: Glitch-Drums im Modular-Stil – Eine Patch-Analyse
Von Brenso zu Magnolia: Modular-Drums neu gedacht
Das Video beginnt mit Giovanni von Frap Tools, der das Ziel setzt: Ein beliebtes Modular-Drum-Patch – ursprünglich mit dem Brenso-Oszillator und dem Usta-Sequencer gebaut – soll auf dem neuen Magnolia-Polysynth nachgebaut werden. Im Original diente Brenso als einzige Klangquelle, die durch Ustas Vielzahl an Gate-Ausgängen und direkte Modulation in ein glitchiges, rohes Techno-Drumkit verwandelt wurde. Die Herausforderung: Wie weit lässt sich Magnolia in ähnliche modulare Gefilde treiben, trotz anderer Architektur?
Das erste Ziel ist, Brensos Ping-Schaltung nachzuahmen – ein Wavefolder-Trick, der eine sanfte, organische Hüllkurve für die Drum-Klanggestaltung erzeugt. Mit Magnolia richtet Giovanni den Arpeggiator auf Viertelnoten ein, stimmt den Oszillator tiefer und bastelt eine Hüllkurve mit langem Ausklang und kurzem Gate. Die FM-Hüllkurve, sonst ungenutzt, wird zur Modulation des Wavefolder-Levels eingesetzt. Es gilt, den Sweet Spot zu finden – klassisches Modular-Verhalten, aber mit Magnolias interner Verschaltung statt fliegender Patchkabel.

"Die Idee hinter diesem Patch, den ich hier und in der Beschreibung verlinke, war, eine einzelne Klangquelle – in diesem Fall den Brenso-Oszillator – maximal auszureizen, um ein glitchiges, rohes Techno-Drumkit zu erzeugen."
© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Modulationschaos: LFOs, Sample & Hold und Filter

"Das ist der schwierige Teil, denn mit Usta konnte ich bis zu 8 unabhängige und unterschiedliche Gate-Ströme erzeugen, und hier habe ich diese Flexibilität nicht."
© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Die Nachbildung von Ustas mehreren Gate-Strömen ist knifflig, da Magnolia nicht die gleiche Sequencer-Flexibilität bietet. Die Lösung: LFOs als Modulationsquellen einsetzen. Der erste LFO, als temposynchrones Rechteck eingestellt, wird auf die Waveshape gepatcht und mit Phase-Bend weiter geformt. Es wird experimentiert – Ziele werden getauscht, und die Sample-and-Hold-Schaltung kommt ins Spiel, erst auf die Waveshape, dann auf den True Zero FM-Parameter für zusätzliche Bewegung.
Mit laufenden 16tel-LFOs klingt es zunächst etwas starr – Giovanni bringt Leben hinein, indem er den LFO-Verstärker und die Phase-Band-Parameter moduliert und so subtile Dynamik erzeugt. Der Tiefpassfilter zähmt anschließend die schärferen Kanten und ermöglicht dynamischere Hüllkurven. Das Video zeigt, wie Magnolias Modulationsmatrix und Filtersektion kreativ zweckentfremdet werden können, um das Chaos eines vollwertigen Modularsystems zu erreichen.
Layering und dynamische Drum-Patches
Magnolias dritter LFO kommt dazu, wieder temposynchron und zur Modulation von Parametern wie True Zero FM eingesetzt, wobei Polymove-Modulation die Rate verändert – etwas, das im ursprünglichen Brenso/Usta-Setup nicht möglich war. Für die Kickdrum-Schicht kann Magnolia den selbstgepatchten Sinus-Trick von Brenso nicht direkt nachbilden, daher wird ein neuer Ansatz gewählt: Ein zweiter Part (Part B) wird gelayert, auf Unisono gestimmt und dessen Hüllkurve moduliert die Oszillatorfrequenz, um einen perkussiven Kick zu simulieren.
Der Arpeggiator wird für Drum- und Kick-Layer aktiviert, weitere Anpassungen sorgen für das richtige Mischungsverhältnis – klassisches Modular-Verhalten, aber innerhalb von Magnolias kompakterem System. Der Workflow zeigt den methodischen Aufbau eines komplexen, dynamischen Drum-Patches durch das Stapeln von Klangquellen und Modulation – ganz im Sinne des iterativen Patchens im Eurorack, nur mit weniger Kabeln und integriertem System.

"Und ich kann etwas tun, das mit Usta nicht möglich war: Polymove nutzen, um die Rate zu verändern."
© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Patch-Animation: Mod-Wheel-Makros

"Um diesen Patch zu animieren, könnte ich das Mod-Wheel nutzen, um etwas True Zero FM hereinzubringen."
© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Zum Abschluss demonstriert Giovanni, wie das Mod-Wheel als Makrosteuerung für zusätzliche Effekte genutzt werden kann. Durch das Zuweisen des Mod-Wheels auf Parameter wie True Zero FM, Highpass- und Lowpass-Cutoff sowie Release-Zeit wird das Drum-Pattern lebendiger und ausdrucksstärker. Dieser Ansatz bringt eine performative Ebene ins Spiel und ermöglicht Live-Tweaks und sich entwickelnde Texturen – ein wichtiger Verweis auf die Hands-on-Philosophie der Modularsynthese, auch im digitalen Workflow von Magnolia.
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